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Verkauf des "Hanno": Jetzt spricht der Hanno-Chef

Die Stadt Pirna möchte das Haus abstoßen. Nun äußert sich der frühere Eigentümer des Gebäudes und lenkt den Blick auf die generelle Situation der Jugendlichen.

Von Mareike Huisinga
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Rocco Geißdorf äußert sich zum geplanten Verkauf des früheren Vereinshaus "Hanno".
Rocco Geißdorf äußert sich zum geplanten Verkauf des früheren Vereinshaus "Hanno". © Norbert Millauer

Keine unbekannte Größe in der Stadt Pirna: Die Rede ist von dem mächtigen Gebäude an der Hohen Straße, das eigentlich alle nur das "Hanno" nennen. Hanno deshalb, weil es sich um das einstige Jugend- und Vereinshaus des gleichnamigen Vereins handelt. Die Stadt will dieses Gebäude verkaufen. Das Thema ist nicht neu, sondern flammte bereits vor zwei Jahren auf. Schon damals reagierten die Anwohner traurig und entsetzt. Das ist heute nicht anders.

Das Gebäude, das in Pirna besser unter dem Namen "Hanno" bekannt ist, soll verkauft werden.
Das Gebäude, das in Pirna besser unter dem Namen "Hanno" bekannt ist, soll verkauft werden. © Daniel Förster

Auf Nachfrage von Sächsische.de äußert sich jetzt auch der frühere Eigentümer des Gebäudes. "Obwohl unsere Zeit in dem Gebäude ja nur einen bescheidenen Anteil von der gesamten Geschichte ausmacht", schränkt Rocco Geißdorf gleich vorab ein. Er ist Geschäftsführer des Vereins "Hanno - Das sozialpädagogische Kinder- und Jugendzentrum für Pirna und die Fachstelle Kinder- und Jugendschutz für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge". Der Verein wurde 1993 gegründet und hatte seine Adresse an der Hohen Straße/Ecke B172. Der Name geht zurück auf Hanno Günther, ein kommunistischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Hier wurde nicht nur fröhlich Fasching gefeiert, sondern auch Sozialarbeit mit Jugendlichen vor Ort geleistet. Es war ein Treffpunkt für Kinder und Jugendliche. Der offene Treff wurde 2012 von dem Standort in die Altstadt verlagert. 2014 zog der Verein selbst mit seinen Büroräumen in das Verwaltungsgebäude Grohmannstraße 1. Jetzt ist der Verein in der Siegfried-Rädel-Straße 9 zu Hause.

Hanno-Chef: Mehr mit den Jugendlichen sprechen

Den geplanten Verkauf des Hauses betrachtet Rocco Geißdorf mit gemischten Gefühlen. "Natürlich stecken viele Erinnerungen in dem Haus. Aber auf der anderen Seite ist es gut, dass es eine Nachnutzung für das Gebäude gibt, denn es muss etwas passieren. Das Haus ist in einem schlechten Zustand", sagt Geißdorf.

Generell blickt er als Experte auf die Jugendarbeit in Pirna und stellt fest: "Ich erlebe oft, dass nur über die Jugendlichen geredet wird, aber nicht mit ihnen. Aus meiner Sicht muss man mehr mit den jungen Menschen sprechen, um zu erfahren, was sie bewegt, warum sie in Pirna leben, etc.", meint Geißdorf und richtet diesen Hinweis auch an die Stadtpolitiker. In diesem Zusammenhang betont er, dass Pirna grundsätzlich ein lebenswerter Ort sei und auch jungen Menschen eine Menge böte. "Allerdings empfinde ich das Freizeitangebot für Jugendliche beziehungsweise kulturelle Anregungen für diese Gruppe als unzureichend. Ich denke auch, diese Gruppe braucht mehr Platz und Räume, wo sie sich treffen kann."

Für Rocco Geißdorf steht jedenfalls fest: Pirna benötigt ein Jugendhaus, also ein festes Domizil, wo es auch mal lauter werden könnte, ohne dass es gleich Klagen von den Nachbarn gibt. Das würde einmal mehr die aktuellen Reaktionen auf den geplanten Verkauf des ehemaligen Jugendhauses in der Hohen Straße untermauern. Und er hat noch ein weiteres Argument für seine Forderung. "Die Stadt macht derzeit viel für die Kinder, zahlreiche Kitas werden neu gebaut, weil der Bedarf nach Plätzen entsprechend hoch ist. Aber diese Kinder werden Jugendliche. Wo sollen sie dann hin?", fragt der Geschäftsführer, der somit in die Zukunft schaut.

Er schaut in dem Zusammenhang nur sechs Kilometer weiter in Richtung Westen. "In Heidenau gibt es zwei feste Jugendhäuser, in Pirna jedoch keins." Er wünscht sich zeitnah eine mutige Entscheidung der Stadtverwaltung und des Stadtrates für ein solches Projekt.