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Nächstes Frühjahr wird das Viehfutter knapp

2018: Dem Getreide fehlt Wasser, vor allem im Norden Sachsens. Bauern bangen um ihre Vorräte.

Von Georg Moeritz
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Sachsens Erntekönigin Anja Werner (links) und Ernteprinzessin Dominique Hörkner wollten im Juli eigentlich zur feierlichen Eröffnung der Ernte kommen. Doch bei Geert Brandtner in Arzberg bei Torgau waren die Mähdrescher wegen der Trockenheit schon fast du
Sachsens Erntekönigin Anja Werner (links) und Ernteprinzessin Dominique Hörkner wollten im Juli eigentlich zur feierlichen Eröffnung der Ernte kommen. Doch bei Geert Brandtner in Arzberg bei Torgau waren die Mähdrescher wegen der Trockenheit schon fast du © dpa/Sebastian Willnow

Geert Brandtner hat noch nie eine so zeitige Ernte erlebt. „Es fehlen vier Wochen Vegetationszeit“, sagte der Chef der Agrargenossenschaft Arzberg bei Torgau im Juli, als Erntekönigin und Funktionäre über seine trockenen Weizenfelder staksten. „Der Boden ist Asche“, fügte der Landwirt hinzu. Mehr als 30 Brände hatte es damals innerhalb weniger Wochen auf Feldern in Nordsachsen gegeben, ein Traktor ging in Flammen auf.

Inzwischen hat Brandtners Betrieb die Genehmigung für Finanzhilfen vom Staat bekommen – nach einigem Hin und Her um die Bedingungen. Von einigen Rindern habe sich die Agrargenossenschaft getrennt, heißt es auf Nachfrage. Denn die Hauptsorge der Bauern in den trockenen Regionen Sachsens ist nach wie vor das Futter. Für dieses Jahr reichen Brandtners Vorräte, doch bis ins Frühjahr dürften die Silos sich leeren. Das ist nicht die einzige schlechte Vorhersage für Sachsens Landwirtschaft: Auch die lukrative Feldfrucht Raps wird im kommenden Jahr voraussichtlich weniger Ertrag abwerfen. Denn zur üblichen Zeit für die Aussaat waren die Böden immer noch zu trocken.

Sachsens Landwirte säten daher Raps auf 17 Prozent weniger Fläche aus als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Landesamt feststellt. Es wird im nächsten Mai also nicht so gelb auf Sachsens Feldern werden wie sonst.

Bauern müssen Vermögen angeben

Sachsens Bauernpräsident Wolfgang Vogel spricht von einem der schwierigsten Jahre seit der Wiedervereinigung. „Lediglich bei Wein und Honig gab es Positives zu berichten“, schrieb Vogel im Monatsblatt des Landesbauernverbandes. Manche Bauern konnten kaum ihre Verträge erfüllen und die im Voraus verkauften Getreidemengen liefern. Andere ließen mehr Kühe schlachten als sonst und trugen damit noch zu fallenden Preisen für Schlachtvieh bei. Von einem noch „nie dagewesenen Preissturz“ schreibt die Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI).

Der Durchschnitts-Sachse hat davon allerdings nicht viel zu spüren bekommen. Fleisch war dieses Jahr im November ein Prozent teurer als vor einem Jahr, heißt es in der Inflationsstatistik des Landesamtes. Nahrungsmittel insgesamt sind 1,8 Prozent teurer geworden. Frisches Obst wurde laut Statistik sogar 4,5 Prozent billiger, aber frisches Gemüse 14 Prozent teurer.

Die Preise für das Getreide stiegen allerdings infolge der schlechten Ernte. Daher seien die geringeren Mengen nicht existenzbedrohend geworden, sagt Henryk Schultz, Chef des Regionalbauernverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die Dürre traf die Landwirte in höheren Lagen nicht so stark wie an der Landesgrenze zu Brandenburg mit eher sandigen Böden. 323 sächsische Agrarbetriebe beantragten Dürre-Beihilfen, davon 69 aus Nordsachsen und 53 aus dem Kreis Görlitz.

Als Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) kurz vor Weihnachten eine Zwischenbilanz vorlegte, stellte er in diesen beiden Landkreisen auch die höchsten gemeldeten Schäden fest – allein zwölf Millionen Euro im Kreis Görlitz. Dagegen wurden aus dem Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge lediglich 2,7 Millionen Euro Schaden gemeldet. Allerdings sind das nur Angaben jener Agrarbetriebe, die sich Hoffnung auf Beihilfen machen konnten.

Der Staat zahlt nur an Höfe, bei denen mindestens 30 Prozent weniger Ertrag vom Acker gekommen ist als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Und noch eine Bedingung muss erfüllt sein: Existenzgefährdung des Betriebs, nachzuweisen unter anderem mit Angaben zum Vermögen der Betriebsinhaber.

Schon fürchtet Bauernpräsident Vogel den Vorwurf, die Not sei wohl gar nicht so groß, denn es bleibe Hilfsgeld übrig. Tatsächlich wurden für Sachsen 44 Millionen Euro bereitgestellt, aber nur 33 Millionen beantragt. Laut Vogel liegt das an den strengen Bedingungen. Er will sich dafür einsetzen, dass der Staat künftig Versicherungen für Landwirte fördert – und in guten Jahren weniger Steuern nimmt, damit die Bauern mehr Geld zurücklegen können.