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Fernwärme könnte in Rothenburg teurer werden

Grund dafür sind die steigenden Preise auf dem Gasmarkt. In Niesky sehen die Stadtwerke kaum Auswirkungen auf die Kunden.

Von Frank-Uwe Michel
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Ulrich Engelmann von den Rothenburger Stadtwerken hält die aktuelle Hysterie um die Gaspreisentwicklung für übertrieben. Für die Erzeugung von Fernwärme werden hier neben Gas auch Holzpellets eingesetzt.
Ulrich Engelmann von den Rothenburger Stadtwerken hält die aktuelle Hysterie um die Gaspreisentwicklung für übertrieben. Für die Erzeugung von Fernwärme werden hier neben Gas auch Holzpellets eingesetzt. © André Schulze

Die Preise auf dem Gasmarkt kennen momentan nur eine Richtung: nach oben. Das hat auch Auswirkungen auf die Kunden. Denn manche Direktversorger haben bereits Preissteigerungen um bis zu 25 Prozent angekündigt, andere halten sich dagegen noch bedeckt. In Rothenburg und Niesky ist die Situation eher entspannt, weil die Stadtwerke in beiden Kommunen Erdgas nur zur Fernwärmeerzeugung verwenden.

"Die explodierenden Gaspreise machen um uns leider keinen Bogen", sagt Ulrich Engelmann. "Aber wir sind nur indirekt davon betroffen", erklärt der Betriebsleiter der Stadtwerke in Rothenburg. Denn das Gas wird von dem kommunalen Unternehmen nicht weiterverkauft, sondern in den Heizhäusern an der Süd- und Friedensstraße in Fernwärme verwandelt. Die wird in der Neißestadt im Verbund mit Pellets hergestellt. Deshalb gehen die Steigerungen beim Gaspreis nur zum Teil in die von den Abnehmern zu zahlenden Kosten ein. Und dieser Anteil wird in Zukunft noch geringer. Denn wenn das Heizwerk an der Schwimmhalle umgerüstet ist, steigt der Pellet-Anteil auf 50 Prozent.

Gaspreisexplosion nur eine Spekulationsblase?

Nicht nur deshalb liegt Engelmann Hysterie fern. "Unsere Lieferanten verfügen über langfristige Kontrakte, von denen wir jetzt profitieren." Weil es Preisgleitklauseln in den Verträgen gibt, müssen die Stadtwerke natürlich ebenfalls mehr für die Beschaffung dieses Energieträgers zahlen. Die enormen Preissteigerungen auf dem Gasmarkt müssten laut Ulrich Engelmann aber nicht sein. "Es gibt genügend Erdgas", stellt der Experte klar. Für ihn sei die aktuelle Entwicklung eine Spekulationsblase, weil zu viele versuchten, daran mitzuverdienen. "Das ist aber nur meine persönliche Meinung", will er das nicht verallgemeinert wissen.

Engelmann glaubt, dass sich die Preise perspektivisch wieder normalisieren werden. Und bezieht sich dabei auf den Erdölpreis, der mit dem Gaspreis durch die sogenannte Ölpreiskopplung verbunden ist. Danach gibt es laut dem Vergleichsportal Verivox "viele Lieferverträge, in denen der Erdgaspreis mit zeitlicher Verzögerung an den Ölpreis gekoppelt ist." Beim Vergleich der Ölpreisentwicklung von 2018 - also vor Corona - und 2021 sind die Zahlen fast deckungsgleich. Vor drei Jahren wurde für Erdöl am 8. November am meisten verlangt, danach ging der Preis wieder nach unten. In seinem Schlepptau zeigte der Gaspreis die gleiche Kurve.

Fernwärme in Rothenburg leicht verteuert

Für Fernwärmekunden in Rothenburg bedeuten die jüngsten Entwicklungen im Energiesektor erst einmal nichts dramatisches. "Wir passen die Preise vierteljährlich an", erläutert der Stadtwerkechef. Dass es dabei nicht nur nach oben geht, beweist das vergangene Jahr. "2020 lagen wir ziemlich weit unten", so Engelmann. Anders 2021: Vom dritten zum vierten Quartal gab es eine leichte Steigerung: Statt bei 6,897 liegt der Arbeitspreis aktuell bei 7,634 Cent pro Kilowattstunde netto. Die nächste Anhebung könnte es zum Jahreswechsel geben.

Ähnlich sieht die Situation in Niesky aus. Wie die Rothenburger Kollegen sind auch die hiesigen Stadtwerke kein Gasversorger und deshalb auch nicht im Vertrieb betroffen. "Unsere eigene Wärmeerzeugung für die Fernwärme kommt zu rund 80 Prozent aus erneuerbaren Energien", erklärt Geschäftsführer Holger Ludwig. Konkret werden Holzhackschnitzel dafür verwandt. Die immer wieder auftretenden Preisschwankungen bei Erdgas und Öl würden sich deshalb nur wenig auswirken.

Keine kurzfristigen Auswirkungen in Niesky

Für die Abnahmestellen, in denen Erdgas eingesetzt werde, gebe es zudem längerfristige Lieferverträge. Die seien einerseits vor der Preisexplosion abgeschlossen worden und bestünden andererseits mit langjährig erfahrenen Marktpartnern. Daraus ergibt sich laut Ludwig - wie beim Strom auch - "eine mehrjährige Beschaffungsstrategie, mit der wir starke temporäre Preisschwankungen abmildern." Kurzfristige Auswirkungen gebe es deshalb für die Nieskyer Stadtwerke-Kunden nicht. Aktuell müssen sie einen Arbeitspreis von netto 6,32 Cent je Kilowattstunde zahlen.