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Die drei vom Heidenauer Bad

Ohne sie geht nichts: Eine Kassiererin, ein Schwimmmeister und der Imbissbetreiber erzählen, wie sie zu dem Job kamen und was ihn für sie besonders macht.

Die Drei vom Bad: Imbissbetreiber Makhan Singh, Kassiererin Yvonne Grocholl und Schwimmmeister Christoph Halle.
Die Drei vom Bad: Imbissbetreiber Makhan Singh, Kassiererin Yvonne Grocholl und Schwimmmeister Christoph Halle. © Karl-Ludwig Oberthür

So ein Freibad lebt vom Wetter - und den Leuten, die hier arbeiten. Die Kassiererin ist die erste, die Badbesucher bewusst wahrnehmen. Die Schwimmmeister sind für die Gäste die, die immer herumsitzen und die, die im Notfall helfen und essen ist sowieso immer wichtig. Im Heidenauer Albert-Schwarz-Bad sind das Yvonne Grocholl, Christoph Halle und Makhan Singh. Ihre Wege zum Job im Bad sind so unterschiedlich wie ihre Aufgaben.

Der Schwimmmeister: Christoph Halle

Obwohl Christoph Halle Heidenauer ist, hatte er bei seiner Ausbildung das Heidenauer Bad gar nicht im Blick. Auch Schwimmmeister stand auf seiner Wunschliste nicht ganz oben, obwohl er schon bei der DLRG und Rettungsschwimmer war. Und selbst als eine Lehre im Fahrzeugbau nicht klappte und er damit liebäugelte, das Hobby zum Beruf zu machen, brauchte er noch die Hilfe eines Zufalles. Das war ein Gespräch mit dem damaligen DLRG-Vorsitzenden. Nachdem sich Halle bundesweit beworben hatte, blieb er schließlich doch in Heidenau. Und hier ist er nun einer der Männer in Weiß am Beckenrand. Dass viele Besucher sie oft als die wahrnehmen, die nur herumsitzen, nimmt Halle gelassen.

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Der Schwimmmeister, der fast wo ganz anders gelernt hätte und jetzt auch DLRG-Vorsitzender in Heidenau ist: Christoph Halle.
Der Schwimmmeister, der fast wo ganz anders gelernt hätte und jetzt auch DLRG-Vorsitzender in Heidenau ist: Christoph Halle. © Karl-Ludwig Oberthür

Sein Job beginnt einige Zeit vor der Öffnung des Bades mit dem Rundgang. Technische Probleme werden "fix gelöst", sagt er. Das war auch schon mal ein Kabelbrand in der Wassertechnik. Ansonsten sitzt Halle zwar wirklich oft rum, aber immer wachen Auges. Vor allem auf die breite, kleine Rutsche. Darunter ist das Wasser 1,35 Meter tief. "Für einen Zwerg ist das eindeutig zu tief", sagt Halle. Da muss er dann schon mal eine Durchsage machen. Der Anziehungspunkt ist natürlich die große Rutsche.

Die Schwimmmeister sind auch die ersten Helfer bei kleinen oder größeren Blessuren. Bei Platzwunden der Kinder reagieren die Eltern ganz unterschiedlich, sagt Halle. Von denen, die gleich den Krankenwagen rufen bis zu denen, die ihre Kinder selbst versorgen. Schlimme Zwischenfälle sind glücklicherweise selten. Halle erinnert sich nur an einen Bewusstlosen auf der Toilette. Da waren wohl Drogen im Spiel, sagt er. So oder so, Schwimmmeister wie Christoph Halle sind die, die im Hintergrund im Bad für Ruhe, Ordnung und Sicherheit sorgen.

Die Kassiererin: Yvonne Grocholl

Vor zwei Jahren arbeitete Yvonne Grocholl schon einmal im Heidenauer Bad. Damals im Imbiss. Die gelernte Altenpflegerin hat sich eine berufliche Auszeit genommen. Als sie durch Zufall las, dass Kassierer gesucht werden, passte das. "Ich kannte das Bad, die Abläufe, die Mitarbeiter", sagt sie. Außerdem ist es eine gute Lösung für die Saison.

