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Leisniger Tafelsilber steht im Wald

Wie geht’s dem Kommunalwald? Auf diese Frage haben die Stadträte eine überraschend positive Antwort bekommen. Probleme gibt es aber auch.

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Leisnig hat einen besonders hohen Baumbestand an über 140 Jahre alten Eichen. Einige dieser Baumriesen sind sogar beschildert, beispielsweise im Stadtwald oder auch auf dem Gottesacker.
Leisnig hat einen besonders hohen Baumbestand an über 140 Jahre alten Eichen. Einige dieser Baumriesen sind sogar beschildert, beispielsweise im Stadtwald oder auch auf dem Gottesacker. © Lutz Weidler

Leisnig. Wer gern draußen in der Natur ist, wird das derzeit milde, oft noch sonnige Herbstwetter bestimmt in vollen Zügen genießen. Zu diesem Zweck ist Dirk Tenzler vor kurzem nicht mit der Kamera in den zum Kommunalwald Leisnig gehörenden Gebieten unterwegs gewesen.

Der Revierförster hat vielmehr Fotos geschossen, um damit das eine oder andere Problem vor Augen zu führen. Seinen Waldzustandsbericht stellte er jetzt den im Technischen Ausschuss mitarbeitenden Stadträten vor.

Ergänzende Angaben steuerte Benjamin Moldenhauer bei. Er ist bei Sachsenforst für den Privat- und Körperschaftswald zuständig und hat unlängst erst die Waldflächen begutachtet. Die gesammelten Daten sind Grundlage für den Wirtschaftsplan. Der ist auf zehn Jahre ausgelegt. Knapp 80 Hektar Wald gehören der Stadt Leisnig. Mit dem Bewirtschaften hat die Kommune den Staatsbetrieb Sachsenforst beauftragt.

Was den Kommunalwald von Leisnig wertvoll macht

Benjamin Moldenhauer überraschte den einen oder anderen Stadtrat mit der Aussage: „Ihr Wald hat eine ziemliche Bedeutung.“ Dies begründete er zum einen mit einer großen Überlagerung der Waldfunktionen und zum anderen mit mehreren Gebieten, die unter Schutz gestellt sind. Zum Beispiel als Naturschutz-, als Flora-Fauna-Habitat-Gebiete oder als Waldbiotope.

Eine Besonderheit ist aus seiner Sicht auch das Alter der Bestände. „Mehr als die Hälfte sind über 100 Jahre alt“, so Moldenhauer. Die dicken Stämme seien gut, wenn es um Holzernte und Vermarktung geht. Da allerdings gelten angesichts der Schutzgebiete strenge Regelungen.

Deshalb müsse es Ziel in den jüngeren Beständen sein, „dafür zu sorgen, dass die Bäume dick werden können“, sagte er. Insgesamt gingen die Bestrebungen weiter dahin, einen gesunden Mischwald aufzubauen und zu erhalten. „Je strukturierter der Wald ist, desto unanfälliger ist er gegen Umwelteinflüsse“, so Moldenhauer.

Was an Johannistalstraße gut zu sehen ist

Im Bereich des Johannistales beginnt auf der bergabwärts rechten Seite der Stadtwald. Dort mussten die Bewirtschafter vor Jahren eingreifen und aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht eine Reihe von Buchen einkürzen. Die verbliebenen Stammreste werden, wie Dirk Tenzler beobachtet hat, von Spechten gut angenommen.

22.10.24_Wald_Leisnig Honorarfrei für Produkte von Sächsische.de und Sächsischer Zeitung Foto: Lutz Weidler
22.10.24_Wald_Leisnig Honorarfrei für Produkte von Sächsische.de und Sächsischer Zeitung Foto: Lutz Weidler © Lutz Weidler

Für diesen Standort kündigte er in der nächsten Zeit nochmalige Eingriffe an. „Bei einigen Buchen sehen die Kronen nicht so gut aus“, so der Revierförster. Er geht davon aus, dass es sich um Hitzeschäden handelt.

Die Flächen entlang der Johannistalstraße sind ein gutes Beispiel für natürliche Waldverjüngung. Vor den großen, älteren Bäumen haben sich eine Menge junge Bäume durchgesetzt. „Den Bereich werden wir einige Jahre in Ruhe lassen“, sagte Tenzler.

