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Meißen: Einkommen wachsen am meisten

Seit 1995 sind die Einkünfte im Kreis stark gestiegen und landen in Sachsen auf dem dritten Platz. Trotzdem bekommen Meißner nicht die höchsten Gehälter.

Nach aktuellen Daten sind die Primäreinkommen im Landkreis Meißen in den vergangenen Jahren am meisten gewachsen – im Vergleich mit anderen Kreisen in Ostdeutschland.
Nach aktuellen Daten sind die Primäreinkommen im Landkreis Meißen in den vergangenen Jahren am meisten gewachsen – im Vergleich mit anderen Kreisen in Ostdeutschland. © Andrea Warnecke/dpa-tmn

Meißen. Der Landkreis ist in Ostdeutschland Spitzenreiter. Das legen Zahlen nahe, die die statistischen Ämter des Bundes und der Länder vor Kurzem veröffentlicht haben. Die Daten beziehen sich dabei auf die Entwicklung der deutschen Einkommen zwischen den Jahren 1995 und 2018, heruntergebrochen auf alle Kreise und kreisfreien Städte. In allen sind die Einkommen gestiegen, doch in allen nicht so stark wie im Landkreis Meißen. Während deutschlandweit in Heilbronn das größte Wachstum bei 133 Prozent liegt, kommt Meißen trotzdem auf 95 Prozent. Warum gerade die Einkommen im Landkreis Meißen so stark gestiegen sind, ist erst auf den zweiten Blick verständlich.

So betrug 2018 das Primäreinkommen eines Einwohners im Landkreis etwas mehr als 22.000 Euro. 1995 waren es nur rund 11.300 Euro. Das Einkommen hat sich demnach fast verdoppelt. Zum Vergleich: In Dresden ist das Einkommen mit fast 23.000 Euro zwar am zweithöchsten im sächsischen Vergleich, allerdings auch nur um knapp 70 Prozent gewachsen. Das ist der zweitschlechteste Wert. Am schlechtesten sind offenbar die Einkommen in Chemnitz gestiegen, mit einem Zuwachs von etwa 66 Prozent. Das kleinste Einkommen pro Einwohner verzeichnet hingegen der Landkreis Görlitz: mit durchschnittlich 18.000 Euro.

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Eine Erklärung für den massiven Einkommenszuwachs: Seit 2013 ist die Arbeitslosenquote im Kreis Meißen stetig gesunken: von 9,4 Prozent auf 5,3 (Stand 2019). Das ist etwas besser als der Sachsenwert von 5,5 Prozent im selben Jahr. Zudem ist die Beschäftigungsquote in den vergangenen Jahren gewachsen und beträgt mittlerweile knapp 67 Prozent. Das ist höher als der sächsische Durchschnitt (65,3 Prozent) und deutlich besser als der Wert für Deutschland (60,9 Prozent). Mehr Arbeiter im Vergleich zur Gesamtbevölkerung könnten somit für ein höheres Einkommen sorgen. Sichtbar wird das im Vergleich mit den Beschäftigungsquoten von Zwickau (67,8 Prozent) und des Erzgebirgskreises (67,3 Prozent) aus dem Jahr 2019. Beide Werte sind höher als der Meißner, und beide Regionen folgen dem Landkreis Meißen auf Platz zwei und drei beim prozentualen Wachstum der Einkommen seit 1995.

Ob Meißen auf Dauer seine Spitzenposition wahren kann, bleibt dabei ungewiss. Denn laut dem "Regionalen Handlungskonzept der Fachkräfteallianz des Landkreises Meißen vom September 2020" sind die Aussichten für die Region zwar nicht schlecht, aber auch nicht rosig. Denn die Bevölkerungszahlen sind seit Jahren rückläufig, und die Einwohner werden älter. Lebten 1995 noch etwa 278.000 Menschen im Kreis, sind es 2018 nur noch rund 243.000. Damit schrumpft auch die Zahl der möglichen Arbeitnehmer im Landkreis. Gleichzeitig leben immer mehr Personen in den Städten Dresden und Leipzig – sachsenweit schrumpft die Bevölkerung trotzdem seit 1995 von etwa 4,5 Millionen auf etwas mehr als 4 Millionen Menschen.

