SZ + Niesky
Merken

Über 20 Kirchengemeinden zu klein für Eigenständigkeit

In der nächsten Woche berät die Landessynode dazu. Im Raum stehen Fusionen - auch rund um Görlitz und Niesky. Der Unmut darüber wächst.

Von Frank-Uwe Michel
 3 Min.
Teilen
Folgen
Superintendent Thomas Koppehl - hier in der Kirche Rietschen - sieht im Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz. Mehr als 20 Kirchengemeinden wegen ihrer geringen Mitgliederzahl von möglichen Zusammenlegungen betroffen.
Superintendent Thomas Koppehl - hier in der Kirche Rietschen - sieht im Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz. Mehr als 20 Kirchengemeinden wegen ihrer geringen Mitgliederzahl von möglichen Zusammenlegungen betroffen. © Archiv/André Schulze

Glücklich ist Thomas Koppehl nicht über das Thema, das vom 10. bis 13. November auf der Tagesordnung der Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) steht. Es geht um das sogenannte Mindestmitgliederzahlgesetz. Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz weiß aber, dass darüber diskutiert und entschieden werden muss.

Denn auch zwischen Görlitz, Niesky und Weißwasser haben die Kirchengemeinden in den vergangenen Jahren an Mitgliedern verloren, sind geschrumpft. Die Kirchenleitung will deshalb neu regeln, bis zu welcher Mitgliederzahl Gemeinden eigenständig bleiben dürfen. Die auf dem Tisch liegende Vorlage geht von mindestens 300 Personen je Kirchengemeinde aus, bei Gesamtkirchengemeinden - also einem Gebilde aus mehreren Einzelgemeinden - sind weiterhin 500 Mitglieder erforderlich.

Proteste aus mehreren Kirchengemeinden

In der Schlesischen Oberlausitz sind laut Koppehl immerhin rund ein Drittel der 64 Kirchengemeinden davon betroffen. Dazu zählen unter anderem Kosel, Melaune, Reichwalde, Podrosche-Pechern, aber auch Friedersdorf, Gersdorf, Diehsa, Kunnersdorf und Jänkendorf-Ullersdorf. Entsprechend groß ist dort der Unmut über das vorliegende Papier. Selbst die EKBO-Spitze räumt die Schwierigkeit des Themas ein. Selten habe ein Vorschlag "einen so großen Umfang von Diskussion und medialer Begleitung und Widerspruchsinitiative" nach sich gezogen, heißt es an einer Stelle des Textes, der das Gesetz erklärt.

Konkret haben die Gemeindekirchenräte von Gersdorf, Friedersdorf und Königshain Änderungsanträge zu Papier gebracht. Aus einer Reihe anderer Kirchengemeinden liegen Einsprüche gegen das Mindestmitgliederzahlgesetz vor. Thomas Koppehl, der den Überblick über den bisherigen Proteststurm hat, geht aber davon aus, dass das Gesetz "nicht grundsätzlich infrage gestellt wird, sondern Ausnahmen angeregt werden." Denn mit der neuen Regelung wolle die EKBO die seelsorgerische Qualität vor Ort nicht etwa beschneiden, sondern stattdessen den hauptamtlichen Pfarrern mehr Spielraum für ihre Arbeit geben.

Ehrenamtler mit Verwaltungsaufgaben?

Dies wird in der Vorlage der Kirchenleitung so zusammengefasst: "Es geht um eine Vereinfachung der verwaltenden Strukturen, um Bündelung der Aufgaben, die gemeinsam bewältigt werden können." Man wolle Luft schaffen für die geistlich-gemeindlichen Aufgaben. Das sieht auch Thomas Koppehl so. Durch Fusionen oder Bildung von Gesamtgemeinden könnten Punkte wie Haushalt, technische Dinge, Bauprobleme oder Sicherheitsfragen zusammengefasst werden.

Seiner Meinung nach sollte es für kleine, aber aktive Kirchengemeinden, die das weiter selbst in der Hand haben wollen, Ausnahmeregelungen geben. Allerdings müssten dann genügend Ehrenamtler zur Verfügung stehen, die den Pfarrer entlasten. Diesen Vorschlag hat der Nieskyer Superintendent an die EKBO-Spitze herangetragen. Seine Idee: Die jeweilige Ortsgemeinde müsste die Ausnahme begründen und beim Kreiskirchenrat vorlegen. In regelmäßigen Abständen sollte dann darüber entschieden werden. "Ziel muss es sein, kleinere Kirchengemeinden nicht per se wegzurationalisieren, sondern präsent zu bleiben", so Koppehl.