merken
Freischalten Pirna

Graupaer Kirche ist verstummt

Der Glockenstuhl muss erneuert werden. Aber das ist nicht die einzige Baumaßnahme an dem alten Gebäude.

Jetzt bloß nicht fallen lassen! Falk Wißmach von der Werkstatt für Glocken-Läutanlagen
hängt die Glocken der Kirche in Graupa aus.
Jetzt bloß nicht fallen lassen! Falk Wißmach von der Werkstatt für Glocken-Läutanlagen hängt die Glocken der Kirche in Graupa aus. © Steffen Unger

In Graupa ist es stiller geworden. Die Glocken der Kirche an der Lindenallee wurden am Mittwochmorgen ausgehängt. Der Glockenstuhl muss saniert werden. Bei der feierlichen  Aushängung stellte Pfarrer Burkhard Nitzsche fest, dass das schweigende  Geläut gewiss manchem in dem Dorf fehlen wird. Rund 30 Gäste waren bei der Abnahme anwesend.

Überhaupt gleicht die Kirche derzeit eher einer großen Baustelle. Das Gebäude ist gut eingerüstet. Arbeiter haben die alte Dachdeckung auf dem Hauptdach bereits entfernt, Unterspanfolie verlegt und das Hauptdach komplett mit einer Lattung versehen.

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Die Kirchgemeinde Graupa-Liebethal hat sich für eine Komplettsanierung des Daches der Graupaer Kirche entschieden. Hintergrund: Das Gotteshaus wurde vor gut 100 Jahren errichtet und damals mit Biberschwanzziegeln gedeckt. Das bedeutet, die Ziegel  haben ihre Lebensdauer überschritten. "Es ist ein Wunder, dass das Dach überhaupt so lange gehalten hat", erklärt Nitzsche. Vielleicht ja auch nur deshalb, weil zwischendurch immer wieder einzelne Notreparaturen ausgeführt worden sind. Mit der Flickerei ist jetzt Schluss. 

Bei der neuen Deckung greifen die Fachleute wieder auf das bekannte Material, nämlich auf Biberschwanzziegel zurück. "Wir hatten keine Wahl. Das schreibt uns die Denkmalbehörde vor", so Nitzsche. Allerdings sei die Qualität der heute gefertigten Ziegel wesentlich hochwertiger als noch vor 100 Jahren. Erneuert werden u.a. auch die Taufsteinverkleidungen. Und die Vogelwelt darf sich freuen, denn vorgesehen sind ebenfalls Nistquartiere für Sperlinge.

Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wird die Baumaßnahme im Dezember/Januar abgeschlossen. Eine Dacherneuerung im Winter? Nitzsche ist sich durchaus bewusst, dass der Zeitpunkt nicht unbedingt optimal ist. Schuld an dem relativ späten Beginn der Baumaßnahme ist die Fledermaus. Konkret handelt es sich um die Arten Graues Langohr sowie Großes Mausohr, die unter dem Graupaer Kirchendach ihr Sommerquartier haben, weshalb sie in dieser Zeit nicht gestört werden dürfen. "Deshalb mussten wir auch ein Fledermausfachkonzept erstellen lassen und haben eine ökologische Baubegleitung", berichtet der Theologe. Auch für die fliegenden Säugetiere werden im Zuge der Dacherneuerung zusätzliche Nisthilfen angebracht. Der Gottesdienst ist von den Arbeiten nicht betroffen. Die Feiern finden auch während der Bauphase wie üblich statt.

Aus der Portokasse ist das Unternehmen natürlich nicht zu finanzieren. Insgesamt werden 454.000 Euro investiert. Fördergelder in Höhe von 125.000 Euro kommen über das Leader-Programm rein. Die Restsumme wird aus Mitteln der Landeskirche sowie aus Eigenmitteln der Kirchgemeinde gestemmt.

Insgesamt drei Glocken mussten für die Sanierung des Glockenstuhls in Graupa ausgehängt werden.
Insgesamt drei Glocken mussten für die Sanierung des Glockenstuhls in Graupa ausgehängt werden. © Steffen Unger

Neuer Glockenstuhl aus Holz

Bei der genaueren Vorab-Untersuchung des Kirchendaches stießen die Fachleute allerdings auf ein zweites Problem. Der Glockenstuhl aus Stahl ist im unteren Bereich stark angerostet. "Wenn wir hier nicht handeln, müsste unser Geläut verstummen", beschreibt Burkhard Nitzsche die brisante Lage. Auch bei dieser Baustelle ist eine komplette Erneuerung geplant. Der alte Stuhl wird demontiert und ein neuer aus Holz eingebaut. "Holz eignet sich besser vom Schwingverhalten als Stahl", erläutert der Pfarrer die Material-Wahl. Die Arbeiten am Glockenstuhl dauern voraussichtlich von Oktober 2020 bis Sommer 2021. In dieser Zeit muss die Kirchgemeinde auf das Geläut verzichten.

Die jetzigen drei Glocken stammen aus dem Jahr 1956/57. Sie bleiben erhalten, bekommen aber jeweils einen neuen Klöppel. "Die Glocken lassen wir aus Respekt vor unseren Vätern und Müttern, die in den 50er-Jahren das Geld dafür gesammelt haben, obwohl es eine wirtschaftlich schwierige Lage war", berichtet Nitzsche.

Und auch diesmal wird wieder gesammelt. Insgesamt kostet der neue Glockenstuhl 46.000 Euro. 20.000 Euro wurden bei der Landeskirche beantragt, 15.000 Euro wird aus den Rücklagen der Gemeinde genommen. Spenden in Höhe von gut 10.000 Euro sind bereits eingegangen. Folglich steht die Finanzierung. Da das gesamte Projekt auf großes Interesse stößt, informiert die Kirchgemeinde regelmäßig auf ihrer Internetseite über den aktuellen Spendenstand und das gesamte Vorhaben. Interessierte, die weniger netz-affin sind, können sich im hinteren Kircheninnenraum über den Baufortschritt informieren. "Dort berichten wir in Wort und Bild", so Nitzsche.

Liebevoll schaut Pfarrer Nitzsche auf die Graupaer Kirche. Die Instandsetzungsmaßnahmen machen viel Mühe. Glücklicherweise muss er nicht alles allein stemmen. Es wurde eine fünfköpfige Arbeitsgemeinschaft Kirchendach gegründet. "Somit verteilen wir die Arbeit, wie es in einer guten Gemeinde eben auch funktionieren soll", sagt Nitzsche.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna