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Dresden

Raven für mehr Toleranz

Am Sonnabend zogen mehrere tausend Menschen bei Veranstaltungen durch Dresden. Sie demonstrierten für eine weltoffene Stadt. Die Bilder gibt es hier:

Dem Regen zu Trotz zog die Tolerade durch Dresden.
Dem Regen zu Trotz zog die Tolerade durch Dresden. © Christian Juppe

Dresden. Die Dresdner waren da, zu Tausenden. Obwohl das Wetter nicht mitgespielt hat am Samstag, kamen sie zahlreich auf den Postplatz zu einer Kundgebung mit dem Motto „Gemeinsam für Vielfalt“. Zwei Demonstrationen waren diesem Treffen im Stadtzentrum vorausgegangen, die Tolerade und die Parade der Vielfalt.

Schräg, laut und tanzend im Regen zogen am Nachmittag etwa 1.500 vornehmlich junge Menschen vom Pieschen zum Schlesischen Platz und weiter zum Postplatz. Sie liefen hinter 17 Lkws und Transportern. Laute Musik, wummernde Bässe und ausgelassene Stimmung prägten diese Demonstration, die Tolerade, die der Tolerave-Verein organisiert hat. Die Dresdner Szene für elektronische Musik steht hinter der Tolerade, Clubs und DJs machten das Programm, unterstützt von insgesamt 80 Initiativen und Organisationen. Sprecherin Lisa Grzonkowski erklärte vor dem Bahnhof Neustadt, es handele sich nicht um eine „Spaßveranstaltung“. Die Demonstranten gingen für ein Klima der Akzeptanz, für eine vielfältige, weltoffene Kulturszene auf die Straße. Das taten sie ausgelassen, trotz des Regens und einstelliger Temperaturen.

Die Tolerade galt lange als reine Tanz- und Partyveranstaltung. Doch als sich 2014 Clubbetreiber der Elektro-Szene zusammengetan haben, wollten sie ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Ignoranz setzen. „Der Verein Tolerave wurde vor allem gegründet, um Pegida etwas entgegenzusetzen“, sagt Lennart Happe vom Verein. Aber in diesem Jahr sei die Tolerade besonders wichtig, weil die Dresdner am 26. Mai den neuen Stadtrat wählen. „Die Wahl ist die Entscheidung, wie unsere Gesellschaft in Zukunft aussehen soll. Es ist unsere Verantwortung.“ Deshalb lautet das Motto auch „Gemeinsam für Vielfalt“.

Auf dem Postplatz trafen sie sich die Tolerade-Anhänger mit der Parade der Vielfalt, einer Demonstration anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Es war die zehnte und letzte, sagte Sprecher Birger Höhn auf der Bühne neben dem Schauspielhaus. Künftig soll die Parade Teil der Tolerade sein.

13.000 Menschen kamen 2018 zum Aktionstag „Gemeinsam für Vielfalt!“. In diesem Jahr waren es weniger. Offizielle Zahlen gab es bis zum späten Nachmittag noch nicht, Schätzungen zufolge trafen sich auf dem Postplatz etwa 4.000 Menschen. Die Tolerade war auf dem Weg dorthin gewachsen, zahlreiche Demoteilnehmer kamen aber auch direkt zur gemeinsamen Kundgebung von Herz statt Hetze, der Initiative weltoffenes Dresden, des Tolerave-Vereins und der Parade der Vielfalt auf den Platz im Zentrum der Stadt.

Auf einer großen Bühne sprachen dort mehrere Vertreter der beteiligten Organisationen. Regisseur Volker Lösch, der zum Ensemble des Staatsschauspiels gehört, war ebenfalls als Redner eingeplant. Er konnte nicht dabei sein, hatte aber einen Brief an die Kundgebungsteilnehmer geschrieben. „In Dresden tut sich was“, stellte er fest. Die Stadt sei „nicht mehr die - vor allem von außen wahrgenommene - haltungslose 'Pegida-Metropole'“. Dresden sei vielgesichtig, umkämpft und offen. Doch dieser „immer größer werdende, offene und solidarische Teil der Dresdner Gesellschaft muss weiter wachsen“, forderte Lösch. (mit awe)