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Hundebabys toben miteinander in Zentendorf

Cindy Schulze betreibt hier einen ganz besonderen Kindergarten. Der ist nicht nur was für Welpen.

Von Frank-Uwe Michel
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Labrador-Mischling Billy fühlt sich wohl im Hundekindergarten in Zentendorf. Cindy Schulze (Foto) und ihr Lebensgefährte Mike Wojtkowiak kümmern sich aber auch um ältere Hunde.
Labrador-Mischling Billy fühlt sich wohl im Hundekindergarten in Zentendorf. Cindy Schulze (Foto) und ihr Lebensgefährte Mike Wojtkowiak kümmern sich aber auch um ältere Hunde. © André Schulze

Benny, Krümel, Chico, Rusty, Lotte, Nessy und Luna können ihr Glück kaum fassen: Besuch kommt. Abwechslung ist garantiert. Endlich wieder jemand, mit dem die Vierbeiner knuddeln können. Dann gibt es kein Halten mehr: Ran an die Hose, schnell die Hand geschleckt, mit der Nase in den Hintern gestupst. Hundebaby, was willst du mehr?

Seit 2011 betreiben Cindy Schulze (41) und Mike Wojtkowiak (48) am Ortsrand von Zentendorf einen Hundekindergarten. "Ich war vorher im Handel tätig, später dann in Dresden bei der Herstellung von Grippeschutzimpfpräparaten beschäftigt. Irgendwann habe ich mir eine Beagle-Dame angeschafft. Damit nahm alles seinen Anfang", erinnert sich die gebürtige Zittauerin. Denn beim Gassi-Gang mit der Hündin lernte sie jede Menge Gleichgesinnte kennen. Deren Freuden mit den tierischen Begleitern. Aber auch die Sorgen, mit denen sich Hundehalter herumschlagen müssen. "Daraufhin habe ich manchmal die Tiere von Freunden betreut. Daraus ergab sich die Idee, das auch hauptberuflich zu versuchen."

Mut zum Risiko mit Hundekindergarten

In Zentendorf wurden Cindy Schulze und ihr Lebensgefährte auf der Suche nach einem etwas abgeschiedenen Bauernhof fündig. "Hier macht es niemandem etwas aus, wenn die Begrüßungsstürme mal etwas länger dauern", lacht die junge Frau. Doch kann das Paar überhaupt davon leben? "Allzu anspruchsvoll sein sollte man nicht", stellt sie klar. Große Gedanken darüber habe sie sich nie gemacht. "Bei mir heißt es eher: Augen zu und durch. Ich mag den Mut zum Risiko."

Anfangs stieß die Idee des Hundekindergartens auf Skepsis in der Bevölkerung. "Wir leben ja hier auf dem Lande, Zwingerhaltung ist da nicht selten. Und auch in der Stadt stehen soziale Kontakte zwischen den Hunden nicht gerade ganz oben in der Verhaltensskala. Beim Auslauf sagen sich Labrador, Spitz, Boxer und Co höchstens mal 'guten Tag'. Aber dauerhaftes Miteinander gibt es eigentlich nicht", erklärt die 41-Jährige.

Bis zu 20 Hunde werden am Tag betreut

Mittlerweile ist die Nachfrage so gut, dass nicht immer alle Betreuungswünsche erfüllt werden können. Schon am Eingang macht ein Schild deutlich, wie die zwei- und vierbeinige Lebensgemeinschaft funktioniert. "Hier wohnt der Hund mit seinem Herrchen" heißt es da. Wobei es eben nicht nur ein Hund und neben dem Herrchen auch ein Frauchen gibt. In der Regel kümmern sich Cindy Schulze und Mike Wojtkowiak um eine Schar von 15 bis 20 Tieren. Nur zwei davon - Chico und Sunny - wohnen dauerhaft hier.

Cindy Schulze inmitten ihrer Schützlinge. Wenn die morgens im Hundekindergarten abgegeben werden, beginnt das große Kuscheln.
Cindy Schulze inmitten ihrer Schützlinge. Wenn die morgens im Hundekindergarten abgegeben werden, beginnt das große Kuscheln. © André Schulze

Vom Welpenalter bis zu Hunde-Omas- und -Opas ist alles dabei. Lotte, ein Hovawart-Mischling, ist mit ihren rund fünf Monaten aktuell die Jüngste. Chico, ein Dackel-Mix, hat schon 16 Lenze auf dem Buckel und ist damit der Älteste. Mit der zehnjährigen Biggi gibt es noch ein ganz besonderes Exemplar: Der Hundedame wurde ein Auge entfernt, auf dem anderen ist sie erblindet. In der Meute ihrer vierbeinigen Kumpane kommt sie in der Regel trotzdem gut zurecht. Und wenn es mal Streitigkeiten gibt, sind immer noch die menschlichen "Anführer" da. "Normalerweise sind wir Beobachter und schreiten nur in Notfällen ein. Denn die Hunde sozialisieren sich eigentlich selbst. Und lernen, nicht immer selbst im Vordergrund zu stehen", beschreibt Cindy Schulze das Hundeleben auf ihrem Hof.

Streicheleinheiten sind am meisten gefragt

Am meisten gefragt sind Streicheleinheiten. Um die zu bekommen, werden Nessy, Merlin, Rocco & Co richtig penetrant. "Wir könnten uns noch ein paar Hände wachsen lassen", scherzt die Betreiberin des Zentendorfer Hundekindergartens. Denn bringen die Kunden am Morgen ihre vierbeinigen Lieblinge, dann wollen die weitere Zuneigung spüren - zwar nicht mehr von Frauchen oder Herrchen, sondern für ein paar Stunden von Cindy Schulze und Mike Wojtkowiak.

Viele ihrer Schützlinge sind regelmäßig da oder kommen zur Urlaubsbetreuung immer wieder. Lotte zum Beispiel hat sich in einem Rothenburger Familienbetrieb mit Vorliebe der "Büroarbeit" gewidmet, was die Unternehmer nicht so gerne sahen und deshalb hoffen, dass sich die junge Dame in Zentendorf im Reigen ihrer Artgenossen auspowert und ihre Neugier in vernünftige Bahnen lenken lernt.

Straße vor Hunde-Kita braucht Begrenzung

Ein Ärger bleibt, allerdings hat der nichts mit den Vierbeinern zu tun. "Es geht um die erlaubte Geschwindigkeit auf der Straße vor unserem Haus", erklärt Mike Wojtkowiak. Die Strecke zwischen der Kulturinsel und Deschka sei bei Motorrad- und Autofahrern längst als Rennpiste beliebt. An die vorgeschriebenen 100 Sachen halte sich kaum einer. "Was aber gefährlich ist, denn wer rückwärts von unserem Hof wieder auffahren will, hat kaum eine Chance. Außerdem: Was passiert, wenn sich doch mal ein Hund beim Ein- oder Ausladen von der Leine reißt und plötzlich auf die Straße rennt?" Deshalb sei es besser, wenn die Richtung Deschka geltende 70er-Begrenzung auch noch vor dem Hundekindergarten gelte. "Es muss doch nicht immer erst was passieren", sagt er in Richtung Gemeinde, die von dem Problem weiß. Geändert hat sich bisher aber nichts.