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Erster Unverpackt-Laden öffnet in der Sächsischen Schweiz

Die Hohnsteinerin Sabine Krüger geht mutig einen neuen Weg für sich und für die Region. Für sie ist es eine Rückkehr nach Neustadt.

Von Anja Weber
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Sabine Krüger eröffnet in Neustadt den ersten Unverpackt-Laden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
Sabine Krüger eröffnet in Neustadt den ersten Unverpackt-Laden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. © Steffen Unger

Das kennen Sie sicher auch, die Gelbe Tonne ist schon nach einer Woche voller Plastik. Und der Abfall scheint kein Ende zu nehmen. Jedes Familienmitglied bringt irgendeine Verpackung angeschleppt. Und mitunter sind dort nur noch ein paar Nudelreste drin. Dabei könnte es in gewissen Bereichen auch anders gehen. Die Hohnsteinerin Sabine Krüger will Alternativen zeigen. Am 30. November wird sie den "Naturraum Unverpackt-Laden" in Neustadt auf der Bahnhofstraße eröffnen. Sie möchte damit einen Einkaufs- und Bewegungsraum schaffen, der einlädt, gemeinsam in Richtung nachhaltigen und umweltfreundlichen Konsumierens zu gehen. Mit diesem Konzept ist es das erste Geschäft im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Konkret heißt das, der Kunde kommt mit den eigenen oder mit Leihgefäßen ins Geschäft, füllt sich die Ware selbst ab und spart so jede Menge Verpackungsmüll.

Bis zur Eröffnung hat Sabine Krüger noch einiges zu tun. Der Laden soll auf jeden Fall hell, luftig und modern werden. Die naturbelassenen Holzregale geben schon einen ersten Eindruck. Auf ihnen stehen bereits die ersten Waren, verpackt in Gläsern. Noch fehlen einige Einrichtungsgegenstände. Und dafür holt sich die Hohnsteinerin Unterstützung. Sie hat eine Crowdfoundingaktion gestartet. Diese läuft noch bis 14. November 2021. Dabei sollen 8.000 Euro zusammenkommen. "Das Geld geht zu 100 Prozent in die Ladeneinrichtung und das Erstsortimente", sagt sie. Fast 6.000 Euro sind es schon. Nun hofft Sabine Krüger auch noch auf den Rest des Geldes. 98 Unterstützer hat sie bereits. "Das zeigt doch, dass die Idee mit dem Laden gar nicht mal so schlecht ist. Und ich danke schon jetzt allen, die mich dabei unterstützen, ob finanzielle oder handwerklich. Ohne die Hilfe würde das nicht gehen", sagt die 44-Jährige.

Sie wagt mit dem Unverpackt-Geschäft einen mutigen und engagierten Neustart. Eigentlich ist sie gelernte Sozialpädagogin und Musiktherapeutin. Ihre Liebe zu Natur, Abenteuer, Leben und Begegnungen mit Menschen haben sie angeregt, etwas Neues auszuprobieren. Was sie aber vor allem will, die Umwelt mit weniger Müll belasten und keine Lebensmittel verschwenden.

Unverpackt-Reise durch Sachsen und Thüringen

Ganz unvorbereitet startet sie nicht in ihr neues Berufsleben. Sie hat lange überlegt, ob sie ihr Geschäft in Pirna oder in Neustadt eröffnet. Und sie hat sich auf eine "Unverpackt-Reise" in Geschäfte in Thüringen und Sachsen begeben, um Erfahrungen zu sammeln. Außerdem hat sie Umfragen gestartet. Letztlich hat sie sich dann für Neustadt entschieden, nicht nur, weil sie hier ihre gesamte Kindheit verbracht hat. Vor allem waren es die Menschen, die ihr gesagt haben, ein Angebot dieser Art fehle in der Stadt.