Kassierer wie Yvonne Grocholl sind diejenigen, die für die Besucher der erste Eindruck vom Bad sind. Also ist die 35-jährige Heidenauerin immer freundlich, was ihr auch nicht schwerfällt. "Die Leute kommen hierher, freuen sich auf einen schönen Tag, haben freudige Gesichter." Wenn der Andrang groß ist, ist Yvonne Grocholl froh, wenn sie mal aus ihrem Stübchen raus kann.

Die Altenpflegerin in Auszeit: Yvonne Grocholl ist Kassiererin und damit die Erste, die Badbesucher treffen.
Die Altenpflegerin in Auszeit: Yvonne Grocholl ist Kassiererin und damit die Erste, die Badbesucher treffen. © Karl-Ludwig Oberthür

Yvonne Grocholl musste sich erst einmal die vielen verschiedenen Tarife einprägen. Vor allem vor den Schulferien kamen viele Gruppen. Denen muss dann auch immer einiges erklärt werden. Wenn da eine Schlange an der Kasse steht, kann man schnell unruhig werden, als Gast und als Kassierer. "Wir haben dann mit dem Tablet die zweite Kasse eröffnet", sagt Yvonne Grocholl. "Und die Schwimmmeister helfen uns auch immer, es sind ja diese Saison alle drei Kassierer neu." Sei es, wenn Eltern wegen eines Zeckenbisses ihres Kindes kommen oder eine Gruppe ein Stromkabel braucht." Zum Arbeitstag gehört auch immer das Anschreiben der aktuellen Luft- und Wassertemperatur.

Der Imbiss-Betreiber: Makhan Singh

In Radeberg wird er der "integrierte Inder" genannt. Dort hat Makhan Singh ein Restaurant. Den Campingplatz an der Blauen Adria Bautzen hat er übernommen und seit 2018 ist er im Heidenauer Bad. Zunächst nur mit einem Stand, nun bewirtschaftet er für die nächsten fünf Jahre drei der vier Angebote an der "Fressmeile". Hier stehen nun auch etliche große Holztische und -bänke. Ein kleines "Tropical Island" stellt sich der gesprächige Inder, der seit 1996 in Deutschland ist, vor. Heidenau habe mit seinen nun hundert Jahren eine lange Geschichte, sei eine schöne Oase und eine "gute Geschäftsidee".

Der Inder aus Radeberg: Makhan Singh Kandola bewirtschaftet drei der vier Stände der Bad-"Fressmeile".
Der Inder aus Radeberg: Makhan Singh Kandola bewirtschaftet drei der vier Stände der Bad-"Fressmeile". © Karl-Ludwig Oberthür

Neben den Klassikern Langos, Currywurst und Pommes gibt es mit ihm im Heidenauer Bad nun auch Hähnchen in Mandelsoße, Linsengerichte und Gemüse mit Kokos. Die Heidenauer seien durchaus experimentierfreudig und würden auch Geburtstage bei ihm feiern. Die ersten und besten Kunden sind natürlich die Bad-Mitarbeiter.

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Die Bänke sind hoffentlich eine gute Investition. Singh will damit dann auch auf Weihnachtsmärkte gehen. Jetzt aber ist erstmal Badesaison. Die ist auch in Heidenau nicht ohne Risiko, denn sie ist vom Wetter abhängig. "Ich bin ein Freund des Risikos", sagt Makhan Singh. Im Moment läuft es gut, auch wenn die Saison coronabedingt später begann. Aber baden macht hungrig und durstig. Und wenn Makhan Singh selbst vor Ort ist, macht er das, was gute Gastgeber machen: Mit den Gästen reden. Nach 25 Jahren ist sein Deutsch entsprechend Sächsisch.

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