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Horkaer Verein spannt seit 50 Jahren die Pferde ein

Seit fünf Jahrzehnten lebt in Horka der Pferdesport. Noch nicht so lange dabei ist Annalena Kalbas. Schon als Kind faszinierten Pferde sie.

Von Steffen Gerhardt
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Annalena Kalbas und Wallach Eragon am Stall des Reit- und Fahrvereins in Horka.
Annalena Kalbas und Wallach Eragon am Stall des Reit- und Fahrvereins in Horka. © André Schulze

Es sind 50 Jahre geworden, dass in Horka Reitsport betrieben wird. Solange ist Annalena Kalbas mit ihren 19 Jahren noch nicht dabei. Aber die Horkaerin kann auch auf ein kleines Jubiläum verweisen: "Im Mai waren es zehn Jahre, dass ich dem Reit- und Fahrverein Horka angehöre."

Den Kontakt und die Liebe zu Pferden hat die Verwaltungsangestellte ihrer Oma zu verdanken. "Mit drei Jahren nahm sie mich mit zum Pony-Reiten. Seitdem lassen mich die Pferde nicht mehr los", erzählt sie. Auch wenn er nicht in ihrem Besitz ist, seit vier Jahren hat Annalena ihr eigenes Pferd: Wallach Eragon, inzwischen acht Jahre alt. "Wir sind ein Dream-Team!", sagt sie und Eragon scheint mit dem Kopf zu nicken.

Eragon gehört Axel Geide. Der Horkaer ist seit Jahrzehnten dem Verein angehörig und für Annalena ihr Lehrmeister. "Von ihm habe ich viel gelernt, was den Umgang mit Pferden betrifft", sagt seine Schülerin. Axel Geide organisiert neben dem Leistungspflügen auch die jährlich im Herbst stattfindende Niederschlesische Heiderundfahrt. Dieses Mal ist es bereits die 24. gewesen. 41, zum Teil historische, Gespanne nahmen an der 40 Kilometer langen Ausfahrt durch die Gemeinden Horka, Kodersdorf und Waldhufen teil. Damit konnte der Reit- und Fahrverein Horka nach der Corona-Zwangspause wieder eine seiner traditionellen Veranstaltungen stattfinden lassen.

Bei der 24. Niederschlesischen Heiderundfahrt im September konnte Annalena Kalbas den ersten Platz bei den Einspännern mit Pferd Eragon erreichen.
Bei der 24. Niederschlesischen Heiderundfahrt im September konnte Annalena Kalbas den ersten Platz bei den Einspännern mit Pferd Eragon erreichen. © RFV Horka

Erster Platz bei der Heiderundfahrt

Annalena nahm mit Eragon daran teil. In der Kategorie Einspänner belegte sie den ersten Platz. Sie hatte alles richtig gemacht, bis hin zur Kleidung und dem Anlegen des Geschirrs beim Pferd. Denn auch das äußere Erscheinungsbild wird mit bewertet. Bei den Zweispännern holte sich Hagen Jurack den ersten Platz und Heike Elwing dominierte bei den Mehrspännern.

Damit geht ein Aufatmen durch den Verein. Die Corona-Pandemie brachte den Pferdesport und die Vereinsarbeit zeitweise ganz zum Erliegen. Das bisher ununterbrochen durchgeführte Pfingstturnier musste vergangenes und dieses Jahr pausieren. Eine einmalige Situation in der 50-jährigen Geschichte des Horkaer Pferdesports, dass ein Turnier gleich zweimal abgesagt werden musste. Nun hofft der Verein, dass Pfingsten 2022 auf der Turnierwiese zwischen Niesky und Horka das Pfingstreiten wieder stattfinden kann. "Das Turnier ist unsere wichtigste Einnahmequelle für den Verein", sagt Vorsitzender Matthias Barth. Einen dritten Ausfall wird der Verein finanziell nicht verkraften, ist sich der Vereinschef sicher. Denn nur von den Mitgliedsbeiträgen allein kann der Verein nicht leben.

Trotz der Absagen ist der Vereinsvorstand deshalb den Sponsoren dankbar, die die Reitsportler auch in der für sie selbst nicht einfachen Zeit weiter unterstützen. "Unser Dank gilt auch den Mitgliedern und Eltern, die den Beitrag weiter bezahlt haben, obwohl nichts stattfinden durfte", ergänzt Barth.

