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"Wir heißen alle Neubürger willkommen"

Für Ewald Ernst stehen bei den Vorhaben die Sanierung des Grundschulstandortes und die Kita Deschka ganz oben.

Ewald Ernst hat vor Evelin Bergmann bereits die Gemeinde Neißeaue geführt. Jetzt kandidiert der Schöpstaler erneut für das Bürgermeisteramt.
Ewald Ernst hat vor Evelin Bergmann bereits die Gemeinde Neißeaue geführt. Jetzt kandidiert der Schöpstaler erneut für das Bürgermeisteramt. © André Schulze

Am Sonntag wählt die Gemeinde Neißeaue ihren neuen Bürgermeister - ein zweites Mal. Nachdem im ersten Wahlgang keiner der drei Kandidaten die absolute Mehrheit geschafft hat, geht es erneut darum, wer die meisten Wählerstimmen auf seine Person vereinen kann. Zwei Bewerber sind noch im Rennen um das Bürgermeisteramt: Ewald Ernst und Per Wiesner. Die amtierende Bürgermeisterin Evelin Bergmann tritt nicht mehr zur Wahl an. Sie hatte am 20. September mit rund 25 Prozent die wenigsten Stimmen der Menschen in Neißeaue bekommen und darauf ihre Kandidatur zurückgezogen. Was die Bürger in Neißeaue bewegt und was die beiden Kandidaten bewegen wollen, fasst die SZ in sieben Fragen an die Bewerber zusammen. 

Herr Ernst, was sind die drei wichtigsten Vorhaben, die Sie als Bürgermeister umsetzen wollen?

Stars im Strampler aus Niesky
Stars im Strampler aus Niesky

So klein und doch das ganz große Glück: Wir zeigen die Neugeborenen aus Niesky und Umgebung.

Meine drei wichtigsten Projekte sind die Sanierung des Grundschulstandortes, die Sanierung der Kita in Deschka und die Entwicklung der Dorfkerne in Zodel und Groß  Krauscha. Dazu zählen das Beseitigen nicht notwendiger Gebäude und Ruinen in Absprache mit den Eigentümern, das Schaffen von Bauplätzen und Parkmöglichkeiten sowie Erhalt und Entwicklung von Geschäften und Dienstleistern. 

Ich bin für eine ordnungsgemäße Abfallentsorgung und nehme Bedenken der Bürger ernst. Die Deponie bei Kaltwasser betrifft die Neißeaue nur mittelbar, da sie im Gebiet der Gemeinde Horka liegt. Die Bürgerinitiative hat zu meinem Bedauern nicht das fachliche Gespräch mit mir vor dem Wahlkampf gesucht, so dass ich deren aktuelle Bedenken nicht kenne. Inwieweit das Deponieprojekt nun weiterverfolgt wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Außerdem genehmigt nicht eine Gemeinde, sondern die Landesdirektion des Freistaates Sachsen einen Deponieantrag unter Berücksichtigung vielfältiger Stellungnahmen von Naturschutzverbänden, Behörden und anderer Träger öffentlicher Belange wie einer Gemeinde, nicht zu vergessen sind auch die Einwendungen Privater. 

Wie wollen Sie die Beziehungen zur Stadt Piensk (Penzig) wieder aktivieren? Welchen Stellenwert hat für Sie dabei die Brücke für Fußgänger in Deschka und die geplante Autobrücke über die Neiße?

Ich bin bereits von der polnischen Seite kontaktiert worden. Als Ehrenbürger der Stadt Penzig sehe ich gute Chancen, die bestehenden Kontakte zum Vorteil aller zu aktivieren. Wir benötigen eine verlässliche interkommunale Zusammenarbeit aufgrund der bereits bestehenden gemeinsamen Infrastruktur wie Trink- und Abwasser, zweisprachige Kitaeinrichtungen und so weiter. Die geplante Brücke und die Fußgängerbrücke sind im Rahmen eines Konzeptes in die Gemeinde einzubinden. Zum Beispiel Verkehrsberuhigung in Deschka und Grenzsicherheit. Für die Entwicklung der Region wird die Autobrücke eine große Bedeutung haben.

Neißeaue hat drei Kindereinrichtungen und einen Schulhort. Werden sie alle die nächsten Jahre Bestand haben?

Zu dem jetzigen Zeitpunkt sehe ich keinen Standort als gefährdet an. Die Neißeaue hat Zuzug von Familien und wird auch entsprechende Bauflächen bereitstellen. Wir heißen alle Neubürger willkommen. 

Der Grundschulstandort ist als solcher gesichert. Der Freistaat wird die Ansätze für die Schüler zugunsten der Schulträger erhöhen, so dass mehr Geld fließt. Dies ist eine gute Basis mit der Stadt Görlitz als Schulträger, die gemeinsame Entwicklung des Schul- und Hortstandortes zum Vorteil der Region voranzutreiben.

Mit dem Erhalt und Ausbau einer sozialen Infrastruktur sind wir bereits jetzt ein interessanter Standort für junge Familien. Es gibt viel Grün und eine hohe Lebensqualität. Es muss uns im Rahmen des Verwaltungsverbandes Weißer Schöps/Neiße gelingen, nicht nur Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch daraus Einwohner zu generieren. Verbesserungswürdig ist noch die Anbindung des ÖPNV mit den umliegenden Zentren.

Zur Europawahl 2019 war die Neißeaue eine Hochburg der AfD. Wie stehen Sie zu dieser Partei und deren Politik?

Als Demokrat und Bürgermeister spreche ich mit allen Gruppen. Es gibt Gründe, weshalb viele Bürger sich nicht verstanden fühlen. Die Staatsregierung hat dies erkannt und den Fokus von den Leuchttürmen auch auf die ländliche Region gelenkt. Kleinere Gemeinden werden ab 2021 finanziell gestärkt. Politik zeigt sich nicht nur in plakativen Forderungen, sondern in konkreter Arbeit vor Ort. Diese Richtung ist beizubehalten. Aus kommunaler Sicht ist die Politik der AFD unscharf. Ich persönlich lebe in Deutschland und möchte, dass in meiner Heimat deutsche Regeln und Werte gelten und dass dies auch so bleibt.

Zur Person: Ewald Ernst ist seit 1997 in Ebersbach im Schöpstal zu Hause. Der 59-Jährige führte von 2006 bis 2013 die Gemeinde Neißeaue. Von Beruf ist er Jurist und Organisationswissenschaftler und jetzt im Ruhestand. 1996 wurde Ernst zum Vorsitzenden des Verwaltungsverbandes "Weißer Schöps/Neiße" gewählt. 

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