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Hänsel marschiert durch

Die CDU hat auf den richtigen Bewerber gesetzt. Ihr parteiloser Kandidat ist der neue Meißner Landrat.

CDU-Bewerber Ralf Hänsel hatte ursprünglich seine Mitstreiter nur zu einem Dankesfest in die Schwerter-Brauerei eingeladen. Dann wurde es eine Siegesfeier. Ex-Landrat Arndt Steinbach gehörte zu den ersten Gratulanten.
CDU-Bewerber Ralf Hänsel hatte ursprünglich seine Mitstreiter nur zu einem Dankesfest in die Schwerter-Brauerei eingeladen. Dann wurde es eine Siegesfeier. Ex-Landrat Arndt Steinbach gehörte zu den ersten Gratulanten. © Claudia Hübschmann

Die Fragen im Hinterkopf wird der Vorsitzende des Meißner CDU-Kreisverbandes Sebastian Fischer an diesem Abend wohl nicht gänzlich verdrängen können. Bereits im ersten Wahlgang kann sich der Kandidat der Christdemokraten, Ralf Hänsel, als neuer Landrat im Kreis Meißen durchsetzen. Allerdings ist der Sieg keinem Parteimitglied gelungen. Mit dem Zeithainer Bürgermeister Hänsel konnte sich vielmehr ein parteiloser Bewerber den Posten sichern. 

Trotzdem überwiegt bei dem früheren Landtagsabgeordneten Fischer, der bei der Kandidatur gegen Hänsel verlor, die Feierlaune. „Wir haben durch Geschlossenheit gesiegt“, so der Politiker. Alle im Wahlkampfteam hätten daran mitgewirkt. Dafür habe sich der künftige Landrat auch am Abend bedankt. Die Christdemokraten hätten überall im Landkreis gezeigt, dass die Partei noch große Erfolge einfahren könne.

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Hänsels Hochburgen waren am Sonntag vor allem die großen Städte. In Coswig holte er zum Beispiel 53,7 Prozent. Gleich um die Ecke seines Zeithainer Rathauses, in Riesa, waren es fast 54 Prozent. In den kleinen Gemeinden im Osten des Landkreises hätte es dagegen nicht zu einem Durchmarsch gereicht. Sowohl in Schönfeld als auch in Thiendorf war AfD-Mann Thomas Kirste dem CDU-Mitbewerber vergleichsweise dicht auf den Fersen.

Schwerer Job für sieben Jahre

Vom vorläufigen Endergebnis erfuhr Ralf Hänsel am Sonntagabend in der Gaststätte der Privatbrauerei Schwerter Meißen. Mehrfach bereits haben dort die Christdemokraten und ihre Unterstützer an Wahlabenden die Auszählung verfolgt. Er sei ursprünglich nicht zum Feiern gekommen, sondern ums sich bei seinem Wahlkampfteam zu bedanken, so der künftige Meißner Landrat. Der 50--Jährige hatte einen intensiven, aber eher unauffälligen Wahlkampf geführt. Er verzichtete auf Unterstützungsauftritte durch CDU-Mandatsträger des Landes und Bundes. Stattdessen zog er über das Land. Hänsel las beim Meißner Literaturfest vor, tauchte beim Riesaer Kult-Stadtfest Bella Gröba auf und besuchte das Mieterfest der Wohnungsgesellschaft Nünchritz.

Die Kandidatin (rechts) der Bündnisgrüne, LInkspartei und SPD, Elke Siebert, erreiche als Neueinsteigerin knapp 20 Prozent.
Die Kandidatin (rechts) der Bündnisgrüne, LInkspartei und SPD, Elke Siebert, erreiche als Neueinsteigerin knapp 20 Prozent. © Arvid Müller

Offenbar gelang es ihm auf diese Weise, sich als kompetentester Bewerber für den Chefposten im Landratsamt in Szene zu setzen. Es ist kein leichter Job, dem er sich nun für sieben Jahre stellen muss. Die Erste Beigeordneten des Kreises, Janet Putz, wies auf der jüngsten Kreistagssitzung in Riesa darauf hin, dass haushaltstechnisch schwierige Jahre bevorstehen. 

So wird die Verkehrsgesellschaft Meißen deutlich höhere Zuschüsse benötigen, als bisher geplant. Die Zahlen der Fahrgäste in den Bussen des Unternehmens sind durch die Corona-Pandemie stark eingebrochen. Das schwierige wirtschaftliche Umfeld könnte zu weiter steigenden Sozialausgaben führen. Schon jetzt ist dies der größte Posten im Haushalt des Kreises. Nicht absehbar ist weiterhin, wie die kreiseigenen Elblandkliniken ihre durch die Corona-Pandemie gestiegenen Aufwendungen letztlich finanzieren können.

Eher weniger Sorgen muss sich Hänsel über die Verhältnisse im Kreistag machen. Im Unterschied zu vielen Stadträten konnte sich der neu bestimmte Meißner Kreistag bei der Wahl im Mai vergangenen Jahres noch einen Hauch von Kontinuität bewahren. Die CDU verlor zwar kräftig, lag aber mit 30,8 Prozent und 27 Sitzen noch immer vorn. Mit gutem Abstand zur AfD (26 Prozent, 23 Sitze). Für die letzten Vorlagen aus dem Landratsamt fanden sich zumeist wechselnde Mehrheiten. Mögliche größere Streitpunkte und Fallstricke wie etwa das Vorhaben eines teuren Anbaus für das Landratsamt sind mittlerweile ausgeräumt. Im Wesentlichen sollte es darauf ankommen, die Behörde mit rund 1.300 Mitarbeitern effektiv zu lenken.

Kreis nicht reif für linke Themen

Nicht unzufrieden mit seinem Abschneiden in Höhe von knapp 29 Prozent zeigte sich am Sonntagabend AfD-Kandidat Thomas Kirste. „Die Landratswahl ist eher eine Personen- als eine Parteienwahl“, so der 42-Jährige. Ihn freue, dass sich aus seiner Sicht rund 80 Prozent der Wähler für Kandidaten mit einem bürgerlichen beziehungsweise konservativen Hintergrund entschieden hätten. Er gratuliere Ralf Hänsel zu dessen guten Ergebnis und wünsche ihm viel Erfolg dabei, den konservativen Wählerauftrag in der Praxis umzusetzen. Bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr hatte der Meißner Kirste noch mit rund 34 Prozent den Christdemokraten das Direktmandat für den hiesigen Wahlkreis abnehmen können.

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Zurückhaltend fiel im Luthersaal der Radebeuler Friedenskirche die Reaktion von Elke Siebert aus. Die gebürtige Leipzigern war für ein Wahlbündnis aus Bündnisgrünen, Linkspartei und SPD angetreten. Am Ende entschieden sich knapp 20 Prozent der Wähler im Kreis für sie. Das sind deutlich weniger Stimmen, als die drei Parteien bei anderen Wahlen gemeinhin auf sich vereinen können. In einer ersten Analyse sei man zu dem Schluss gekommen, dass es Neueinsteiger in die Politik, wie sie, bei einer Personenwahl immer schwer hätten, so Elke Siebert. Hinzu komme, dass der Landkreis Meißen für so wichtige Themen wie den Klimaschutz oder sozialen Ausgleich offenbar noch nicht reif sei.

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