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Per Zufall zu Dresdens erster Erstliga-Hockeyspielerin

Sie vermisst in Duisburg ihre Familie und ihre Mädels vom ESV. Christstollen bekam Pia Heintze aber schon aus der Heimat geschickt. © Robert Michael

Eigentlich wollte Pia Heintze nur ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Duisburg absolvieren. 

Die Verblüffung am Telefon klingt authentisch. „Das wusste ich noch nicht. Cool“, sagt Pia Heintze und kann sich ein zufriedenes Lachen nicht verkneifen. Die 18-Jährige absolvierte am vergangenen Wochenende als erste Hockeyspielerin aus Dresden ein Pflichtspiel in der ersten Liga des geeinten Deutschlands. Für den Club Raffelberg kam die Teenagerin in der Weststaffel der Hallen-Bundesliga beim 8:4-Erfolg beim Bonner THV zum Einsatz.

„Ich hatte auch ein bisschen Glück. Drei Stürmerinnen sind aufgrund einer Grippewelle ausgefallen. Dann wurde ich sozusagen als Nachrückerin nominiert.“ Dabei ist die charmante Rothaarige eigentlich aus ganz anderen Erwägungen heraus am 1. September nach Duisburg gezogen. Beim dort ansässigen Club Raffelberg, vor allem in der Jugendarbeit ein Vorzeigeverein, absolviert die Dresdnerin ihr Freiwilliges Soziales Jahr. Heintze hilft im Hockey-Leistungszentrum Nordrhein-Westfalen etwa bei der Büroarbeit, betreut die Kindergarten- und Schul-Arbeitsgemeinschaft mit und leitet das Training bei Kindermannschaften des Vereins – und spielt nebenher eigentlich für die zweite Damenmannschaft in der Hallen-Regionalliga West.

Und dadurch in etwa auf dem Leistungslevel, mit dem sie den ESV Dresden verlassen hat. Die damals noch 17-jährige Stürmerin holte in der vergangenen Hallensaison mit ihrem Heimatverein sensationell Bronze in der Regionalliga Ost – auch dank ihrer gut 20 Saisontore. In Duisburg ist sie nur eine unter vielen Begabten – und fühlt sich damit offenbar wohl. „Ich habe hier erst gemerkt, wie groß und stark der Kader ist“, sagt sie und ergänzt: „Ich finde es entlastend, wenn man sich hinten anstellen muss. Das nimmt mir den Druck, immer gut sein zu müssen. Hier kann ich mal einen Fehler machen.“ Die viel höhere Spiel- und Entscheidungsgeschwindigkeit hat sie am meisten verblüfft.

Beim Club Raffelberg trainiert Heintze jeden Tag, am Wochenende spielt sie sowohl für die Jugend- als auch für eins der Frauenteams. Es fühlt sich an wie ein positiver Kulturschock in Sachen Hockey. „Das steht hier für alle an erster oder zweiter Stelle nach Studium oder Beruf“ sagt Heintze, die offen zugibt, dass sie hin und wieder auch das Heimweh packt. „Aber es lohnt sich schon, diese Erfahrungen zu machen und mal in der ersten Liga zu spielen“, sagt sie.

Die Sächsin hat bei einer Gastfamilie, die zwei Kinder im Klub hat, eine kleine Wohnung angemietet, für die ihre Eltern aufkommen. Den Lebensunterhalt bestreitet Heintze vom monatlichen 300-Euro-Salär für ihre FSJ-Tätigkeit. Noch bis 31. August 2019 bleibt sie dafür in Duisburg. Mindestens. „Wegen der Familie würde ich schon gern nach Dresden zurückkommen, hockeytechnisch werde ich wahrscheinlich hierbleiben, auch wenn ich den ESV und meine Mädels total vermisse.“

Das Hockey-Talent will in der Region Medizin oder Pharmazie studieren und schauen, wie sie sich beim Club Raffelberg noch weiterentwickeln kann. Ob das für weitere Erstligaspiele reicht, vermag sie noch nicht abzuschätzen. „Das hängt davon ab, ob ich einige Sachen noch aufholen kann. Mir fehlen da in der Grundausbildung einige Voraussetzungen“, sagt sie. In Dresden würde das sicher niemanden verblüffen, wenn sie den Rückstand aufholte.