"Mir geht es nicht darum, mit anderen Geschäften zu konkurrieren. Ich biete ja hier was ganz Neues an, mit neuem Konzept und anderen Produkten", sagt sie. Und sie hatte bereits in der Vorbereitungsphase genaue Vorstellungen. Mit dem Laden soll ein Ort entstehen, an dem die Kunden unverpackt, regional und nachhaltig einkaufen können, an dem sie sich austauschen, Ideen teilen, Alternativen ausprobieren und wohlfühlen können. Mit dem einst leer stehenden Geschäft in der Bahnhofstraße 15 hat sie dann auch die passenden Räumlichkeiten gefunden. Übrigens hatte hier die Oma des Vermieters wohl vor vielen Jahren ein kleines Lebensmittel- und Tabakgeschäft.

Regionale Produzenten ohne große Lieferketten

Von Anfang an war klar: Die Waren, die sie in ihrem Geschäft verkauft, kommen aus der Umgebung. Das erspart lange Lieferwege und damit zusätzliche Umweltbelastung. Mit den Produzenten will sie Ideen zu Pfandsystemen oder alternativen Liefervarianten finden. Denn für Sabine Krüger heißt unverpackt auch, dass die Lieferanten soweit möglich auf Verpackungen verzichten können. Aus diesem Grund hat sie zum Beispiel schon viele große Behälter, die ihre Lieferanten im Tausch befüllen. Kunden, die unvorbereitet ins Geschäft kommen, können bei Ihr auch ein leeres Glas kaufen und das dann immer wieder füllen.

Kurze Lieferwege. Die Bäckerei Gierig liegt nur etwa 100 Meter entfernt. Von dort kommt unverpackte Schokolade.
Kurze Lieferwege. Die Bäckerei Gierig liegt nur etwa 100 Meter entfernt. Von dort kommt unverpackte Schokolade. © Steffen Unger
So in etwa könnte dann ein Einkauf bei ihr aussehen. Die Gläser werden beim nächsten Einkauf wieder verwendet.
So in etwa könnte dann ein Einkauf bei ihr aussehen. Die Gläser werden beim nächsten Einkauf wieder verwendet. © Steffen Unger
Obst und Gemüse kommen ebenfalls aus der Region. Die Ware ist hier saisonal.
Obst und Gemüse kommen ebenfalls aus der Region. Die Ware ist hier saisonal. © Steffen Unger
Schon mal Gläser sammeln. Am 30. November wird in Neustadt der erste Unverpackt-Laden im Landkreis eröffnet.
Schon mal Gläser sammeln. Am 30. November wird in Neustadt der erste Unverpackt-Laden im Landkreis eröffnet. © Steffen Unger
Nachhaltig denken. Die Kalender im Hintergrund sind aus Graspapier.
Nachhaltig denken. Die Kalender im Hintergrund sind aus Graspapier. © Steffen Unger

Wichtig ist ihr die Transparenz über Herstellung und Herkunft der Produkte. Auch deshalb arbeitet sie mit vielen heimischen Produzenten zusammen, so unter anderem mit dem Biohof Steinert in Cunnersdorf bei Hohnstein. Von dort kommen zum Beispiel Getreide, Käse, Joghurt, Milch. Neustadts Promi-Konditormeisterin Sarah Gierig stellt für sie Schokolade her, die ebenfalls unverpackt angeboten wird. Haferflocken fürs Müsli, Nudeln, Tee auch das kommt alles aus der Region. Gemüse gibt es ebenfalls. "Damit kann ich garantieren, dass es Obst und Gemüse nach Saison gibt. Also alles bodenständig ist", sagt Sabine Krüger. Für Honig und Öl hat sie spezielle Abfüllbehälter. Auch da kann sich der Kunde selbst bedienen. Naturkosmetik und naturbelassene Reinigungsmittel werden ebenfalls mit Sortiment gehören, ebenso wie unverpackte Bonbons oder Trinkkakao. Und je mehr sie über ihr Konzept erzählt, umso länger dürfte wohl auch die Liste der Produkte werden, die tatsächlich unverpackt gekauft werden können. Ab dem 30. November können sich die Kunden selbst informieren.