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"Waschbären dürfen nicht zuhause gehalten werden"

Jagdpächter Bodo Pietsch aus Radebeul äußert sich zur Verbreitung der Tiere und die Absicht einer Bürgerin, eine Auffangstation einrichten zu wollen.

Bodo Pietsch ist Jagdpächter in Radebeul. Mit seinen benachbarten Kollegen sorgt der ausgebildete Fachmann für ein gesundes Gleichgewicht der freilebenden Tierwelt in und rund um die Stadt.
Bodo Pietsch ist Jagdpächter in Radebeul. Mit seinen benachbarten Kollegen sorgt der ausgebildete Fachmann für ein gesundes Gleichgewicht der freilebenden Tierwelt in und rund um die Stadt. © Norbert Millauer

Radebeul/Landkreis Meißen. Der Artikel hat für Aufsehen gesorgt. Eine Radebeulerin will eine Auffangstation für Waschbären einrichten. Der Anlass: Ihre Nachbarin hatte sich an die Jagdbehörde gewandt, weil in deren Garten Waschbären Vogelnester räuberten und das Obst und Gemüse weggefressen haben. Daraufhin wurde eine Falle für die Tiere aufgestellt und die darin gefangenen Tiere getötet.

Die SZ hat mit Jagdpächter Bodo Pietsch aus Radebeul über die Verbreitung von Waschbären in der Stadt und deren Umgebung gesprochen. Jagdpächter sind zuständig für den Schutz des Wildes insbesondere vor Wilderern, Futternot, Wildseuchen, vor wildernden Hunden und Katzen sowie für die Einhaltung, der zum Schutz des Wildes und der Jagd erlassenen Vorschriften. Sie dürfen in ihrem Revier jagen und werden beispielsweise bei Problemen mit Wildtieren und Unfällen mit Tieren gerufen.

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Herr Pietsch, wie ist die Situation mit Waschbären derzeit in Radebeul und in den benachbarten Gebieten. Gibt es viele Waschbären?

Es gibt sogar sehr viele. Waschbären haben in den Weinbergen zwischen Radebeul und Meißen und Richtung Riesa genügend Nahrung. Der Waschbär ist ein Allesfresser mit bis zu 40 Prozent pflanzlicher Nahrung. Er plündert regelrecht unsere Weinberge.

Können Sie schätzen, wie viele Waschbären es in der Gegend gibt?

Das lässt sich anhand der erlegten und bei Unfällen zu Tode gekommenen Tiere ermessen. Diese Zahl ist rapide angestiegen. Die Jäger Radebeuls und der Umgebung haben jedes Jahr eine Steigerung um bis zu 50 tote Waschbären, was auf eine stark erhöhte Population schließen lässt. Das Jagdjahr beginnt am 1. April. Bisher haben die Radebeuler Jäger 108 Stück aus Fallen und von Unfällen zur Strecke gebracht.

Gibt es beim Waschbären im Herbst ein besonderes Verhalten? Müssen die Tiere sich jetzt Winterspeck anfressen?

Genauso ist es. Sie fressen sich jetzt einen großen Winterspeck an. Die Möglichkeiten hier sind besonders groß. Die Winzer können davon ein Lied singen. Sie versuchen, sich mit vielen Mitteln dagegen zu wehren - Netze an den Weinstöcken, Fallen.

Dürfen Waschbären gefangen und getötet werden?

Für Waschbären gilt eine ganzjährige Jagdzeit. Ausgenommen ist die Zeit, wo Elterntiere geschont werden, im Frühjahr ist das so. Das ganze Jahr dürfen Waschbären gejagd werden, weil sie durch ihre starke Überpopulation so viel Schaden anrichten. Vor zehn Jahren hatten die Radebeuler Jäger eine Strecke von ungefähr 35 Waschbären. Jetzt ist es mindestens das Vierfache.

Der Waschbär auf Futtersuche. In den heimischen Gärten und Wäldern räubert er Vogelnester leer. In den Weinbergen zerreißt er sogar Schutznetze, um an die Trauben zu kommen.
Der Waschbär auf Futtersuche. In den heimischen Gärten und Wäldern räubert er Vogelnester leer. In den Weinbergen zerreißt er sogar Schutznetze, um an die Trauben zu kommen. © Archiv: dpa

Wie oft wenden sich Bürger an Sie, um Hilfe bei Problemen mit Waschbären zu bekommen?

In den letzten 14 Tagen ist jede Woche jemand gekommen oder hat angerufen. Wir zeigen dann den Bürgern, wie Fallen aufgestellt werden sollten und wie sie geleert werden, heißt, die Waschbären töten. Dazu müssen wir gerufen werden.

Was geschieht, wenn der Waschbär in der Falle ist?

Er wird von uns fachgerecht mit einem Schuss getötet. Denn ein Aussetzen an anderer Stelle - etwa im Moritzburger Wald - ist verboten. Ein Waschbär muss, wenn er gefangen wurde, entweder an derselben Stelle ausgesetzt oder getötet werden. 

Kann man verhindern, dass der Waschbär aufs Grundstück kommt?

Es hilft, Schuppen und andere Gartengebäude ohne Schlupflöcher geschlossen zu  halten. Nichts Fressbares anbieten. Er frisst auch aus dem Müll, stößt sogar Tonnen um, um an Nahrungsreste zu gelangen.

Helfen Metallkränze an Bäumen, damit der Waschbär nicht raufkommt?

Die Tiere räubern gewaltig. Der Waschbär räumt die Nester von unseren Singvögeln und Enten im Moritzburger Wald und in Gärten aus.  So ein Kranz kann helfen, aber nur bedingt. Selbst diese Hindernisse umklettern die geschickten Tiere.

Eine Radebeulerin hat angekündigt - aus Protest gegen das Töten von Waschbären - eine Auffangstation für die Tiere einzurichten. Was sagen Sie dazu?

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Nicht nur in Waldnähe sind die Tiere unterwegs, sondern auch im Großen Garten - auch dort hinterlassen sie großen Schaden.

Das ist grundsätzlich verboten. Es wird in allen einschlägigen Schriften abgeraten, Waschbären zu halten. Ein Waschbärpaar braucht mindestens, so die Vorschrift, 24 Quadratmeter Fläche plus eine Unterschlupfmöglichkeit mit fließend Wasser, auch im Winter. Das kann ein normaler Haushalt oder Garten nicht anbieten. Eine solche Station, wie das in der Presse geschildert wurde, kann natürlich nicht von einem Menschen betreut werden, der das aus Hobby oder Engagement betreiben will. Solche Einrichtungen und Gehege müssen von den Spezialisten der Kreisbehörde abgenommen werden. Ich denke, das ist bei Frau Jost im Garten wohl gar nicht möglich.

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