Warum der Eichberg nach wie vor Sorgen bereitet

Der Eichberg, der sich neben und unterhalb der Anton-Günther-Straße erstreckt, ist schon länger ein Sorgenkind des Revierförsters. Ahornbäume dort seien vom Rußrindenpilz befallen. Den zu stoppen, sei nahezu unmöglich.

Das schwarze Pulver, das sich unter der Rinde bilde, sei extrem gesundheitsschädlich. Daher finde sich kaum ein Dienstleister, der solche erkrankten Bäume aus dem Wald schafft.

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Bei seinem letzten Bericht hat der Förster an dieser Stelle noch auf Bäume hingewiesen, die vom Eschentriebsterben betroffen gewesen sind. Aber: „Die Eschen an diesem Standort haben sich gut stabilisiert. Die Kronen dort sind grüner als in den vergangenen Jahren“, urteilt der Fachmann.

Auch dem Eichberg bescheinigte er eine gute Naturverjüngung, wenngleich es dem Berg mittlerweile an den namensgebenden Eichen mangelt. Davon gebe es nur noch wenige. „Dafür hat sich viel Spitzahorn gebildet“, so Dirk Tenzler.

Lärche geht es an Umgehungsstraße gut

Diesem Standort bescheinigte der Revierförster ein massives Kiefern- und Eichensterben. „Der Bestand gefällt mir gar nicht“, gab er zu. Außerdem klagte er darüber, dass der stellenweise steile Hang nur schwer zu bewirtschaften sei.

Positiv sei ihm aufgefallen, dass sich Lärchen in diesem Bereich gut entwickeln – womöglich auch dank umsichtiger Pflege.

Weshalb der Moschwitzwald ein sensibles Stück Natur ist

Der Moschwitzwald am Schanzenbachtal steht mehrfach unter Schutz. Dort bemerkt der Förster ein Absterben der alten Rotbuchen. „Sie können mit dem Klima nicht umgehen“, so die Beobachtungen von Dirk Tenzler.

Wo es möglich und für die Naturschutzbehörde mittragbar ist, solle versucht werden, diese Bäume noch auf Holzbörsen anzubieten. Diese Bestrebungen stellte der Revierförster als eine Art Gratwanderung dar.

Auf der einen Seite dürfe in Schutzgebieten nicht massiv in den Bestand eingegriffen werden, um Lebensräume nicht zu zerstören. Auf der anderen Seite müsse Holz auch noch verwertet werden, rechtzeitig: „Totholz kauft kein Mensch mehr“.

Weshalb eine Aufforstung gut durchdacht sein muss

Nicht alle Waldgrundstücke, die Leisnig besitzt, sind auch bewaldet. Eine Kahlfläche hat sich Dirk Tenzler deshalb für eine Aufforstung ausgesucht. Diese dürfe nicht in einem Schutzgebiet oder im Bereich eines Biotopes liegen, erklärte er die „Spielregeln“. Bei der Baumwahl habe er relativ freie Hand. Lediglich Roteichen sollten nicht wieder in den Boden kommen.

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Für die Aufforstung will Tenzler 300 junge Esskastanien kaufen. „Die sind relativ trockenresistent“, erklärte er. Um die Bäume vor Wildverbiss zu schützen, sei ein Einzelschutz vorgesehen, der biologisch abbaubar ist. Weiterhin sollen auf der Fläche 150 Vogelkirschen sowie 80 Wildobstbäume und Sträucher gepflanzt werden.

Die Kosten bezifferte der Revierförster auf 7.500 Euro, inklusive einer zweijährigen Kulturpflege. Dafür könne Fördergeld der Stiftung „Wald für Sachsen“ eingesetzt werden, so Tenzler. Weitere Aufforstungen, sagte er auf Nachfrage der Räte, seien in nächster Zeit nicht geplant.

Wie es insgesamt um den Leisniger Wald steht

Im Vergleich zu anderen Regionen sieht es rund um Leisnig mit dem Wald gut aus, so die Einschätzung von Benjamin Moldenhauer, der weite Teile Sachsens im Blick hat. Dirk Tenzler kann es noch etwas detaillieren. In Richtung Klosterbuch sind ihm viele Buchen mit trockenen Kronen aufgefallen. Altfichten gibt es kaum noch.

Aber: „Was neu kommt, das passt sich den Gegebenheiten an und das ist die Zukunft.“ Außerdem hat er an mehreren Stellen beobachtet, dass sich teilweise schon abgeschriebene Bäume erholt haben. Erklären kann er sich das nicht in jedem Fall.