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Totes Baby: Angeklagte vergisst Termin

Eine heute 33-jährige Frau brachte ihr Kind allein zur Welt, und setzte es bei Kälte in Niederau aus. Es starb. Seit Montag wird der Fall neu verhandelt.

Die Angeklagte mit Ihrer Verteidigerin Anne Krause im November vorigen Jahres auf dem Weg zur ersten Verhandlung vor dem Landgericht Dresden.
Die Angeklagte mit Ihrer Verteidigerin Anne Krause im November vorigen Jahres auf dem Weg zur ersten Verhandlung vor dem Landgericht Dresden. © René Meinig

Niederau/Dresden. Fast genau ein Jahr nachdem eine heute 33 Jahre alte Frau wegen der Tötung ihres Neugeborenen am Landgericht Dresden wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt wurde, begann das Verfahren am Montag von vorn. Der Grund: Die Verteidigerin hatte Revision gegen das Urteil eingelegt. Der Bundesgerichtshof (BGH) gab dieser Revision statt  hob das Urteil auf und  und verwies die Sache zurück an das Landgericht Dresden. Eine andere Kammer des Landgerichtes  muss sich nun erneut mit der Tat beschäftigen, wobei der Sachverhalt feststeht, es nur um die Höhe der Strafe geht.

Ursprünglich sollte das erneute Verfahren vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichtes Dresden unter Vorsitz von Richter Andreas Feron bereits am 30. September dieses Jahres stattfinden. Der Termin musste aber wegen Erkrankung eines Beteiligten verlegt werden. Auch der Termin am Montag drohte zu platzen. Die Angeklagte, die sich auf freiem Fuß befindet, hatte den Termin vor dem Schwurgericht vergessen. Das Landgericht hatte nach dem Urteil im November vorigen Jahres den Haftbefehl außer Vollzug gesetzt. Zuvor hatte die Frau sechs Monate in Untersuchungshaft gesessen. Sie konnte doch noch ausfindig gemacht werden. Das Verfahren begann so fast zwei Stunden später als geplant.

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Zufallsfund durch Lehrling

Der Angeklagten wird vorgeworfen, am 3. Dezember 2017 ihr Neugeborenes allein zur Welt gebracht und danach getötet zu haben. Nachdem sie in ihrem Auto den gesunden Jungen zur Welt gebracht hatte, durchtrennte sie die Nabelschnur, wickelte das Neugeborene in Handtücher und legte es unversorgt bei Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt auf dem Gelände eines Landwirtschaftsbetriebes in der Gemeinde Niederau ab. Das Kind ist erfroren. Der Junge wies auch schwere Kopfverletzungen auf, die nicht von der Geburt stammen können. Doch auch ohne diese Verletzungen wäre er gestorben, so ein Gutachter. 

Tage später fand ein Lehrling durch Zufall das tote Baby. Knapp fünf Wochen nach der Tat wurde die Frau durch eine DNA-Analyse überführt, festgenommen und legte ein Geständnis ab.

Rätselraten um das Motiv

Über ihre Anwältin gab die Angeklagte im damaligen Verfahren die Tat zu. Über mögliche Motive schweigt sie sich bis heute aus. Verteidigerin Anne Krause hatte auf einen „minderschweren Fall“ des Totschlags plädiert, wollte eine Haftstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von sechs Jahren gefordert.

In der neuen Verhandlung wird es auch um die Schuldfähigkeit der Angeklagten gehen. Ein Psychiater hatte ihr im vergangenen Jahr volle Schuldfähigkeit attestiert. Die Angeklagte hat zwei weitere Kinder. Ein jetzt sechs Jahre altes Kind lebt bei ihr. Ein weiteres wurde 2010 anonym in einer Klinik geboren und lebt in einer Pflegefamilie. Gerade diese Tatsache hatte ihr das Landgericht in der ersten Verhandlung erschwerend angerechnet. Sie habe ja gerade gewusst, wie sie handeln müsse, wenn sie ein Kind bekommt, es aber nicht haben wolle. Dennoch habe die Frau das Neugeborene getötet, so das Gericht.

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Seit Mittwoch sitzt eine 31-jährige Frau wegen Totschlags vor dem Dresdner Landgericht. Auch der Kindsvater stand anfangs unter Verdacht.

Kurz gesagt, kritisierte der BGH , dass man der Angeklagten nicht anlasten könne, dass sie beim ersten Kind richtig gehandelt habe.

Das Verfahren wird am 30. November fortgesetzt. Dann soll es auch ein Urteil geben.

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