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Neue Idee für altes Wohnheim

Seit mehr als 20 Jahren steht das Gebäude in Glashütte leer. Nun hat Landrat Geisler eine neue Nutzung ins Gespräch gebracht.

Von Maik Brückner
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Marion Vogler leitete über viele Jahre als Fachleiterin die Uhrmacherschule in Glashütte. Immer wieder hoffte sie, dass das dahinter stehende Wohnheim wieder genutzt wird. Bei seinem letzten Besuch in Glashütte überraschte Landrat Michael Geisler (CDU) si
Marion Vogler leitete über viele Jahre als Fachleiterin die Uhrmacherschule in Glashütte. Immer wieder hoffte sie, dass das dahinter stehende Wohnheim wieder genutzt wird. Bei seinem letzten Besuch in Glashütte überraschte Landrat Michael Geisler (CDU) si © Egbert Kamprath

Die Jahre des Leerstandes hat das ehemalige Wohnheim der Glashütter Betriebsberufsschule Makarenko offenbar gut überstanden. Von außen macht das Haus an der Altenberger Straße jedenfalls noch einen guten Eindruck. In naher Zukunft könnte das Wohnheim, das bis 1992 genutzt wurde, aber zum Problemfall werden. Das will der Landkreis als Besitzer der Immobilie verhindern. Vor wenigen Tagen unternahm Landrat Michael Geisler (CDU) deshalb einen neuen Versuch, eine Nachnutzung zu finden.

Bei der Eröffnung der neu gestalteten Fachkabinette in der benachbarten Uhrmacherschule schlug er vor, das alte Wohnheim zu sanieren und neu zu nutzen. Vorbild soll die Freitaler Unterkunft am Backofenfelsen sein. Auch dieses Gebäude gehört dem Kreis. Betrieben wird es von der kreiseigenen Entwicklungsgesellschaft KEG. Zusammen mit dem Kreis baut sie das Objekt an der Tharandter Straße zu einem Gästehaus mit 150 Betten um. Bislang wurden rund 750 000 Euro investiert.

Hier gibt es jetzt Klubräume, Chill-out-Zimmer und Einzelzimmer. Rund 80 Prozent der Gäste sind Lehrlinge, die am Freitaler Berufsschulzentrum lernen. Einige verbringen hier nur einzelne Tage, andere ganze Wochen. Letztere können im Haus nun Wohngemeinschaften bilden. Ihnen steht eine eigene Küche zur Verfügung. Doch nicht nur Lehrlinge mieten sich in Freital ein, sondern auch Urlauber, Vereine und Geburtstagsrunden. Nach einem ähnlichen Modell könnte das Glashütter Heim arbeiten, regte Geisler an.

Die anwesenden Vertreter der Uhrenbetriebe zeigten sich von Geislers Idee angetan. Schließlich ist das Angebot von kleineren Wohnungen und Einzelzimmern in Glashütte überschaubar. Deshalb haben junge Leute zum Beginn des Ausbildungsjahres im Sommer immer wieder das gleiche Problem: Sie suchen lange nach einer Unterkunft, weiß Bert Salomon, Leiter der technischen Aus- und Weiterbildung beim Uhrenhersteller Lange Uhren. Doch nicht nur die angehenden Uhrmacher haben Probleme, eine Unterkunft zu finden. Ähnlich geht es Praktikanten, die für kürzere Zeit im Unternehmen arbeiten.

Auch den Lehrlingen der Firma Wempe fiel es schwer, Unterkünfte in Glashütte zu finden, sagte Ausbildungsleiterin Elisabeth Gläser bei dem Treffen. Denn das Unternehmen wirbt seit seiner Ansiedlung in Glashütte in ganz Deutschland nach Lehrlingen. Wempe hat Erfolg. Die jungen Leute kommen nach Glashütte. Um ihnen den Start in der Uhrenstadt zu vereinfachen, mietete das Unternehmen eine Großraumwohnung an, erklärte Gläser. Hier können die Lehrlinge des ersten Lehrjahrs mitfrei wohnen. Danach ziehen die jungen Leute in andere Unterkünfte.

Bisher ist keine andere Uhrenfirma dem Modell von Wempe gefolgt. Deshalb signalisierten die Ausbildungschefs der Uhrenfirmen Interesse. Geisler kündigte an, dass sich die kreiseigene Entwicklungsgesellschaft das alte Wohnheim anschauen werde. Anfang des kommenden Jahres will er den Firmen Vorschläge machen, wie das Gebäude saniert werden könnte. Dann dürfte es auch erste Angaben dazu geben, wie viele Zimmer dort entstehen könnten und mit welche Mieten zu rechnen ist. Sollten die Uhrenfirmen dann Bedarf anmelden, könnte sich der Kreis daran machen, das Gebäude zu sanieren.

Darüber würde sich auch Marion Vogler freuen. Die Bärensteinerin leitete als Fachleiterin über viele Jahre die Uhrmacherschule. Es gab schon mehrere Versuche, das alte Wohnheim neu zu nutzen, erinnert sie sich. Bereits vor 15 Jahren hatte sie ein Konzept dazu erarbeitet. Doch dieses verschwand im Schreibtisch. 2014 und 2015 interessierte sich dann die Uhrenfirma Glashütte Original für das Gebäude. Doch die Bemühungen verliefen im Sande. Der für 2016 geplante Verkauf kam nicht zustande. 2015 war das zweigeschossige Haus mit ausgebautem Dach als Asylbewerberheim im Gespräch. Doch auch daraus wurde nichts. Nun hofft Marion Vogler, die Mitte des Jahres in den Ruhestand wechselte, dass der neue Vorstoß von Landrat Geisler Erfolg hat und die Jahre des Leerstandes bald vorbei sind. (mit SZ/win)