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Pirna: Wirtin will nicht aufgeben

Thi Mai Lan Le hatte gerade erst ihren neuen Imbiss in der Pirnaer Innenstadt eröffnet. Dann kam der zweite Lockdown. Das ist nicht ihr einziges Problem.

Thi Mai Lan Le hat in Pirna auf der Dohnaischen Straße 82 vor Kurzem ein asiatisches Bistro eröffnet. Dann kam der Lockdown ...
Thi Mai Lan Le hat in Pirna auf der Dohnaischen Straße 82 vor Kurzem ein asiatisches Bistro eröffnet. Dann kam der Lockdown ... © Daniel Schäfer

Der frisch gekochte Reis dampft noch. Ein ganzer Bottich voll. Die Hungrigen können kommen. Wenn sie dann kommen...

Am 7. Oktober eröffnete Thi Mai Lan Le ihr neues Imbiss-Geschäft auf der Dohnaischen Straße in der Pirnaer Altstadt. Der Name ist Programm: Bei "Lani's Asia foods to go" gibt es asiatische Gerichte in großer Vielfalt. Außerdem bietet sie Sushi-Häppchen an. Der Start? "Voller Erfolg! Es lief in den ersten Tagen ganz prima", erinnert sich die junge Unternehmerin. "Viele Menschen kamen, waren neugierig und wollten das Essen probieren."

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Doch schon kurze Zeit nach der Eröffnung folgte der zweite Lockdown. Ein herber Dämpfer für die Geschäftsfrau. "Ich habe jetzt eindeutig weniger Kunden wegen der aktuellen Einschränkungen", sagt Le. Denn ihr Laden ist relativ klein, so dass sich maximal zwei bis drei Kunden in dem Imbiss aufhalten dürfen. Platz nehmen darf ohnehin niemand mehr, nur noch abholen. Wegen der Abstandsregeln müssen viele Kunden draußen warten, was Geduld erfordert. "Das ist natürlich jetzt in der kalten Jahreszeit nicht sehr attraktiv; nicht jeder ist dazu bereit. Besser, wenn man vorher telefonisch bestellt", meint Thi Mai Lan Le.

Homeoffice heißt weniger Kunden in der Pirnaer Innenstadt

Aber nicht nur die Unwägbarkeiten des Abholmodells bereiten ihr Sorgen. Generell kämen jetzt weniger Kunden, was ebenfalls mit dem erneuten Lockdown zusammenhinge. "Da viele derzeit im Homeoffice arbeiten, kommen weniger Büroangestellte zum Mittagessen", so Le. Wie hoch der Verlust ist, kann sie allerdings nicht beziffern. "Denn ich habe keine exakt vergleichbaren Zahlen, da ich ja quasi nach der Eröffnung in den Lockdown gegangen bin", berichtet die Unternehmerin, die jedoch nicht falsch verstanden werden möchte. Generell hat sie Verständnis für die Hygieneregeln in Corona-Zeiten. "Es muss alles getan werden, um die Menschen zu schützen. Ich selber habe auch Familie, um die ich mich sorge", sagt die Mutter von drei Kindern.

Was ihr zusätzlich zu schaffen macht, sind die Schließungen der Plus-Punkt-Apotheke und der Rossmann-Drogeriefiliale in unmittelbarer Nähe. Beide Geschäfte sind in das neue Scheunenhof-Center gezogen, wodurch jetzt weniger Passanten die Dohnaische Straße besuchen. "Ich wusste nicht, dass diese Kundenmagneten ausziehen, sonst hätte ich mir eventuell einen anderen Standort für meinen Asia-Imbiss gesucht", sagt die Vietnamesin.

Bald Barbecue à la Vietnam?

Aufgeben? Nein, das ist für sie keine Option. "Daran denke ich nicht einmal", sagt die zierliche Frau mit einem kämpferischen Unterton. Sie liebt ihren Job. "Ich mag es, wenn die Kunden mit mir und auch untereinander ins Gespräch kommen. Es ist ein ehrliches Interesse. Ich glaube, meinen Gästen schmeckt es", erklärt Le, die sich über sehr gute Bewertungen ihres Bistros in den sozialen Medien freut.

Hilfe bekommt sie ab und zu von ihren Familienangehörigen. Aber ihr Imbiss ist eher ein "Eine-Frau-Betrieb". Thi Mai Lan Le kauft ein, bereitet alles frisch hinter dem Tresen zu, nimmt Bestellungen entgegen und verkauft die Gerichte. Abends putzt sie die Bude. Welche Pläne hat sie? Darauf muss sie schmunzeln. "Zunächst werde ich die Durststrecke überstehen. Wenn dann alles wieder in normalen Bahnen läuft, könnte ich mir vorstellen, die Speisekarte mit anderen typischen vietnamesischen Speisen zu erweitern. Ich denke etwa an vietnamesisches Barbecue mit Rippchen", sagt sie.

In Vietnam geboren, aufgewachsen in Bitterfeld

Authentische vietnamesische Küche? Die Köchin weiß, wovon sie spricht. Sie wurde 1984 in Vietnam geboren und kam 1998 im Rahmen des Familiennachzugs nach Wolfen/Bitterfeld, wo ihre Eltern damals lebten. Seit 2015 wohnt die Mutter dreier Kinder in Pirna. "Mein Schwager hat einen Asia-Imbiss in Lohmen, ich wollte ihn unterstützen", erklärt Le ihren Umzug in die Sächsische Schweiz. Heute lebt sie mit ihrem Verlobten in Graupa. "Mich mit einem Lokal selbstständig zu machen, war immer schon mein Traum", sagt die Gastronomin.

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