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Nächste Ausfahrt: Sehenswert

In Sachsen dürfen mehr Autobahn-Touristenschilder aufgestellt werden als sonst im Bundesgebiet. Was bringt das?

© Steffen Unger

Von Tobias Winzer und Christian Eissner

Sächsische Schweiz. Was haben die Burg Stolpen, das Kamelienschloss Zuschendorf, die Festung Königstein und das Uhrenmuseum Glashütte gemeinsam? Sie alle sind Touristenattraktionen in der Region Sächsische Schweiz und Osterzgebirge. Und für alle wird mit sogenannten touristischen Hinweistafeln an der Autobahn geworben. Doch was bringt das den Orten? Kommen wegen der Schilder tatsächlich mehr Touristen? Die Sächsische Zeitung beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Seit wann gibt es die Schilder an den Autobahnen überhaupt?
Dass an Autobahnen mit braunen Schildern Werbung für die Region gemacht wird, ist eine Erfindung aus Frankreich. In den 70er-Jahren wurden dort die ersten braunen Schilder aufgestellt. 1984 wurde das erste derartige Schild in Deutschland aufgestellt. Es warb für die Burg Teck in Baden-Württemberg. Nach der Wiedervereinigung kamen die Schilder auch nach Ostdeutschland.

Wie viele dieser Schilder gibt es derzeit in Sachsen?
Der Freistaat hat die Möglichkeiten, touristische Hinweistafeln aufzustellen, im Jahr 2011 ausgeweitet. Seitdem dürfen an Autobahnen zwischen zwei Anschlussstellen insgesamt bis zu vier touristische Hinweistafeln, je Richtung zwei, und damit doppelt so viele wie nach Bundesrecht vorgesehen, aufgestellt werden. Laut Isabel Siebert, Sprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), stehen derzeit 300 solche Schilder an sächsischen Autobahnen. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind aktuell 14 Sehenswürdigkeiten per Schild an der Autobahn vertreten.

Welche Regeln gibt es für das Aufstellen der Schilder?
Die Schilder dürfen nur aufgestellt werden, wenn es die örtlichen und verkehrlichen Verhältnisse zulassen – also, wenn die Autofahrer beispielsweise an einer unübersichtlichen oder stark beschilderten Stelle durch die Hinweistafeln nicht zusätzlich verwirrt werden. „Dort, wo hohes Verkehrsaufkommen ist, wird man das nicht machen“, sagt Markus Löffler vom ADAC Sachsen. Auch muss zwischen den einzelnen Tafeln ein Mindestabstand von 250 Metern eingehalten werden. Und bei dem Ort, um den geworben wird, muss es sich um ein touristisch bedeutsames Ziel handeln.

Für welche Orte darf an Autobahnen geworben werden?
Als Grenze für die touristische Bedeutsamkeit wurden in Sachsen mindestens 10 000 Gästeankünfte pro Jahr beziehungsweise 25 000 Übernachtungen oder 25 000 Besucher für die Orte, welche auf den jeweiligen touristischen Tafeln dargestellt werden sollen, festgelegt. Die Anträge werden dann vom Lasuv gemeinsam mit Verkehrsministerium und dem örtlich zuständigen Tourismusverband geprüft.

Touristische Hinweistafeln sind übrigens nicht nur an Autobahnen erlaubt, sondern auch an autobahnähnlich ausgebauten Bundesstraßen möglich. Gemeint sind mit je zwei Fahrstreifen für eine Richtung ausgebaute Straßen, die durch Mittelstreifen oder sonstige bauliche Einrichtungen getrennt sind. Voraussetzung ist, dass es sich um einen längeren Streckenabschnitt von mehr als zehn Kilometern außerhalb geschlossener Ortschaften handelt.

Wer zahlt für das Aufstellen der Schilder?

Die Antragsteller, also in den meisten Fällen die Städte und Gemeinden, in denen sich die beworbene Attraktion befindet. Jeder kann aber theoretisch Antragsteller sein – ob Privatperson, Stiftung, Museum. Ausschlaggebend ist, dass das Ziel touristisch bedeutsam ist und die genannten Voraussetzungen für das Aufstellen des Schildes erfüllt werden. Laut Lasuv-Sprecherin Siebert entstehen etwa 7 000 Euro an Kosten pro Schild. Wilsdruffs Bauamtsleiter André Börner spricht allerdings von 9 000 Euro, die Wilsdruff für seine beiden Hinweisschilder an der Autobahn A 4 gezahlt hat. Fixe jährliche Kosten für die Schilder fallen keine an, jedoch müssen Kosten für Wartungs- und eventuelle Instandhaltungsmaßnahmen eingeplant werden.

Welchen Nutzen haben die Schilder für die Region?
Das lässt sich nur schwer in Zahlen fassen. Markus Löffler vom ADAC bezweifelt, dass Autofahrer wegen der Hinweisschilder direkt abfahren und die Attraktion besuchen. „Das ist auch nicht der Zweck“, sagt er. Die Schilder seien dazu gedacht, die Sehenswürdigkeiten der Region überhaupt bekannt zu machen – vor allem für Ortsunkundige. „Es soll Geschmack machen auf mehr.“ Doreen Burgold, Sprecherin des Tourismusverbandes Erzgebirge, bestätigt diese Einschätzung. Die Schilder würden dazu beitragen, auf Sehenswertes aufmerksam zu machen und dies entsprechend geografisch zu verorten, sagt sie. „Aus unserer Sicht geben die Schilder eine Anregung für zukünftige Urlaube oder für mögliche Ausflüge am Urlaubsort.“

Wie das funktionieren kann, erklärt Sonja Hauschild, Sprecherin des Uhrenmuseums Glashütte. Sie stellt fest, dass das Uhrenmuseum oft von Prag-Urlaubern besucht wird. Sie würden auf der Hinfahrt das Autobahnschild sehen und dann auf der Rückfahrt bewusst in Glashütte stoppen. Im Museum können die Besucher in einem Fragebogen angeben, wie sie auf das Museum aufmerksam geworden sind. 15 Prozent von ihnen geben laut Hauschild das Autobahnschild an. „Ich denke schon, dass der Hinweis auf der Autobahn hilft“, sagt auch Matthias Riedel, Leiter der Botanischen Sammlungen am Landschloss Pirna-Zuschendorf. Für das Kamelienschloss wirbt eine Tafel an der A 17. Messbar, sagt Riedel, sei der Einfluss der Schilder auf die Besucherzahl aber eher nicht. Für schwierig hält er die Aufstell-Praxis: „Früher waren die Hinweise dort, wo auch die Sehenswürdigkeit in der Nähe ist. Heute stehen die Schilder offenbar dort, wo Platz ist.“

Sind weitere Hinweistafeln in der Region geplant?
Dazu möchte sich Isabel Siebert, Sprecherin des Lasuv, nicht äußern. In Wilsdruff denkt man aber zumindest darüber nach. „Wir könnten uns vorstellen, an der Autobahn 17 beidseitig weitere Hinweisschilder aufzustellen“, sagt Bauamtsleiter André Börner. „Diese könnten den Tharandter Wald als Wanderregion sowie den Geopark Tharandter Wald bewerben.“ Eine Umsetzung im Vorfeld des 10. Sächsischen Wandertages im kommenden Jahr in Wilsdruff und dem Tharandter Wald sei denkbar.