Trotzdem erzielen die Bewohner im Landkreis im Durchschnitt mehr Einkommen als ein durchschnittlicher Sachse. Damit landet der Kreis auf dem dritten Platz im sächsischen Vergleich, direkt nach dem Landkreis Leipzig sowie Dresden. Gerade die Nähe zur sächsischen Hauptstadt ist wohl ein Grund, warum im Landkreis Meißen bzw. im sogenannten Dresdner Speckgürtel die Einkommen höher ausfallen. Viele Landkreisbewohner arbeiten mutmaßlich in Dresden. Von knapp 36.000 Pendlern fahren derzeit 56 Prozent nach Dresden, laut aktuellem Pendleratlas, der regelmäßig regionale statistische Mobilitätsdaten zu Pendlerströmen zum Arbeitsplatz veröffentlicht.

Auch die Sparkasse spürt die Zuwächse der Einkommen in Meißen, wie Sprecher Ralf Krumbiegel auf Anfrage mitteilt. Denn seit 1995 sei das für die Kunden verwaltete Geld- und Wertpapiervermögen um etwa 50 Prozent gestiegen. Dies sei ein sehr hoher Wert, da im gleichen Zeitraum ebenfalls die Lebenshaltungskosten gestiegen sind, und damit auch die Ausgaben. "Zusätzlich nutzen unsere Kunden bei ihren Darlehen vermehrt Sondertilgungsmöglichkeiten. Die dazu verwendeten Gelder stehen dann ja auch nicht mehr zum Sparen und Anlegen zur Verfügung", so Ralf Krumbiegel. Insgesamt gehe der Trend in Richtung Wertpapiere und weniger verzinslichen Spareinlagen. "Aufgrund der langanhaltenden Niedrigzins-Politik ist dieser Trend seit etwa zehn bis 15 Jahren stärker geworden." Ähnliche Entwicklungen sind auch bei der Commerzbank zu verzeichnen, die trotz Corona und drohenden Schließungen im Großraum Dresden schwarze Zahlen in Meißen schreibt.

Doch wie berechnen die Ämter das Primäreinkommen? Es setzt sich zu rund 70 Prozent zusammen aus dem Arbeitnehmerentgelt. Der Rest kommt durch Einkommen aus selbstständiger Arbeit und dem Saldo aus dem Vermögenseinkommen, wie zum Beispiel Zinsen, Gewinnausschüttungen und Pachten. Somit ist das Vermögen eine wichtige Größe, um das Einkommen privater Haushalte zu bestimmen. Und das ist im Landkreis Meißen nach dem Landkreis Leipzig (42.500 Euro) in Sachsen am zweithöchsten mit 40.400 Euro, laut einer Deka-Analyse für das Jahr 2019. So gesehen, drücken eher die Arbeitsentgelte der Einwohner den hohen Schnitt der Vermögen. Deshalb lohnt noch mal ein kurzer Blick auf die durchschnittlichen Brutto-Löhne in Sachsen.

Wenn man sich die Bruttoarbeitsentgelte, den tatsächlichen Lohn einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, anschaut, verdienten die Sachsen 2019 monatlich am Arbeitsort Dresden 3.200 Euro im Median*, in Meißen allerdings nur etwa 2.600 Euro. Das geht aus der aktuellen Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit hervor. Werden diese über den Zeitraum von 2006 bis 2019 betrachtet, stellt man fest: Das prozentuale Wachstum des Bruttoentgelts ist im Kreis Meißen nur um rund 42 Prozent gestiegen. Das ist der drittschlechteste Wert in Sachsen. Schlechtere Werte erzielen nur Dresden (39 Prozent) und Leipzig (39,9 Prozent), beide Städte haben jedoch Bruttoarbeitsentgelte höher als 3.000 Euro. Die Löhne sind vergleichsweise hoch und steigen somit langsamer.

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Warum nimmt nun der Meißner Landkreis die Spitzenposition beim Zuwachs des Einkommens ein? Ein Ansatz wäre, da dort die höchsten Vermögen in Sachsen angesiedelt sind: Denn beim Zuwachs des Bruttoentgelts sind der Erzgebirgskreis und Zwickau auf Platz eins und zwei, haben aber geringere Pro-Kopf-Vermögen: Zwickau 39.400 Euro und der Erzgebirgskreis 37.000 Euro. Damit wirken sich diese weniger stark auf das Primäreinkommen ein. Im Landkreis Meißen macht aber das Pro-Kopf-Vermögen den Unterschied und sorgt vermutlich für das starke Wachstum.

© SZ Grafik / Gernot Grunwald

*Der Median ist im Gegensatz zum Durchschnitt der Mittelwert oder Zentralwert einer Zahlenreihe. Er entsteht, wenn man diese nach der Größe ordnet. Die Zahl, die in der Mitte steht, bestimmt den Median. Mehr Infos dazu in der Wikipedia.

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