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Pirna: Hotel-Pläne für den Schwarzen Adler liegen auf Eis

Die verfallene Substanz sollte als Nobel-Herberge wieder aufleben. Doch nun pausiert das Vorhaben vorerst - vor allem aus einem Grund.

Neuer Entwurf für den Schwarzen Adler in Pirna: ein Hotelkomplex vom Dohnaischen Platz bis zum Scheunenhofcenter.
Neuer Entwurf für den Schwarzen Adler in Pirna: ein Hotelkomplex vom Dohnaischen Platz bis zum Scheunenhofcenter. © SEP

Mit dem Glanz vergangener Zeiten ist es am Hotel "Schwarzer Adler" in Pirna längst vorbei. Das Haus, 1744 erstmals unter diesem Namen erwähnt, war einmal die Vorzeige-Herberge am früheren Königsplatz, der heute Dohnaischer Platz heißt.

Lange Zeit blieb das so, ehe Ende des vergangenen Jahrhunderts endgültig der Niedergang einsetzte. Von 1971 an betrieb der HO-Gaststättenverband Sächsische Schweiz/Pirna/Sebnitz das Haus, 1990 ging es in den Besitz der Treuhand über, danach wechselten die Eigentümer mehrfach.

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Inzwischen wird das Haus schon seit über 15 Jahren nicht mehr als Gaststätte und Hotel genutzt. Das Projekt für preiswertes "Junges Wohnen" fand 2014 sein Ende. Das letzte verbliebene Geschäft, ein Textil- und Blumenladen, zog im September 2020 aus dem Objekt aus.

Die gesamte Bausubstanz hatte da schon mächtig gelitten. Viele Holzteile sind vom Hausschwamm befallen, über dem historischen Saal sind Teile der Decke heruntergebrochen, einige Teile des Gemäuers sind akut einsturzgefährdet.

Doch im späten Frühjahr dieses Jahres keimte Hoffnung auf eine baldige Rettung.

Investoren zeigen Interesse

Die Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP) hatte den einstigen Hotelkomplex 2020 erworben, um dem Objekt seine historische Funktion zurückzugeben und an dieser Stelle wieder ein Hotel entstehen zu lassen. Ein potenzieller Bauherr war auch schon gefunden.

Eine sächsische Investorengruppe hatte sich von sich aus bei der SEP gemeldet und Interesse daran bekundet, den Schwarzen Adler als Hotel im gehobenen Preissegment mit etwa 100 Betten wiederzubeleben.

Der Kaufvertrag sollte möglichst noch im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden, damit stand ein möglicher Baustart im kommenden Jahr in Aussicht.

Doch daraus wird nun so schnell nichts.

Verfallener Ballsaal im Schwarzen Adler: Teil der Bausubstanz sind akut einsturzgefährdet.
Verfallener Ballsaal im Schwarzen Adler: Teil der Bausubstanz sind akut einsturzgefährdet. © Daniel Schäfer

Kaum Chancen auf einen Kredit

Die Pläne für den Hotel-Neubau liegen vorerst auf Eis. "Es hat im Moment keinen Sinn", sagt SEP-Geschäftsführer Christian Flörke, "das Vorhaben zu forcieren."

Zwar trafen sich die potenziellen Investoren, SEP und Architekt im Juni noch zu einer Feinabstimmung, ein Vertrag kam aber zunächst nicht zustande. Das gesamte Projekt scheitert einstweilen an der Finanzierung.

Nach Aussage von Flörke sei derzeit seitens vieler Banken eine große Zurückhaltung zu spüren. Wegen der Corona-Pandemie und ihrer immer noch ungewissen wirtschaftlichen Folgen, so der SEP-Chef, würden die Geldhäuser momentan kaum noch Kredite für Projekte im Bereich Gastronomie/Hotellerie vergeben. Auch im Fall des Schwarzen Adler war für die Investoren zunächst kein Darlehen zu bekommen.

