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Rückzug vor dem Superwahljahr

Der ehemalige Großenhainer OB Burkhard Müller gibt den Präsidentenposten im Statistischen Landesamt ab.

Von Kathrin Krüger
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Jetzt hat er auch im Landesamt im Superwahljahr Tschüss gesagt: Der frühere Großenhainer Oberbürgermeister Burkhard Müller hat beim Landesamt aufgehört.
Jetzt hat er auch im Landesamt im Superwahljahr Tschüss gesagt: Der frühere Großenhainer Oberbürgermeister Burkhard Müller hat beim Landesamt aufgehört. © SZ-Archiv/Klaus Dieter Brühl

Großenhain/Kamenz. Mit knapp 56 Jahren hat Burkhard Müller auch in Kamenz aufgehört: Der frühere langjährige Großenhainer Oberbürgermeister verabschiedete sich, für die Öffentlichkeit überraschend, bei seiner letzten Arbeitsstelle. „Aus persönlichen Gründen“ bat er allerdings bereits im Sommer 2018 um die Beendigung seines Dienstverhältnisses beim Statistischen Landesamt Kamenz. Genauer will er sich nicht äußern. Dort war er knapp dreieinhalb Jahre lang Präsident und damit Chef von 350 Mitarbeitern. „Es war allein seine Entscheidung“, sagte ein Ministeriumssprecher. Gesundheitliche Gründe seien offenbar nicht der Anlass. Ein Beamter war Burkhard Müller indes nicht. Laut Medienberichten gibt es keine weiteren finanziellen Ansprüche.

Am Donnerstag fand die Amtsübergabe mit dem Innenstaatssekretär in Kamenz statt. Müller wurde offiziell für die erfolgreiche Arbeit für die Behörde gedankt. Seine Nachfolgerin – vorerst für ein Jahr – wurde Carolin Schreck. Neben ihrer neuen Führungsposition in der Statistikbehörde wird sie auch neue Landeswahlleiterin. Die 56-Jährige bekommt damit in diesem Superwahljahr jede Menge zu tun.

Burkhard Müller ist bereits zum Jahresende aus der Landesbehörde ausgeschieden. Noch im Januar wird er 56 Jahre alt. Über 20 Jahre und damit drei Wahlperioden lang war er Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister in Großenhain – seit 1993. Vorher arbeitete Müller schon zwei Jahre als stellvertretender Bürgermeister. Nach der schlauchenden Verantwortung beim Tornado 2010, bei den Hochwassern 2002, 2010 und 2013 sowie für den Tag der Sachsen 2014 suchte er einen neuen Job.

Der OB bewarb sich zunächst als Verwaltungsdirektor der sächsischen Beamtenkasse. Hauchdünn verpasste Burkhard Müller dieses Jobangebot. Die Stelle im Statistischen Landesamt Kamenz schafft er ein Jahr später leichter. Anderthalb Jahre war dieser Chefposten vorher unbesetzt. Im Juli 2015 leitete der damalige Oberbürgermeister Burkhard Müller seine letzte Großenhainer Stadtratssitzung. In den 22 Jahren als Bürgermeister hat er nach eigenen Angaben 250 reguläre Stadtratssitzungen sowie Sondersitzungen einschließlich Konstituierung und Klausursitzungen geleitet. „Das Rathaus ist des Müllers Lust“ hat Pfarrer Dietmar Pohl mal zu seinem Geburtstag gesungen.

Burkhard Müller prägte die Stadt in einer wichtigen Zeit und wird auch künftig mit vielen Großprojekten in Verbindung gebracht werden: Landesgartenschau 2002, Industriegebiet Flugplatz, Innenstadtsanierung. Bei allem Eifer für die Kommunal- und Kreispolitik – Müller war auch Kreisrat – war er sich selten für einen Spaß zu schade. Ob das bei der jährlichen Schlüsselübergabe an den Faschingsverein war, bei der der OB schon mal durch den Kakao gezogen wurde. Oder bei der legendären Weihnachtsmarkt-Eröffnung 2014. Damals ließ er sich sogar schrumpfen – vom Großenhainer Magier Milko Bräuer. Der brachte den Oberbürgermeister zum Gaudi des Publikums auf handliche Stollengröße. In einer humorvollen Show verstopfte er erst mit dem Stadtoberhaupt die Lautsprecher seiner Musikmaschine und verwandelte ihn anschließend in einen Zwerg. Fazit auch 2014: An Humor mangelt es dem damaligen Großenhainer Amts-Chef nicht.

Es ist zu vermuten, dass sich Burkhard Müller nun verstärkt der Hilfe für seine Frau Constanze widmen wird. Die betreibt bekanntlich eine Kaffeerösterei im heimatlichen Hof in Wildenhain. Burkhard Müller hat schon mehrfach in der Öffentlichkeit beim Verkauf mitgemacht, so bei den vorweihnachtlichen Veranstaltungen auf dem Hof oder beim dortigen Kammermusikkonzert. „Das macht mir Spaß“, sagte der Wildenhainer am Freitag zur Sächsischen Zeitung. Im Übrigen hinterlasse er im Statistischen Landesamt im Superwahljahr „ein gut bestelltes Feld“.