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Orosz: Tod des Asylbewerbers wirft Fragen auf

Nach dem Tod eine Asylbewerbers aus Eritrea gibt es noch keinen Hinweis auf den Täter, doch Spekulationen schießen ins Kraut. Derweil stellt ein Bundestagsabgeordneter Strafanzeige.

© dpa

Dresden. Nach dem gewaltsamen Tod eines 20-jährigen Asylbewerbers in Dresden wächst der Druck auf die Polizei. Auch angesichts der von den wöchentlichen Pegida-Demonstrationen angeheizten Stimmung in der Stadt forderten Politiker eine rasche Klärung. Dresdens Polizeipräsident Dieter Kroll räumte nach Angaben der Grünen im Innenausschuss des sächsischen Landtags eine anfängliche Fehleinschätzung der Todesursache ein.

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) (Archivbild).
Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) (Archivbild). © dpa

Tod eines Asylbewerbers in Dresden

Am Jorge-Gomondai-Platz liegen am Mittwochnachmittag nach einer Kundgebung Blumen im Gedenken an den ums Leben gekommenen jungen Eritreer.
Am Jorge-Gomondai-Platz liegen am Mittwochnachmittag nach einer Kundgebung Blumen im Gedenken an den ums Leben gekommenen jungen Eritreer.
Das mit Trauerflor geschmückte Foto soll den getöteten Khaled I. zeigen.
Das mit Trauerflor geschmückte Foto soll den getöteten Khaled I. zeigen.
Mahnwache am Gomondai-Platz für den toten 20-Jährigen.
Mahnwache am Gomondai-Platz für den toten 20-Jährigen.
Ein Polizeifahrzeug steht vor einem Plattenbau an der Johannes-Paul-Thilman-Straße im Stadtteil Dresden-Leubnitz-Neuostra.
Ein Polizeifahrzeug steht vor einem Plattenbau an der Johannes-Paul-Thilman-Straße im Stadtteil Dresden-Leubnitz-Neuostra.
Der Eritreer ist dort am Dienstag tot im Hof gefunden worden.
Der Eritreer ist dort am Dienstag tot im Hof gefunden worden.
Weiße Tulpen liegen neben einer getrockneten Blutlache an der Stelle, an der der Tote aufgefunden wurde.
Weiße Tulpen liegen neben einer getrockneten Blutlache an der Stelle, an der der Tote aufgefunden wurde.
Nachdem bekannt wurde, dass der Eritreer umgebracht worden sein soll, formierte sich eine Spontandemonstration von Asylbewerbern auf der Hauptstraße in Dresden.
Nachdem bekannt wurde, dass der Eritreer umgebracht worden sein soll, formierte sich eine Spontandemonstration von Asylbewerbern auf der Hauptstraße in Dresden.
An der Demo für den jungen Mann beteiligten rund 200 Asylbewerber und Unterstützer.
An der Demo für den jungen Mann beteiligten rund 200 Asylbewerber und Unterstützer.
Asylbewerber aus Eritrea sprachen davon, dass sie Angst haben und Hilfe brauchen. In der Stadt herrsche ein fremdendfeindliches Klima.
Asylbewerber aus Eritrea sprachen davon, dass sie Angst haben und Hilfe brauchen. In der Stadt herrsche ein fremdendfeindliches Klima.
Vor dem Albertinum, wo der Neujahrsempfang des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) stattfand, sprach Petra Köpping (SPD), Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, mit den Demonstranten.
Vor dem Albertinum, wo der Neujahrsempfang des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) stattfand, sprach Petra Köpping (SPD), Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, mit den Demonstranten.

Die Leiche des jungen Mannes aus dem nordostafrikanischen Eritrea war am Dienstagmorgen vor einem Wohnhaus in einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden worden. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben zunächst keine Hinweise auf Fremdeinwirkung festgestellt. Erst die Obduktion ergab, dass der Mann durch Messerstiche in Hals und Brust getötet worden war.

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Beck erstattet Strafanzeige

„Der Fall muss nun unverzüglich aufgeklärt werden, damit wir wissen, wie es zustande gekommen ist, was passiert ist, und wer es gewesen ist“, meinte Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD). Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) warnte vor Spekulationen. Sie sagte: „Ich glaube, mir geht es wie vielen, dass diese Tat an einem Asylbewerber aus Eritrea, der in unserer Stadt gelebt hat, viele Fragen aufwirft.“

Polizeipräsident Kroll habe gesagt, dass ein Notarzt noch am Fundort der Leiche zu dem Schluss gekommen sei, dass es sich um einen offenen Schlüsselbeinbruch handele, hieß es nach der Innenausschusssitzung. „Die Messerstiche waren zunächst nicht erkennbar gewesen“, sagte auch Oberstaatsanwalt Lorenz Haase. Die Polizei habe aber dennoch sofort eine Obduktion angeordnet.

Der Grünen-Politiker Volker Beck erstattete Strafanzeige gegen unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt. „Erst nach der Obduktion des Opfers räumt die Polizei ein Fremdverschulden ein und schickt erst 30 Stunden nach der Tat die Spurensicherung an den vermeintlichen Tatort“, sagte Beck zu „Mopo24“ - dem Internetportal der „Dresdner Morgenpost“.

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Khaled I. war ein Flüchtling aus Eritrea. Er wurde nur 20 Jahre alt. Er wurde erstochen.

„Flüchtlinge in dieser Stadt haben Angst“, sagte eine Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Sachsen, deren Mitarbeiter den 20-Jährigen und dessen Mitbewohner bisher betreut haben. In der vergangenen Woche habe ein Kollege von Tritten gegen die Wohnungstür der Asylbewerber sowie von Hakenkreuz-Schmierereien im Hausflur berichtet.

Laut Oberstaatsanwalt Haase laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Hinweise auf Täter, Hintergründe und Umstände des Verbrechens gebe es derzeit aber noch nicht. (dpa)