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Im Halbstundentakt ins Kirnitzschtal

Mit jeder S-Bahn haben Ausflügler Anschluss in Bad Schandau. Dafür sorgt eine neue Ring-Linie des Regionalverkehrs.

Ulf Zimmermann und Uwe Thiele (r.) werben für die Nutzung der neuen Ringbuslinie.
Ulf Zimmermann und Uwe Thiele (r.) werben für die Nutzung der neuen Ringbuslinie. © Steffen Unger

Der Autoverkehr im Kirnitzschtal muss irgendwie gebändigt werden. Deshalb wird den Autofahrern ein weiteres Angebot zum Umsteigen gemacht. "Verbote können nur das letzte Mittel sein", sagt Nationalparkleiter Ulf Zimmermann. Er hat die Erfahrung gemacht, dass auch das Abschleppen nur bedingt hilft. "Nur kurze Zeit später steht der nächste an der Stelle."

Dabei müssten Urlauber und Ausflügler etwa aus Dresden oder Freital gar nicht mit dem Auto bis ins Kirnitzschtal fahren. Die Kooperation mit dem Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (RVSOE) hat nämlich ein weiteres Angebot hervorgebracht. "Davon wissen aber offenbar noch nicht alle", sagt Uwe Thiele, Geschäftsführer des RVSOE.

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Schöne Aussichten

Zum einen ist eine Kombination von Wanderbus und S-Bahn stündlich möglich und die Übergänge sind umsteigefreundlich kalkuliert, heißt es. Die Anschlüsse an die S-Bahn in Bad Schandau sind in den Fahrplantabellen der Buslinien 241 und 260 mit einem grünen Piktogramm ausgewiesen.

Seit der Umstellung auf Sommerfahrplan hat der RVSOE zudem eine Ringlinie an Wochenenden und Feiertagen konzipiert. Vom Bahnhof Bad Schandau geht es durchs Kirnitzschtal bis zur Buschmühle, über Ottendorf und Sebnitz in die sogenannten Panoramadörfer Lichtenhain, Mittelndorf und Altendorf nach Schandau zurück. Die Panoramadörfer haben ihren Namen wegen der schönen Aussichten von dort.

Für diesen Ring wurden die Linien 241, 269 und 260 miteinander verknüpft. Der Clou dabei ist, dass kein Fahrgast umsteigen muss. Das Fahrzeug bleibt das selbe. An den Knotenpunkten ändert sich lediglich die Nummerierung am Bus. "Das passiert GPS-gesteuert", erklärt Thiele. So hätten nicht mal die Busfahrer einen Mehraufwand.

Zielgruppe sind Urlauber und Dresdner

Als wichtigste Zielgruppe sollen damit neben Dresdnern die Urlauber angesprochen werden. Wer in Pirna, Königstein oder Sebnitz übernachtet, kann jetzt schon die Gästekarte Sächsische Schweiz mobil als Ticket nutzen. Im nächsten Jahr kommt die Verwaltungsgemeinschaft Bad Schandau hinzu.

Entlang der konzipierten Ringlinien lägen noch zahlreiche Parkplätze, wie etwa in Lichtenhain oder an der Elbebrücke, die weniger ausgelastet sind als die im Kirnitzschtal. So werde das Umsteigen in den ÖPNV leicht gemacht und Urlauber mit der Gästekarte hätten nicht mal Zusatzkosten.

Zwei "Käfer-Busse" im Einsatz

In Kooperation mit dem Nationalpark Sächsische Schweiz wurden zwei Busse des RVSOE extra neu beklebt. Im Volksmund werden sie schon Käfer-Busse genannt. Direkt unterm Fahrer-Fenster ist beispielsweise der Kreuzbinden-Pilzkäfer angebracht. Der ist zwar auch in der Sächsischen Schweiz nur selten zu finden, aber besonders hübsch anzusehen.

Für drei Jahre rollen die beiden Busse mit der Aufschrift "Natur Natur sein lassen" durchs Kirnitzschtal. Wie sie von den Fahrgästen angenommen werden, soll laufend geprüft werden, erklärt Thiele.

Dass mit zusätzlichen Angeboten im ÖPNV und Werbemaßnahmen tatsächlich eine Besucherlenkung erfolgreich sein kann, zeige die sogenannte Steine-Linie. Die hatte der Regionalverkehr vor fünf Jahren im linkselbischen Gebiet in den Sommerfahrplan aufgenommen. Die steigenden Fahrgastzahlen würden zeigen, dass man mit der Entscheidung richtig lag, so Thiele. Bei der Anschubfinanzierung hatte auch hier der Nationalpark geholfen. Der finanziert im Übrigen auch den letzten Bus der Linie 241, der abends von Hinterhermsdorf nach Bad Schandau fährt.

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Das Eigeninteresse ist natürlich groß. Weniger Autos verringern die Emissionen. Das gelte insbesondere, wenn es keinen Suchverkehr mehr nach einem Parkplatz durchs gesamte Kirnitzschtal gibt. "Der Besuch mit dem Bus ist viel entspannter", sagt Zimmermann. Und jeder könne so die schönen Aussichten genießen.

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