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"Der Laden ist mein Leben"

Warum Heidrun Schubert auch nach drei Jahrzehnten ihr Geschäft in Niesky noch gerne führt - und sie trotz Corona und Baustelle optimistisch bleibt.

Heidrun Schubert führt seit 30 Jahren ihr Modegeschäft in Niesky.
Heidrun Schubert führt seit 30 Jahren ihr Modegeschäft in Niesky. © André Schulze

Heidrun Schubert hat schon viele Händler und Gewerbetreibende in der Horkaer Straße kommen und gehen sehen. Von ihrem Geschäft am Zinzendorfplatz aus hat die Geschäftsfrau einen guten Blick in Nieskys wohl bekannteste Ladenmeile. Ein Urteil darüber kann sich Heidrun Schubert erlauben, schließlich zählt sie mit ihren 30 Geschäftsjahren mit zu den wenigen Nieskyer Händlern, die seit der Wende immer noch am Markt sind. "Und das will ich auch bleiben!", betont die Nieskyerin.

Sie hat mit ihrem Geschäft in den drei Jahrzehnten schon einige Hochs und Tiefs erlebt, erzählt sie. Vor allem der Internethandel bringt ihr Abbruch in der Kundschaft. Aber so hart wie in diesem Jahr musste die Mutter zweier erwachsener Töchter um ihr Geschäft noch nie kämpfen. Im Frühjahr legte die erste Corona-Welle das gesellschaftliche Leben lahm. Sie musste ihr Geschäft für vier Wochen schließen. Im Juni begannen die Bauarbeiten auf dem Zinzendorfplatz. Damit war der Platz für den Verkehr teilweise gesperrt, Autofahrer meiden seitdem das Stadtzentrum. Im Herbst erreichte die zweite Corona-Welle auch Niesky, und der November schränkte die Menschen wieder mehr ein als die Monate zuvor.

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Fußgänger und Radfahrer haben Zugang

Damit nicht genug, begannen am Montag die Straßenbauarbeiten an der Sibylle-Kreuzung am Zinzendorfplatz. Dort, wo Heidrun Schubert ihre Modeboutique hat, ist jetzt kein Durchkommen für die Kraftfahrer mehr. Fußgänger und Radfahrer erreichen das Geschäft aber weiterhin.

Ihre Stammkunden sind es vor allem, die sie am Geschäft festhalten lässt. Diese kommen nicht nur aus Niesky, sondern auch aus größeren Städten wie Bautzen, Görlitz und Weißwasser. Seit am Zinzendorfplatz gebaut wird, hat das aber nachgelassen. "Die Kunden von außerhalb meiden das Stadtzentrum aufgrund der Baustelle", ist Heidrun Schuberts Erfahrung. Doch das muss nicht sein, denn nur die Sibylle-Kreuzung ist gesperrt. Von der Horkaer Straße aus sind die Parkplätze an der Museumsseite gut zu erreichen. Ebenso von den Kraftfahrern, die über die Görlitzer- und Bautzener Straße in die Stadtmitte wollen. Hinzu kommt, dass die Stadt an der Ostseite des Platzes zwei kostenlose Kurzzeitparkplätze eingerichtet hat. Denn von der jetzigen Baustelle ist nicht nur Frau Schubert betroffen, sondern auch die Buchhandlung mit Lotto-Annahme und der Friseur Sibylle, der der Kreuzung ihren Volksnamen gibt.

Drei Geschäfte geführt

Dass das Geschäft mal ihre Lebensaufgabe wird, daran war nach der Wende 1990 bei Heidrun Schubert nicht zu denken. Die ausgebildete Krippenerzieherin fand schnell Freude am Handel mit Textilien und baute ihr erstes Geschäft auf. Damals noch in der Bautzener Straße. Das eröffnete sie am 12. November vor 30 Jahren. Vier Jahre später boten sich ihr neue Geschäftsräume am Zinzendorfplatz an. Dort, wo sie auch heute noch anzutreffen ist. Die 1990er Jahren waren wirklich gute Jahre für die Händler, sagt Frau Schubert rückblickend. In Niesky hatte sie ihr erstes Geschäft und das neue am Zinzendorfplatz. In Rothenburg mietete sie sich in das neue Einkaufszentrum am Stadteingang ein und beschäftigte eine Angestellte aus Rothenburg.

Frau Schubert führte Damen- und Herrenmode sowie Kinderbekleidung. Die goldenen Wendejahre dauerten aber nicht ewig an. Zwei Geschäfte mit gleichem Sortiment in Niesky zu betreiben, lohnte sich nicht mehr. Mit dem Niedergang des Rothenburger Einkaufsmarktes gab Heidrun Schubert ihr Geschäft dort auf, weil die Kunden ausblieben. Dennoch hat sie viele schöne Jahre in Niesky erlebt. Sie nennt die Modebälle im Bürgerhaus und die Modenschauen aus Anlass der Jugendweihe, die sie und weitere Nieskyer Händler zusammen mit dem Bürgerhaus organisiert und durchgeführt haben.

Im Gespräch bleiben

Frau Schubert lässt ihren Blick über ihre Ware streifen und sagt: "Der Laden ist mein Leben, und das schon seit drei Jahrzehnten." Das hält sie hoch, jeden Morgen die Geschäftstür wieder aufzuschließen. "Mir würde der Kontakt zu meinen Kunden fehlen. Es ist ja nicht nur Beratung, Anprobe und Kassieren, auch das Gespräch und sich Ratschläge zu geben, gehören für mich dazu."

Heidrun Schubert hat sich auf Damenoberbekleidung spezialisiert. "Meine weibliche Kundschaft beginnt bei 40 Jahren und ist modebewusst", sagt sie. Darauf richtet sie ihr Angebot aus, das sie zusammen mit ihrem Mann, der die Buchhaltung erledigt, auf Messen und Verkaufsschauen zweimal im Jahr ordert. Seit gut einem Jahr hat Heidrun Schubert eine Schneiderin an ihrer Seite. Diese ändert und repariert nicht nur bei Frau Schubert gekaufte Bekleidung. Hinzu kommt der Service der Textilreinigung bis hin zu Bettwäsche und Tischdecken. Beides sorgt für neue Kunden, die besonders jetzt in der Corona- und Baustellenzeit für die Einzelhändlerin fürs geschäftliche Überleben wichtig sind. Sie ist zudem dankbar, dass die Stammkunden ihr die Treue halten. Denn ans Aufhören denkt Frau Schubert noch lange nicht: "Dazu macht mir die Arbeit zu viel Freude."

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