Daher pausiert das Vorhaben nun vorübergehend bis Mitte 2022, so ist es mit den Interessenten vereinbart. Dabei klang das Projekt sehr vielversprechend - und wäre für Pirna auch nötig.

In Pirna fehlen Hotelbetten

Eine von der SEP in Auftrag gegebene Studie hatte bereits 2016 attestiert, dass es in der Stadt einen großen Bedarf an Hotelbetten im Vier-Sterne-Bereich gibt. Und weil inzwischen der Inlandsurlaub wegen Corona eine Renaissance erlebt, sind weitere Hotelbetten in der Stadt ohnehin mehr als nötig.

Bei der Suche, wo solche zusätzlichen Kapazitäten entstehen könnten, geriet schnell der Schwarze Adler in den Fokus der Stadtentwickler.

Um zu prüfen, ob die Substanz überhaupt für einen Wiederaufbau taugt, ließ die SEP das Objekt bereits eingehend untersuchen und begutachten, sämtliche Detail besprach man auch mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

Das Ergebnis: Ein Hotel an dieser Stelle kann grundsätzlich wieder aufleben - auch wenn der damit verbundene Aufwand beträchtlich ist.

Eine gewaltige Investition

Für erste Planungsideen beauftragte die SEP eine Machbarkeitsstudie - eine weitere Voraussetzung dafür, den Schwarzen Adler als Hotelkomplex zu entwickeln und Investoren für das Projekt zu finden.

Die ersten Entwürfe des Pirnaer Architekturbüros "Seidel Architekten" sahen einen großen Hotelkomplex vor, der den Schwarzen Adler selbst sowie die angrenzenden Grundstücke bis zur Robert-Koch-Straße umfasst.

Auf dem Dach war eine Sky-Bar mit Blick auf die Stadt geplant, unter dem Gebäude eine große Tiefgarage. Geschätzte Baukosten: 28 bis 36 Millionen Euro.

Für die künftigen Bauherren gab es im Vorfeld seitens der SEP einige Vorgaben. So soll der Komplex vorrangig als Hotel und für Gastronomie genutzt werden, mindestens 100 Hotelbetten sollte es geben.

Weil das Objekt unter Denkmalschutz steht, muss die Nordfassade erhalten werden. Der Rest kann jedoch abgerissen und von Grund auf neu errichtet werden, der Saal nach historischem Vorbild. Aber all das muss jetzt vorläufig warten.

Drei-Punkte-Plan bis Mitte 2022

Doch gänzlich ruhen wird das Projekt jetzt nicht. Es gibt einen Drei-Punkte-Plan, um die Zeit bis Mitte kommenden Jahres zu nutzen.

Erstens will die SEP bis dahin die Nachbargrundstücke des Schwarzen Adler vertraglich an sich binden, die der künftige Investor für eine spätere Bebauung benötigt.

Zweitens wird Architekt Uwe Seidel die Vorplanung weiter vorantreiben, vor allem mit der Maßgabe, die Bettenzahl des künftigen Hotels zu erhöhen. "Die ursprünglich 50 Doppelzimmer waren etwas knapp bemessen, das haben auch die Banken angemerkt", sagt Flörke.

Drittens wird jetzt noch einmal das Hotelbedarf-Gutachten vertieft. Damit soll erneut ergründet werden, wie viele Betten in welcher Kategorie in Pirna fehlen. Bescheinigt die Studie erneut einen Mangel, wäre das wiederum von Vorteil, doch einen Kredit für den Hotel-Neubau zu bekommen.

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Und noch ein positives Signal: Die Periode für das Förderprogramm "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) wurde jetzt bis 2027 verlängert. So besteht für die potenziellen Investoren die Chance, Zuschüsse daraus zu erhalten.

"Generell hoffen wir sehr, dass das Thema Corona Mitte 2022 endgültig durch ist", sagt Flörke, "und das Hotel-Projekt dann finanziert und realisiert werden kann."

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