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Regen verhindert Striezelmarkt-Rekord

Bis Heiligabend rechnen die Organisatoren mit mehr als zwei Millionen Gästen. Doch es hätten mehr sein können.

Von Sandro Rahrisch
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© Robert Michael

Der 584. Dresdner Striezelmarkt wird enden, wie er begonnen hat: im Regen. Das Wetter verhindert einen Besucherrekord, sind sich Händler und Organisatoren einig. Dennoch, man sei zufrieden. Denn am Ende dürften es mehr als zwei Millionen Gäste werden, sagte Robert Franke, Chef der Wirtschaftsförderung, am Sonnabend. Das wären so viele wie im vergangenen Jahr, vielleicht sogar etwas mehr. „Die Stadt war voll mit Touristen aus dem In- und Ausland, die Hotels waren ausgelastet, die Leute sind gekommen.“

Glühwein und Holzkunst: Händler beklagen Umsatzeinbußen

Obwohl in etwa so viele Menschen über den Markt schlenderten wie 2017, müssen die Glühwein- und Imbissstände einen Umsatzverlust beklagen. Der Regen schreckte offenbar viele Besucher davon ab, einen Abend lang von Büdchen zu Büdchen zu ziehen. Ulrich Pötschke von der Händlergemeinschaft Altmarkt spricht von Einbußen in Höhe von 10 bis 15 Prozent. Etwa 140.000 Liter Glühwein und Punsch wurden ersten Rechnungen zufolge ausgeschenkt. Ein Trend: Die Gäste geben mehr Geld für hochwertige Punsche und Bioprodukte aus.

Etwas besser sieht es bei den übrigen Händlern aus. Der Umsatz bei Erzgebirgischer Volkskunst war zufriedenstellend, liegt aber geringfügig unter dem des Vorjahres“, so Dieter Uhlmann, Geschäftsführer des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. Auch er macht das schlechte Wetter, vor allem zu Beginn, verantwortlich.

Die Feste: Ansturm auf das Stollenfest

Bis zum Sonnabend haben standen 184 Programmpunkte auf dem Striezelmarkt-Plan. Größter Besuchermagnet war das Stollenfest mit mehreren Tausend Besuchern in kürzester Zeit. Der 3.850 Kilogramm schwere Riesenstollen wurde in nur zweieinhalb Stunden komplett verkauft. Alexander Siebecke, der das Kulturprogramm für den Striezelmarkt organisiert, sei erstaunt gewesen, dass der Bühnenvorplatz immer gut gefüllt war - trotz des Wetters. „Wir hatten es dieses Jahr tatsächlich mit einer extremen Wettersituation zu tun“, sagt er. Sieben Dauerregentage habe man gezählt, meisten freitags, sonnabends und sonntags. „Das hatten wir zuletzt vor zehn Jahren.“

Die Tassen: 60.000 Stück tauchen nicht wieder auf

Als Wirtschaftsförderer Robert Franke seinen Job antrat, habe er nicht geahnt, welche Relevanz die Striezelmarkt-Tassen in Dresden haben würden. Doch die Zahlen beweisen, wie beliebt sie sind. Denn 60.000 graue Keramiktassen der Firma Kannegießer Keramik aus Neukirch in der Lausitz kehrten nicht wieder zu den Händlern zurück.

Die Kriminalität: Blüten, Taschen- und Handydiebstähle

Polizei und Rettungskräfte hatten auch in diesem Jahr zu tun. Wenngleich es bisher keine größeren Schlägereien mit Betrunkenen gab, so Polizeikommissar Axel Friebe. Insgesamt seien 49 Straftaten auf den Weihnachtsmärkten angezeigt worden, darunter vor allem Taschen- und Handydiebstähle. Auch gefälschte 50-Euro-Scheine waren im Umlauf. „Händler haben die Kunden, die mit den Fälschungen bezahlen wollten angesprochen, woraufhin diese geflohen sind.“ Zu tun hatten es die Beamten auch mit 14 Besuchern, die als vermisst gemeldet wurden – Kinder und Rentner. „Aber wir konnten alle wieder zusammenführen“, so Friebe.

Die Verletzungen: Schnittwunden und Kreislaufzusammenbrüche

Bis zum Sonnabend leisteten die Sanitäter 85-mal Erste Hilfe, etwa so häufig wie im vergangenen Jahr. Die Bandbreite der Notfälle war sehr vielfältig - von Stürzen und Schnittwunden über Kreislaufkollapse bis hin zu Bindehautreizungen und Krampfanfällen. 70 Prozent aller Notfälle konnten vor Ort versorgt werden. Bei den verbleibenden 30 Prozent wurde der Rettungsdienst und zum Teil ein Notarzt hinzugezogen. „Alkohol spielte in diesem Jahr eine untergeordnete Rolle“, sagt Kreisbereitschaftsleiter Sebastian Wagner. „Dafür gab es mehrere Treppenstürze, die schlussendlich auch den Einsatz des Notarztes erforderlich machten.“

Das Sicherheitskonzept: Straßensperrung sorgt für Entlastung

Nicht allen Händlern gefiel das neue Sicherheitskonzept, das unter anderem einen Mix aus Betonsperren und dunklen Wassersäcken einschließt. Die könnten schöner gestaltet werden, hieß es am Sonnabend, als Bilanz gezogen wurde. „Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die Notwendigkeit akzeptiert wird, wenngleich wir uns alle nicht darüber freuen“, sagt Robert Franke zu den Maßnahmen. Für die Sperren sei viel Geld in die Hand genommen worden. Teil des Sicherheitskonzeptes ist es auch, dass Autos vom Festgelände fernzuhalten. Interessiert haben die Parkverbote allerdings nicht jeden Autofahrer. Insgesamt mussten 26 Fahrzeuge vom Ordnungsamt abgeschleppt werden – fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Die Polizei empfindet es als Entlastung, dass die nördliche Spur der Wilsdruffer Straße während des gesamten Striezelmarktes gesperrt ist. In den letzten Jahren habe es immer wieder gefährliche Situationen zwischen Besuchern, die sich vorm Schwibbogen fotografieren wollten, und Autofahrern gegeben.

Der nächste Striezelmarkt: Mehr Markttage 2019

Der Striezelmarkt hat noch bis Heiligabend geöffnet. Um 14 Uhr schließen die Händler. Der 585. Striezelmarkt öffnet am Mittwoch, den 27. November 2019. Er hat demnach 28 Tage geöffnet, einen Tag mehr als dieses Jahr.