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Zum Schulstart erstmal nach Berlin

Schüler aus Meißen und Großenhain waren jetzt in die Bundeshauptstadt eingeladen. Den Grund erfuhren sie erst vor Ort.

Schöner Erfolg für Jugendliche aus Meißen und Großenhain: Die Gymnasiasten wurden als Preisträger bei einem Geschichts-Wettbewerb der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin ausgezeichnet.
Schöner Erfolg für Jugendliche aus Meißen und Großenhain: Die Gymnasiasten wurden als Preisträger bei einem Geschichts-Wettbewerb der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin ausgezeichnet. © Marco Urban

Berlin. Da dürfte man als Teenager doch gern hinfahren. Das Bildungsforum der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) liegt im Zentrum der Bundeshauptstadt. Nur wenige Hundert Meter entfernt finden sich das Stammhaus des Café Einsteins, das Schloss Bellevue als Sitz des Bundespräsidenten und der Berliner Zoo mit seinen Pandabären.

Jugendliche aus dem Elbland haben jetzt zum Schulstart eine Fahrt in diese hippe Gegend spendiert bekommen. Den Anlass lieferte die Auszeichnungsveranstaltung zum bundesweiten Jugendwettbewerb Denktag, mit dem die KAS seit 2001 alle zwei Jahre junge Menschen zur Auseinandersetzung mit der Shoa und der NS-Diktatur, aber auch mit aktuellen Fragen von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Gewalt aufruft.

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Bedingt durch die Corona-Pandemie musste für die Preisverleihung, die sonst im Umfeld des 27. Januars, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, stattfindet, mehrfach ein neuer Termin gefunden werden. Im Rahmen einer Präsenzveranstaltung in Berlin wurden am Montag die Preisträger in Anwesenheit des Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung, Norbert Lammert, und des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, ausgezeichnet.

Zu den Gästen der KAS zählten auch Vertreter einer Gruppe von 13 Schülern und vier Lehrern des Werner-von-Siemens-Gymnasiums Großenhain und des Franziskaneums Meißen. "Gemeinsam arbeiten wir auf das gemeinsame Ziel – einen Israelaustausch – hin", schreiben die Jugendlichen in der Präsentation ihres Projekts zum Olympia-Attentat arabischer Terroristen auf die israelische Nationalmannschaft 1972 in München. Schon seit einigen Jahren findet in diesem Rahmen ein Austausch mit einer Schule in Tel Aviv statt. Der letzte Besuch musste jedoch aufgrund der Pandemie verschoben werden.

Wie hat die DDR-Presse reagiert?

"Wir lassen uns davon jedoch nicht unterkriegen. Denn neben dem Austausch ist ein weiteres Ziel, etwas über die gemeinsame Geschichte der beiden Länder zu erfahren", heißt es weiter in der Vorstellung. Besonders prägende Ereignisse waren dabei der Holocaust und das Attentat in München 1972. Die Vergangenheit solle erforscht werden, um solche Fehler in der Gegenwart und Zukunft zu vermeiden. Der Austausch soll ein bindendes Glied – ein Band der Freundschaft – bilden.

Neben dem Verlauf und den handelnden Persönlichkeiten interessierten sich die Schüler beim Anschlag von München auch für die Rezeption der Ereignisse in der DDR. Dafür untersuchten sie Medien und sprachen mit Zeitzeugen. So kommt in der Dokumentation beispielsweise DDR-Olympiateilnehmer Frank Ganzera zu Wort: "Am Morgen des 5. September 1972 stand ich aus meinem Bett auf und schaute auf den gegenüberliegenden Balkon der israelischen Mannschaft und sah einen der Attentäter mit vermummten Kopf und einem Maschinengewehr in der Hand stehen. Ich habe alle meine Mitbewohner sofort informiert."

Ein vermummter arabischer Terrorist zeigt sich auf dem Balkon des israelischen Mannschaftsquartiers im Olympischen Dorf der Sommerspiele 1972.
Ein vermummter arabischer Terrorist zeigt sich auf dem Balkon des israelischen Mannschaftsquartiers im Olympischen Dorf der Sommerspiele 1972. © dpa

Bei der Recherche in DDR-Zeitungen stellten die jungen Historiker fest, dass sich sehr oft Zitate von Medien aus anderen Ländern finden. Das könnte so interpretiert werden: Seht her, nicht nur die DDR sieht es so, sondern auch viele andere Staaten kritisieren Westdeutschlands Handlungsweise. Besonders gern würden Medien aus dem westlichen Ausland zitiert, die nicht im Verdacht stünden, sozialistisch zu sein. Wie der Sächsischen Zeitung vom 7. und 8. September 1972 zu entnehmen ist, werde die BRD-Regierung durch andere Länder sehr stark getadelt und beschuldigt, dass sie am furchtbaren Ende des Attentats die Schuld trage.

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Anlässlich der Preisverleihung erklärte Norbert Lammert: "Geschichte ist die Voraussetzung der Gegenwart - und der Umgang mit ihr prägt auch die Zukunft. Gerade für uns Deutsche erwächst aus den dunkeln Kapiteln unserer Vergangenheit eine besondere Verantwortung." Antisemtische Angriffe und Parolen in den zurückliegenden Monaten hätten deutlich gezeigt, dass Erinnerungsarbeit wichtiger denn je ist. Insbesondere auch je weiter der Holocaust in die Vergangenheit rücke und je weniger Zeitzeugen lebten. Die Erinnerung an das Geschehene wach zu halten, sehe er nicht nur als Aufgabe des Staates, sondern jedes Einzelnen an. Die bei dem Wettbewerb beteiligten Schülerinnen und Schüler hätten das mit ihren Projekten vorbildlich getan. (SZ/pa)

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