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Neue Biberburg am Altstädter Elbufer

Bibermanager Harald Wolf vor der neuen Biberburg unterhalb des Kongresszentrums. Er zeigt einen bereits angeknabberten Ast aus dem Vorratslager. © René Meinig

Die Nager vom Dresdner Terrassenufer haben sich jetzt auch einen Unterschlupf am Kongresszentrum gebaut. 

Schon lange ist der Elbpegel niedrig. Was die Möglichkeiten für Fische einschränkt, eröffnet neue Freiräume für die streng geschützten Biber. Bereits im Sommer waren mehrere Jungbiber am Terrassenufer gesichtet worden. Die Tiere sind in dem Bereich noch immer aktiv, berichtet Bibermanager Harald Wolf vom Umweltamt. Direkt vor einem kleinen Überlauf zwischen den Anlegern der Dampfer Leipzig und Gräfin Cosel hatten sie sich einen provisorischen Bau errichtet.

Das erste Tier hatte die Dampferbesatzung nach dem früheren Maskottchen der Dresdner Flotte Elbi genannt. Doch im August ist es gestorben. Mitarbeiter der Stadtentwässerung hatten es entdeckt, als sie den kleinen Kanal direkt vor der Kaimauer inspizierten, durch den bei extremem Starkregen verdünntes Abwasser aus dem benachbarten Altstädter Abfangkanal in die Elbe überläuft. Doch die anderen Biber fühlen sich offenbar nach wie vor am trocken liegenden Altstädter Ufer wohl. Zwar gibt es den kleinen Bau an der Anlegestelle noch. „Doch die Biber haben sich vor der Ufermauer zwischen dem Landtag und der Marienbrücke eine neue Burg gebaut. Wir vermuten, dass es die gleichen Biber sind“, erklärt Experte Wolf. Denn ein Revier ist etwa 1,5 Kilometer lang. Das würde passen.

Schlechte Perspektive für Biberbau

Der Winter ist für die Biber ohnehin eine harte Zeit. „Im Sommer essen sie bis zu 60 Arten krautige Uferpflanzen“, sagt der 53-Jährige. Damit ist es vorbei. „Jetzt haben sie nur noch wenig zum Fressen.“ Für sie bleiben derzeit noch Weiden, andere dünne Holzteile und Rinden. Im Gegensatz zu Menschen ist es ihnen möglich, diese Teile zu verdauen. Tagsüber sitzen die Biber in ihrer Burg, die sie nur nachts zur Futtersuche verlassen. Da sie wenig zu fressen haben, versuchen sie im Winter wenig Energie zu verbrauchen. Die Tiere haben bereits zwei bis drei Meter lange Äste vor ihren Bau bugsiert. Das ist ihr Vorratslager, von dem sie ohne großen Aufwand zehren können. Den Bibern schmeckt es offenbar. Davon zeugen helle, abgeknabberte Spitzen, die Wolf zeigt. Nachwuchs wird sich bei Bibern erst im März oder April einstellen. Dann sei aber wieder genügend Futter da.

© René Meinig

Experte Wolf sieht allerdings geringe Chancen, dass die Biber dort dauerhaft bleiben können. „Der Platz ist für sie nicht gut geeignet“, schätzt er ein. Die Ufermauer in diesem neuen Revier erstrecke sich auf der einen Seite bis zur Albert- auf der anderen bis zur Marienbrücke. Steigt die Elbe wieder an, würde sowohl der Bau am Dampferanleger als auch der neue vorm Kongresszentrum überflutet. Wenn an der Mauer schnell Hochwasser kommt, könnte eine Bibermutter ihre Jungen nur schwer retten. Es ist schwierig, neue Reviere zu finden. Die verteidigen die Biber vor Ort. In Dresden leben etwa 45 Biber in 13 Revieren. Als Beispiele führt Wolf die Elblachen in Stetzsch und Laubegast, den Loschwitzer und den Pieschener Hafen und den renaturierten Zschierener Altelbarm an.

Brückenbiber wurde berühmt

Im dritten Lebensjahr werden Jungbiber aus dem Bau vertrieben. Sie müssen sich ein neues Domizil suchen. Das geschah offenbar auch 2010, als es den wohl spektakulärsten Dresdner Fall beim Bau der Waldschlößchenbrücke gab. Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz und Bauoberleiter Hans-Joachim Kummert hatten einen Jungbiber entdeckt, als sie am Neustädter Ufer unterwegs waren. Das Tier hatte es sich im Treibgut an einem stählernen Hilfspfeiler gemütlich gemacht. Nachdem die SZ darüber berichtet hatte, zogen Schaulustige in hellen Heerscharen dorthin.

Im Extremfall hätte die Stadt eine Ausnahmegenehmigung beantragen müssen, um das streng geschützte Tier umzusiedeln. Doch das hatte bereits selbst gehandelt und die Brückenbaustelle verlassen. Gesichtet wurde er später in der kleinen Bucht oberhalb des Johannstädter Fährgartens, wo er mit seiner Partnerin einen Bau hatte. 2016 wurde der Brückenbiber tot am Neustädter Ufer entdeckt. 

Auch im kleinen Überlauf an der Anlegestelle am Terrassenufer fühlen sich Biber wohl.  © Sven Ellger