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Pirnas Scheunenhofcenter füllt sich

In das 2020 neu eröffnete Einkaufszentrum sind weitere Mieter eingezogen, die Bauarbeiten sind beendet. Ein Problem aber bleibt.

Scheunenhofcenter in Pirna: Nur noch wenige Flächen zu vermieten.
Scheunenhofcenter in Pirna: Nur noch wenige Flächen zu vermieten. © Daniel Schäfer

Der 2. September 2020 markiert einen wichtigen Tag in Pirnas jüngerer Geschichte. An diesem Tag vor einem reichlichen Vierteljahr endete die jahrzehntelange Odyssee um das einst brach liegende Scheunenhof-Areal in der Innenstadt.

Schon seit Anfang der 1990er-Jahre gab es Pläne, das Karree zwischen Robert-Koch-Straße, Bahnhofstraße und Hospitalstraße mit einem Einkaufszentrum zu bebauen. Investoren kamen und gingen, Pläne reiften und wurden wieder verworfen. Jahrelang tat sich vor allem eines: nichts.

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Erst zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts fand Pirna in der Edeka Unternehmensgruppe Nordbayern-Sachsen-Thüringen einen potenziellen Bauherrn, der es ernst meinte, sich aber dennoch viel Zeit ließ. Viele erklärten in der Zwischenzeit das Projekt Scheunenhofcenter längst für gescheitert.

Das Geschäft läuft, der Umsatz passt

Doch 2017 begannen tatsächlich die Bauarbeiten, zweieinhalb Jahre später konnte Edeka das Einkaufszentrum eröffnen - quasi gerade noch in einer halbwegs coronafreien Lücke, was dem Haus reichlich Andrang bescherte.

Reichlich vier Monate sind seither vergangen. Aus Sicht von Edeka sei das Geschäft bislang gut gelaufen. Der von Edeka selbst betriebene Frischemarkt sowie die anderen Läden seien stark frequentiert, auch mit dem Umsatz sei man bislang zufrieden.

Derzeit ist der Kundenstrom wegen des coronabedingten Lockdowns allerdings abgeebbt, weil von den Geschäften momentan nur der Frischemarkt, die Apotheke sowie die Drogerie geöffnet sind.

Gleichwohl läuft der Betrieb an anderer Stelle nahezu ungehindert weiter, in der Zwischenzeit sind auch neue Mieter hinzugekommen.

Anfang Dezember zog der Sonderpostenmarkt "Tedi" ins Scheunenhofcenter, in den großen Laden links am zentralen Eingangsbereich an der Robert-Koch-Straße. Die Neueröffnung fand am 5. Dezember statt. Dafür gab Tedi seinen bisherigen Standort an der Breiten Straße auf. Neben der Filiale im Scheunenhofcenter betreibt Tedi in Pirna einen weiteren Laden an der Königsteiner Straße. Beide Geschäfte sind derzeit - wie so viele andere Läden auch - pandemiebedingt geschlossen.

Augenärzte von der Gerichtstraße ziehen vorzeitig um

Zudem hat sich auch das medizinische Spektrum im Scheunenhofcenter erweitert. Eine Zahnärztin, eine Physiotherapie sowie eine Psychotherapie-Praxis haben bereits ihren Sitz im Einkaufszentrum.

Nun hat auch das Augenzentrum Pirna sein neues Domizil in der ersten Etage des Komplexes bezogen, sogar früher, als ursprünglich geplant. Die Praxis, in der vier Augenärzte praktizieren, wollte zu Beginn des neuen Jahres am neuen Standort eröffnen, aber die erste Operation konnte schon am 28. Dezember stattfinden.

Die Praxis hatte zuvor ihren Sitz in einem Haus auf der Gerichtsstraße, verteilt über mehrere Etagen. "Wir sind allerdings schneller gewachsen, als es die alten Räume zuließen", sagt Augenarzt Dr. Janek Häntzschel. Klimatechnisch, hinsichtlich des Platzangebotes sowie neuer, moderner Anforderungen waren die Mediziner im bisherigen Domizil an ihre Grenzen gestoßen. "Wir hatten zwar einen super Vermieter", sagt Häntzschel, "aber in einem alten Haus geht eben nicht alles."

Bis zu 150 Patienten täglich in Augenarztpraxis

Die Ärzte benötigten zusätzliche Räume, um Wartezeiten und Untersuchungen zu verkürzen, ebenso mehr Platz für neue Geräte.

Das liegt vor allem daran, dass die Zahl der Patienten in den vergangenen Jahren stark zunahm, derzeit sind es im Schnitt zwischen 100 und 150, die täglich in der Praxis behandelt werden. Auch die Zahl der Operationen stieg stetig. "Wir haben daher schon seit geraumer Zeit nach einem neuen Objekt gesucht, aber lange nichts passendes gefunden", sagt Häntzschel.

Schließlich eröffnete sich mit dem Scheunenhofcenter die Möglichkeit für den angestrebten Umzug. Im neuen Domizil gibt es insgesamt mehr Platz, zusätzliche Räume, alles liegt auf einer Ebene, die Abläufe sind so strukturiert, dass sich die Patienten nicht mehr als nötig über den Weg laufen. "Hier können wir alles dem neuesten Stand anpassen", sagt Häntzschel.

Aus seiner Sicht sprechen noch weitere Vorzüge für den neuen Standort: er liegt sehr zentral, ist barrierefrei erreichbar, in der Tiefgarage gibt es ausreichend Parkplätze, mehrere Buslinien halten direkt vor dem Haus.

Behindertentoiletten sind jetzt abschließbar

Darüber hinaus sind die 65 Wohnungen über dem Einkaufszentrum, die die Johanniter betreuen, vermietet. Im Frühjahr sollen noch ein Café und ein Imbiss in den Scheunenhof-Altbau einziehen. Nach Aussage von Edeka sind im Scheunenhofcenter derzeit noch drei kleinere Flächen für Büros oder Praxen sowie ein größerer Laden zu haben. Der Betreiber rechnet fest damit, auch diese Fläche noch zu vermieten, wenngleich diese Entwicklung derzeit coronabedingt etwas schleppend vorangeht.

Sämtliche Bauarbeiten sind inzwischen abgeschlossen, auch Mängel wurden beseitigt. So fehlten zur Eröffnung beispielsweise Fahrradständer und Papierkörbe am zentralen Eingangsplatz, beides wurde aber rasch nachgerüstet.

Und erst kürzlich beklagten sich Kunden darüber, dass sich die Behindertentoiletten nicht abschließen ließen. Edeka hat das Problem inzwischen gelöst und spezielle Türschloss-Zylinder einbauen lassen.

Leer stehende Läden werden sich wieder füllen

Ein generelles Problem bleibt allerdings. Viele Pirnaer befürchten, dass das neue Einkaufszentrum zu viel Kaufkraft aus der Pirnaer Altstadt abzieht und so die Existenz der kleinen Geschäfte gefährde.

Genährt wird die Sorge auch dadurch, dass mit Ernsting's Familiy, Rossmann und der Pluspunkt-Apotheke drei wichtige Geschäfte von der Dohnaischen Straße ins Scheunenhofcenter zogen und die bisherigen Läden nun leer stehen.

Pirnaer Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos), der das Scheunenhofcenter insgesamt als eine Bereicherung für Pirna betrachtet, zeigt sich dennoch optimistisch, dass sich dieses Problem lösen lässt. "Ich bin überzeugt davon, dass sich die attraktiven Ladengeschäfte wieder füllen werden", sagt der Rathauschef, "einige Nachmieter sind mir da bereits bekannt."

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