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Selbstbildnisse: Antlitz und Seele

Im Kollwitz-Haus Moritzburg ist ab heute die verschobene Jubiläumsausstellung zu sehen. Sie zeigt Selbstporträts von 26 Künstlerinnen und Künstlern.

Thomas Bawolski beim Hängen der Arbeiten für die neue Sonderausstellung „angesichts“ im Käthe-Kollwitz-Haus Moritzburg.
Thomas Bawolski beim Hängen der Arbeiten für die neue Sonderausstellung „angesichts“ im Käthe-Kollwitz-Haus Moritzburg. © Norbert Millauer

Es sollte eine besondere Schau zu einem besonderen Anlass werden. Eigentlich gab es sogar zwei Ereignisse zu würdigen. Auf den Tag genau vor einem Jahr wollte das Käthe-Kollwitz-Haus am 75. Todestag der großen deutschen Künstlerin in ihrem Sterbehaus in Moritzburg eine Jubiläumsausstellung eröffnen. Denn ein Vierteljahrhundert zuvor war es nach jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen, dort einen würdigen Gedenkort einzurichten.

Doch dann kam Corona, musste das Haus schließen und es war völlig offen, wann wieder Besucher kommen können. So wurde schließlich entschieden, die geplante Schau ein Jahr später zu zeigen.

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In den vergangenen Tagen wurden im Sonderausstellungsraum im Erdgeschoss die Arbeiten der beteiligten Künstlerinnen und Künstler gehängt. Nunmehr 26 statt der ursprünglich geplanten 25, denn auch das Kollwitz-Haus gibt es ja inzwischen ein Jahr länger. Unter dem Titel „angesichts“ sind in der nachgeholten Jubiläumsausstellung ausschließlich Selbstbildnisse zu sehen.

Die Idee dabei sei gewesen, dass sich die Kollwitz selbst sehr oft gezeichnet hat. „In ihrem künstlerischen Werk hat das Selbstporträt einen sehr hohen Stellenwert“, sagt Sabine Hänisch, die Leiterin des Hauses. Einige dieser Arbeiten sind wichtiger Bestandteil der Dauerausstellung.

Vielfalt künstlerischer Techniken

Die jetzt zu sehende Schau bietet eine Vielfalt künstlerischer Techniken. Arbeiten in Öl, mit Tusche, Kreide und Kohle, aber auch Radierungen, Holzschnitte und Objekte sind zu finden. Viele Arbeiten bieten einen hohen Wiedererkennungseffekt. Andere zeigen eher Seelenzustände als ein reales Antlitz. „Die Auswahl der Arbeiten war den beteiligten Künstlern selbst überlassen“, sagt die Museumsleiterin. „Ich habe zunächst überlegt, ob auch sehr freie Auffassungen des Themas Selbstbildnis berücksichtigt werden sollten.“ Doch das, was jetzt zu sehen ist, habe sie noch einmal in ihrer Entscheidung bestärkt.

Alle an der Schau beteiligten Künstlerinnen und Künstler haben in den vergangenen 26 Jahren im Käthe-Kollwitz-Haus ausgestellt. Insgesamt waren es in den mehrmals jährlich wechselnden Sonderausstellungen rund 100 gewesen. „Die stellvertretend von mir ausgewählten Künstler haben meist auch darüber hinaus eine teilweise sehr enge und langjährige Beziehung zu unserem Haus.“

Dieses Selbstbildnis von Käthe Kollwitz aus dem Jahr 1924 ist in der Dauerausstellung im Obergeschoss des Kollwitz-Hauses in Moritzburg zu sehen.
Dieses Selbstbildnis von Käthe Kollwitz aus dem Jahr 1924 ist in der Dauerausstellung im Obergeschoss des Kollwitz-Hauses in Moritzburg zu sehen. © Norbert Millauer

So ist beispielsweise ein Bild des 2019 verstorbenen Malers Gunter Herrmann zu sehen, das er dem Kollwitz-Haus einige Wochen nach der Eröffnung schenkte. „Nun gibt es endlich eine gute Gelegenheit, seine Arbeit zu präsentieren. Schade, dass er es nicht mehr erleben kann“, sagt Sabine Hänisch.

Da nicht sicher war, ob die Ausstellung in diesem Jahr wie geplant eröffnet werden konnte und auch jetzt niemand weiß, wie lange das Museum noch offen bleiben darf, wurde diesmal auch ein Plan B vorbereitet.

„Wir haben die gesamte Präsentation in Absprache mit den Künstlerinnen und Künstlern auch in digitaler Form vorbereitet, sodass wir sie bei einer längeren Schließung des Museums auch auf unserer Homepage zeigen können.“ Sabine Hänisch hat dafür an alle Beteiligten noch zwei Fragen geschickt. Zum einen sollten die Künstler kurz ihren Zugang zum Werk der Kollwitz beschreiben. Und zum anderen aufschreiben, welchen Wert das Selbstbildnis in ihrer künstlerischen Arbeit einnimmt.

Die Antworten könnten - zumindest was die zweite Frage betrifft - unterschiedlicher kaum sein. Christian Uri Weber etwa hat extra für die Ausstellung eines gemalt, weil das Selbstbildnis für ihn in seiner künstlerischen Arbeit keine Rolle spielt. Anders Angela Hampel. Für sie nimmt das Selbstporträt in ihrer oft tagebuchartigen Arbeit einen wichtigen Platz ein. Zum einen als Selbstvergewisserung, als Spiegel der jeweiligen Lebenssituation. „Zum anderen als Gradmesser dafür, ob mein Wollen (noch) mit meinem Können Hand in Hand geht.“ Mittlerweile seien es so fünfzig, sechzig Blätter geworden.

Beleidigung ist ausgeschlossen

Pragmatisch die Antwort von Gabi Keil: „Ich bin mein bestes Modell, weil ich mich immer zur Verfügung habe und stets nach mir arbeiten kann. So habe ich das Porträtzeichnen gelernt.“

Peter Graf hat zur Jubiläumsausstellung ein Öl-Bild mit dem Titel „Das Rauchen ist des Malers Lust“ aus dem Jahr 2008 beigesteuert. Sein Kommentar zum Thema Selbstbildnis: „Mit meiner eigenen Visage kann ich freier umgehen als mit dem Gesicht eines anderen Menschen (Beleidigung ist ausgeschlossen)."

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Sabine Hänisch hofft nun, dass trotz der Corona-Pandemie in den nächsten Monaten möglichst viel Gelegenheit besteht, die Arbeiten der Schau im Original zu betrachten. „Denn das ist doch ein ganz anderes Erlebnis, als sie am Computer durchzuklicken.“ Geplant ist, die Ausstellung bis August zu zeigen.

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