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Sabotage an Nieskyer Rundfunksender?

Am Tag der deutschen Einheit verstummt R.SA in der Stadt. Der Betreiber vermutet einen Anschlag. Doch das ist noch nicht erwiesen.

Neben diversen Antennen befindet sich auf der alten Mühle an der Nieskyer Plittstraße auch ein Rundfunksender. Der wurde am Tag der deutschen Einheit zerstört.
Neben diversen Antennen befindet sich auf der alten Mühle an der Nieskyer Plittstraße auch ein Rundfunksender. Der wurde am Tag der deutschen Einheit zerstört. © André Schulze

Wahrscheinlich nur Eingeweihte wissen, dass sich auf dem Dach der maroden "alten Mühle" in der Plittstraße neben allerlei Antennen auch ein Rundfunksender befindet. Die Zeiten, in denen beim früheren Volkseigenen Erfassungs- und Aufkaufbetrieb (VEAB) Getreide gemahlen und Kaninchen angenommen wurden, sind schon lange vorbei. Dafür sind jetzt die technischen Innereien des Senders in einem Betriebsraum weit unten in dem Gemäuer untergebracht, dessen Zustand insgesamt bedauernswert ist. Ausgerechnet am Tag der deutschen Einheit verstummte jedoch das von hier ausgestrahlte Programm.

Wenn alles wie gewünscht und von ihm aufgebaut funktioniert, ist Ulf Schneider eher selten in Niesky anzutreffen. Der Diplomingenieur ist Inhaber eines Sat-Services für Funk- und Fernmeldetechnik in Waldheim, das etwa in der Mitte zwischen Dresden und Altenburg liegt. Die Fahrt in die Oberlausitz ist da alles andere als ein Abstecher, den man eben mal so macht. Und doch hat Schneider genau am 3. Oktober, dem Feiertag der Deutschen, die rund 160 Kilometer lange Fahrt auf sich genommen. Denn in Niesky besitzt und betreibt er schon seit vielen Jahren einen UKW-Rundfunksender, der das Programm von R.SA verbreitet. Früher auf und im Wasserturm gleich neben dem Waldbad, seit geraumer Zeit auf und in der "alten Mühle". Dort hat der Geschäftsmann den erforderlichen Platz vom Grundstückeigentümer angemietet.

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Die Täter gingen ganz gezielt vor. Sie durchschnitten unbedingt notwendige Kabel und die reguläre sowie die Notstromversorgung. Indizien dafür, dass hier Profis am Werke waren.
Die Täter gingen ganz gezielt vor. Sie durchschnitten unbedingt notwendige Kabel und die reguläre sowie die Notstromversorgung. Indizien dafür, dass hier Profis am Werke waren. © privat

Zwischen 17.10 und 17.15 Uhr meldete sich die automatische Überwachungstechnik und stellte eine Störung fest. "Ich habe das alles zuvor schon mal erlebt. 2017 war der Sender auch außer Betrieb gegangen", erinnert sich Schneider. Allerdings nicht einfach so. Wie damals verhielt es sich auch jetzt: Unbekannte hatten einen Verschlag aus Sperrholz geöffnet und das dahinterliegende Kellerfenster zerstört. Wie schon am 2. August 2017 gingen die Täter ganz gezielt vor: Sie kappten alle Stromversorgungsleitungen, auch die drahtgebundenen Netzwerkanbindungen wurden zerschnitten. Dazu nicht nur die Leitungen zum Sendegestell, sondern auch die Verteilungen in dessen Innerem. Schließlich legten die Einbrecher auch die Notstromversorgung zu den Routern lahm. Für Ulf Schneider steht deshalb fest: "Die Täter wussten technisch ganz genau Bescheid." Und er vermutet: "Die materiellen Schäden hielten sie möglicherweise bewusst gering, um ungestraft davonzukommen, falls sie von der Polizei ermittelt werden." Der Unternehmer gibt den entstandenen Schaden an seiner Technik nur mit rund 150 Euro an.

Anschlag möglicherweise aus der linken Szene?

Der nach der Zerstörung erforderliche Wartungs- und Reparaturaufwand war und ist immer noch immens. So hat Ulf Schneider jetzt Reservetechnik vor Ort geschafft, den Sender selbst längst wieder instand gesetzt. Am Tag der deutschen Einheit mussten die R.SA-Hörer etwa bis Mitternacht auf ihre Lieblingshits verzichten. Seitdem erreicht das Programm wieder die Haushalte in und um Niesky.

Der Waldheimer Funk- und Fernmeldespezialist hat deutschlandweit mit seinen Rundfunkanlagen gut zu tun. Etwa 25 werden von ihm und seinen Mitarbeitern betreut, einige - wie die in Niesky - gehören ihm sogar. Abgestrahlt werden die unterschiedlichsten Programme - zum Beispiel MDR, Radio Lübeck oder Radio Nordseewelle. "Solche Probleme wie hier hatte ich aber noch nirgendwo. Es ist einfach ärgerlich, dass so etwas passiert." 2017 hinterließen die Täter sogar einen Schriftzug, der auch das in der linken Szene übliche Kürzel ACAB enthielt. Das bedeutet soviel wie "All cops are bastards" - übersetzt: "Alle Polizisten sind Bastarde". Ob hier ein Zusammenhang besteht, müssen die Beamten ermitteln.

Bei einem ersten Angriff auf die Sendeanlage im Jahr 2017 hinterließen die Täter auch diesen Schriftzug. Das Kürzel ACAB bedeutet: "All cops are bastards" - übersetzt: "Alle Polizisten sind Bastarde". Angeblich ist es in der linken Szene gebräuchlich.
Bei einem ersten Angriff auf die Sendeanlage im Jahr 2017 hinterließen die Täter auch diesen Schriftzug. Das Kürzel ACAB bedeutet: "All cops are bastards" - übersetzt: "Alle Polizisten sind Bastarde". Angeblich ist es in der linken Szene gebräuchlich. © privat

Anja Leuschner kann das bis jetzt nicht bestätigen. Eine eindeutige Zuordnung habe man bisher nicht vornehmen können, erklärt die Sprecherin der Polizeidirektion Görlitz. Allerdings werde in den beiden von Ulf Schneider genannten Fällen in alle Richtungen ermittelt. Und: "Der Staatsschutz ist über den Sachverhalt informiert." Auch wenn die Taten aktuell keinem politischen Spektrum zugeordnet werden können - die Sabotage des Rundfunksenders ist beileibe kein Dummejungenstreich. Laut Anja Leuschner drohen den Tätern für die Störung von Telekommunikationsanlagen bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug oder eine Geldstrafe. Ähnliche Straftaten wurden in den vergangenen Jahren im Bereich der Polizeidirektion Görlitz übrigens immer wieder verübt: 2017 registrierten die Beamten sechs Delikte, 2018 und 2019 waren es jeweils sieben. Und im laufenden Jahr sind es schon wieder fünf.

Ulf Schneider möchte nie wieder so eine Sabotage erleben. Deshalb unterstützt er die Aufklärung des Falles mit einer eigenen Aktion. "Für sachdienliche Hinweise, die maßgeblich zur Ermittlung der Täter führen, lobe ich eine Belohnung von 500 Euro aus."

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