Kreisreitjagd und Pferdeball

Deshalb sind alle Anstrengungen darauf gerichtet, die nächsten Veranstaltungen vorzubereiten und Ausgefallenes nachzuholen. Nach einem Hallenturnier wird der Verein am 16. Oktober die Kreisreitjagd ausrichten. Dabei kommt Annalena Kalbas eine besondere Aufgabe zu: Sie wird als "Master" die Jagd anführen, natürlich auf Eragon. Der von ihr getragene Fuchsschwanz ist die Trophäe der Reitjagd. Am Abend findet im "Gerichtskretscham" Kunnersdorf als Abschluss der öffentliche Jagdball statt. Eine Veranstaltung, die ebenso der RFV organisiert.

Im November beginnen bereits die Vorbereitungen für das Pfingstturnier 2022, zählt Matthias Barth die nächsten Vorhaben auf. Auch den Pferdeball wird es wieder geben. Datum und Ort stehen bereits fest: 26. Januar im Bürgerhaus.

An solche Veranstaltungen war vor 50 Jahren nicht zu denken. "Die Anfänge waren sehr bescheiden", sagt Matthias Barth. Er gehört dem heutigen Verein seit 43 Jahren an, 28 Jahre davon ist der Horkaer Tierarzt der Vorsitzende. Erste Aktivitäten fanden 1971 noch in Niesky an der Spitzkehre der Martinstraße statt. Die Pferde habe man sich damals von der LPG "Freundschaft" in Horka ausgeliehen. Die Woche über wurden sie für die Feldarbeit eingespannt, am Wochenende auf ihnen geritten. Zunächst organisierten sich die Reiter in der Sportgemeinschaft (SG) Mückenhain, ab 1978 gehörten sie zur SG Horka.

Matthias Barth (mit Mikro) ist nicht nur Vereinsvorsitzender, sondern auch ein talentierter Moderator. Die Festveranstaltung 50 Jahre Pferdesport in Horka moderierte er. Auf ihr bekamen Schatzmeister Lutz Hennig (links) und Technikchef André Holecek (3. v
Matthias Barth (mit Mikro) ist nicht nur Vereinsvorsitzender, sondern auch ein talentierter Moderator. Die Festveranstaltung 50 Jahre Pferdesport in Horka moderierte er. Auf ihr bekamen Schatzmeister Lutz Hennig (links) und Technikchef André Holecek (3. v © André Schulze

Verein mit 164 Mitgliedern

Den Anfang machten in den 1970er Jahren eine Handvoll Interessierter. Heute zählt der Verein 164 Mitglieder. Der Aufschwung kam nach der Wende. Nicht nur mit der Vereinsgründung, sondern, dass auch die LPG-Pferde übernommen werden konnten. Heute stehen vier Vereinspferde im Stall, dazu die Privatpferde der Mitglieder.

1996 erwarb der Verein dazu einen ehemaligen LPG-Stall von der Treuhand. Die Spenden von Mitgliedern und Sponsoren machten den Kauf möglich. Vier Jahre zuvor, damals noch zu Ostern, fand das erste Reitturnier statt. Auch die beiden Jahre danach, dann allerdings zu Pfingsten, wurde das Turnier in Oberhorka am Abzweig nach Mückenhain ausgetragen. Seit 1995 ist die Wiese zwischen Niesky und Horka der Turnierplatz. "Hier haben wir ideale Bedingungen, stören keinen Anwohner durch Lärm", nennt Barth die Vorzüge.

Ein weiterer Meilenstein ist die Einweihung der Reithalle im Jahr 2003 gewesen. Mit Fördermitteln des Freitstaates gebaut, wird sie nicht nur für Training, Breitensport und Turniere genutzt. Sie ist auch Austragungsort für den jährlichen weihnachtlichen "Lichterglanz". Vor vier Jahren kam ein neuer Stall noch dazu. Somit hat sich nach 50 Jahren nicht nur ein großer Verein in Horka etabliert und einiges geschaffen. Seine sportlichen Aktivitäten sind ein Zugewinn für die Region und darüber hinaus.

Annalena Kalbas will ihrem Verein die Treue halten. Sie fühlt sich in ihm gut aufgehoben und möchte das Vereinsleben weiter mitgestalten. Ihre vier Jahre jüngere Schwester Leonie ist vor drei Jahren in den Verein gefolgt und verstärkt die Reihe junger Vereinsmitglieder. Somit dürfte der Reitsport auch die nächsten 50 Jahre eine feste Größe in Horka sein.