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Nur für Hartgesottene

Viele Pumpwerke müssen täglich von Feuchttüchern und Fett befreit werden. Die Menge nimmt ständig zu.

Klärwärter Kay Engel holt am Pumpwerk Marbach einen Auffangbehälter aus dem Schacht, der zum größten Teil mit Feuchttüchern gefüllt ist. Der Eimer muss mindestens dreimal wöchentlich geleert werden. © Dietmar Thomas

Roßwein/Striegistal. Kay Engel beugt sich über den Schacht des Pumpwerkes in Marbach. Tief unten hängt ein Eimer an einer langen Stahlkette. Der ist mit einer braunen Masse gefüllt. Der Klärwärter holt ihn mit kräftigen Zügen ans Tageslicht. Der Eimer ist schwer, und er ist randvoll mit Fäkalien, Essensresten und jeder Menge Feuchttüchern. Kay Engel füllt den Inhalt des Auffangbehälters in eine große blaue Tonne. Dann muss er den Fangeimer noch reinigen, bevor er ihn wieder etwa fünf Meter in die Tiefe herablässt. „Das gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsaufgaben“, sagt der Klärwärter. „Aber es muss schließlich gemacht werden.“ Am Freitag steht die große Runde an. Er muss noch mehrere Pumpwerke anfahren.

Feuchttücher, die in der Toilette entsorgt werden, und Speise-Fett – daraus entsteht eine Mischung, die die Arbeit der Klärwärter des Abwasserzweckverbandes Obere Freiberger Mulde (OFM) erheblich erschwert.

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Eine Frage der Logistik 

Im Institutsbüro des Betriebswirtschaftlers Christian Hein entstehen Lösungsansätze, die dazu beitragen, dass humanitäre Hilfseinsätze in der ganzen Welt sicherer und reibungsloser ablaufen.

„Wir haben im Verbandsgebiet 13 Pumpwerke mit Auffangkörben ausrüsten müssen“, erklärt Frank Lessig, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes. Das war an den Anlagen erforderlich, an denen besonders viele Feuchttücher ankommen. „Die Tücher können erheblichen Schaden am Pumpwerk anrichten“, so Frank Lessig. Sie verknoten sich regelrecht zu Zöpfen, die sich um die Kreiselpumpen wickeln. „Im schlimmsten Fall geht die Pumpe kaputt.“

Besonders in Marbach, Böhrigen und neuerdings auch in Naußlitz tritt das Feuchttücher-Problem zutage. „Einige Fangkörbe müssen an jedem Wochentag, manche dreimal wöchentlich, andere nur einmal in der Woche gereinigt werden und das schon seit Jahren“, so Lessig. In der zurückliegenden Zeit sei es eher schlimmer statt besser geworden. Wenn ein Pumpwerk einmal ausgefallen ist, muss es mit großem Aufwand repariert werden. „Für die regelmäßige Reinigung und für die durch die Feuchttücher anfallenden Reparaturarbeiten haben wir in den zurückliegenden zwei Jahren mehr als 10 000 Euro aufwenden müssen“, sagt Lessig. Allein die Kosten für einen Auffangbehälter schlagen mit 1 000 Euro zu Buche. Eine neue Pumpe kostet rund 3 000 Euro.

Den oder die Verursacher ausfindig zu machen, sei nicht möglich. Deshalb müssen die Kosten für die aufwendige Reinigung letztlich von allen Kunden des Abwasserzweckverbandes getragen werden, sagt Lessig. Dabei sind es nicht nur feuchte Reinigungstücher, etwa für Babys, die die Verstopfung hervorrufen können. „Auch feuchtes Toilettenpapier sollte nicht ins Klo geworfen werden“, so Lessig. Zwar versprechen die Hersteller, dass sich die Tücher im Wasser zersetzen würden. Für Lessig ist das pure Theorie. „Der Zersetzungsprozess dauert – anders wie bei normalem Toilettenpapier – viel zu lange. Das sehen wir in der täglichen Praxis.“ Einzige Alternative sei es, die Feuchttücher mit dem Hausmüll zu entsorgen.