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Pirna: Entsetzen nach Hetze im Netz

Ein 16-Jähriger von der Bewegung Fridays for Future lässt sich durch zynische Facebook-Kommentare nicht einschüchtern. Im Gegenteil.

Junge Menschen engagieren sich auch in Pirna für Klimagerechtigkeit. Im Netz wurde die Bewegung Fridays for Future hämisch angegriffen.
Junge Menschen engagieren sich auch in Pirna für Klimagerechtigkeit. Im Netz wurde die Bewegung Fridays for Future hämisch angegriffen. ©  Symbolfoto: dpa

Beschämend und erschütternd. Nach der Veröffentlichung des Artikels über den jungen Pirnaer Klimaaktivisten Elias Bistry auf Sächsische.de wurde dieser auf Facebook auf zynische Weise beschimpft. Der junge Mann wurde auf entwürdigende Weise Opfer von Spott und Häme.

Sächsische.de selber ist entsetzt über diese unsägliche Kommentarwelle und distanziert sich ausdrücklich von der Hetze im Internet. Auf der Facebook-Seite wurden deshalb mehrere Einträge gelöscht und erneut auf den Verhaltenskodex hingewiesen, der für ein respektvolles Miteinander wirbt. SZ-Regionalgeschäftsführer Domokos Szabó sagt dazu: "Man kann die Klimaaktivisten kritisieren und man kann völlig anderer Meinung sein. Wer aber Diskussion durch Pöbelei und Beleidigung ersetzt, disqualifiziert sich für jegliche Debatte."

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Auch Unterstützung für Klimaaktivisten auf Facebook

Nicht alle Facebook-User zeigen allerdings diese hässliche Fratze. Es gibt auch Unterstützung für die Klimaaktivisten von Fridays for Future, die bereits vor zwei Wochen zu einer Demonstration in Pirna aufriefen. So schreibt beispielsweise Katja Heg-Wied: "Es ist tatsächlich erschreckend, wie viele Menschen sich anmaßen, hier über Jugendliche zu urteilen. Wie könnt ihr alle generalisierend über einen Kamm scheren und eigentlich überhaupt keinen Kontakt zu Kindern haben? Hohle Phrasen, gespickt mit schlechter Ausdrucksweise. Es ist zum Schämen."

Ähnlich denkt offensichtlich Nutzer Mario Kühner "Super! Respekt vor dem Mut derjenigen, die in dieser Umgebung diesen Schritt wagen. Ich wünsche den Mitstreitern viel Kraft und Durchhaltevermögen", spornt er die Klimaaktivisten an. Dem schließt sich Nutzer No Emi in seinem Facebook-Kommentar an. Er findet es beachtlich, dass sich junge Menschen engagieren, ihre Freizeit damit zu verbringen, sich für eine bessere Zukunft einzusetzen und der Wissenschaft Gehör zu verschaffen. "Macht weiter so", fordert er die Jugendlichen unmissverständlich auf.

Starker Rückhalt vom Pirnaer Gymnasium

Unterdessen hat auch die Schule von Elias Bistry von den Hasskommentaren auf Facebook erfahren. Kristian Raum, Leiter des Pirnaer Schillergymnasiums, äußert sich entsetzt. "Man mag über das Thema Klimaschutz in einer demokratischen Gesellschaft offen debattieren dürfen, allerdings werden Grenzen überschritten, wenn Schüler meines Gymnasiums öffentlich beleidigt und herabgesetzt werden", sagt er gegenüber Sächsische.de und fügt hinzu: "Als Pirnaer Schulleiter ist es mir besonders wichtig, den Gedanken einer humanistischen Bildung für die demokratische Gesellschaft von morgen an unsere Schüler, aber auch nach außen zu vermitteln. Dazu gehört es, unsere Schüler zu mündigen Staatsbürgern zu erziehen und gemeinsam mit ihnen den offenen Diskurs einzuüben. Jede Meinung wird an unserer Schule gehört, wobei die Regeln des menschlichen Anstands und gegenseitigen Respekts unverrückbare Basis sind. Insofern bin ich schockiert über die Anfeindungen, die unser Schüler Elias auf der Facebook-Seite der SZ erleben musste." Er und seine Kollegen stehen hinter dem Mut des 16-Jährigen und bieten ihm unter anderem Gespräche an.

Die Diffamierung im Netz lässt Politiker im Landkreis ebenso wenig kalt. "Es ist unerträglich, wie hier mit einem jungen Mann umgegangen wird, der sich mit gutem Willen in der Sache engagiert", sagt Peter Darmstadt, Pressesprecher des CDU-Kreisverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Man müsse die Meinung des Aktivisten nicht teilen, aber der Anstand gebiete es, diese Meinung zu respektieren. "Und wer hier in unflätiger Weise über den Mann herzieht, hat den Anstand verloren", so Darmstadt weiter.

Der Polizeidirektion Dresden ist das Thema Hasskommentare im Netz, auch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, nicht unbekannt. Generell stellt Polizeisprecher Stefan Grohme dazu fest: "Beleidigungen und Bedrohungen sind im Internet ebenso strafbar, wie im realen Leben, und können von dem Betroffenen zur Anzeige gebracht werden."

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Und wie geht der Hauptbetroffene mit den zynischen Kommentaren im Netz um? Er lässt sich nicht beirren. "Es ist traurig, wie viele Menschen versuchen, die Fakten zu leugnen, die von der Wissenschaft bestätigt sind", sagt er in ruhigem Ton und meint damit den Klimawandel. Persönlich fühlt er sich nicht angegriffen, vielmehr angespornt, weiterzumachen und für Klimagerechtigkeit zu kämpfen. "Die Bemerkungen zeigen doch ganz klar, dass viele noch nicht begriffen haben, worum es geht. Wir müssen weitermachen, und das werden wir definitiv."

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