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Tante Emma gibt auf

28 Jahre betrieb Simone Janke einen Laden in Ziegenhain. Jetzt hat sie geschlossen. An fehlender Kundschaft lag es nicht.

Nach 28 Jahren gibt Simone Janke ihren "Tante-Emma-Laden" in Ziegenhain auf.
Nach 28 Jahren gibt Simone Janke ihren "Tante-Emma-Laden" in Ziegenhain auf. © Gerhard Schlechte

Nossen. Die Einwohner im Nossener Ortsteil Ziegenhain hatten es gut. Wenn sie einkaufen,  ein Paket aufgeben oder abholen oder den Lottoschein für den großen erträumten Gewinn einreichen wollten, hatten sie einen kurzen Weg. Dies alles gab es im Lebensmittelladen von Simone Janke.  Während nach 1990 ringsherum die "Tante-Emma-Läden" auf den Dörfern nach und nach zumachten, war sie die Bastion in der Brandung. Sie sorgte dafür, dass sich die Türen des ehemaligen Konsums nach kurzer Schließung wieder öffneten. Die Graupzigerin, die einst in der Meißner Schuhfabrik arbeitete und mit der Wende ihren Job verlor, wagte den Sprung in die Selbstständigkeit.   

Seit Schulschließung ging es bergab

Der kleine, nur 90 Quadratmeter große Laden war beliebt, selbst wenn die Kunden ihre Großeinkäufe schließlich doch in einem Supermarkt erledigten. Bei Simone Janke kauften sie aber nicht nur, was sie im Großmarkt vergessen hatten, sondern auch das, was es dort nicht oder nicht überall gibt: regionale Produkte. Riesaer Nudeln zum Beispiel waren der Hit, aber auch Wurstwaren aus Roßwein oder Backwaren aus Meißen. Die Kunden blieben ihr treu, waren froh, dass es noch eine Einkaufsmöglichkeit im Dorf gab. Anderes war längst geschlossen worden, die Post, die Schule. Vor allem seit die Schule in Ziegenhain dicht gemacht wurde, sei es bergab gegangen im Dorf. "Junge Leute zogen weg, die Alten sterben. Es ist seitdem viel weniger Leben im Dorf", sagt sie.  

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Dennoch: Allein vom Lebensmittelverkauf konnte sie nicht leben. Deshalb richtete sie eine Postagentur ein, nahm auch Lottoscheine an. Doch jetzt ist auch der Laden von Simone Janke dicht. Am 31. Oktober schloss sie die Türen ab und wird sie nicht mehr aufmachen. Sie beendete ihre Tätigkeit aus "persönlichen Gründen", teilte sie ihren Kunden mit. An denen oder an fehlendem Umsatz habe es jedenfalls nicht gelegen, sagt die 54-Jährige. "Ich habe das Geschäft seit 28 Jahren geführt, seit 2000 allein, denn für eine Angestellte reichte der Umsatz nicht ", sagt sie.

Der Akku ist leer

 In all den Jahren habe sie so gut wie keinen Urlaub gemacht, sei nie krank gewesen. "Das hätte ich mir gar nicht leisten können", sagt sie. Ihre Arbeitswoche umfasste mindestens sechs Tage, von morgens bis abends stand sie im Geschäft, fuhr selbst in der Mittagspause nach Riesa zum Einkauf. Backte Brötchen, stellte Präsentkörbe zusammen, schaffte dem einen oder anderen Kunden auch die Ware ins Haus. Sonnabends gingen rund 500 frische Brötchen über den Ladentisch. "Aber irgendwann ist der Akku leer", sagt sie. Der Zeitpunkt ist nun gekommen. 

Nach all den anstrengenden Jahren will Simone Janke erst einmal zur Ruhe finden, zur Ruhe setzen will sie sich aber nicht. Sie wird demnächst einen neuen Job beginnen. Als Verkäuferin. Diesmal als Angestellte. 

Mit dem Geschäft von Simone Janke macht einer der letzten "Tante-Emma-Läden" im Landkreis Meißen dicht. Die Ziegenhainer werden ihn und ihre Betreiberin vermissen,  den Service, die Freundlichkeit, die frische Ware und das Eingehen auf Kundenwünsche. Tante Emma gibt auf. 

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