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Kultur vorm Zwangs-Aus

Gerade war so etwas wie Normalität eingetreten. Nun gehen die Lichter in den Kultur- und Freizeitstätten wieder aus. Für immer?

Sind ab Montag wieder allein in ihrem Dohnaer Kulturcafe - und das in dessen zehntem Jahr: Kathleen und Christoph Mitschke.
Sind ab Montag wieder allein in ihrem Dohnaer Kulturcafe - und das in dessen zehntem Jahr: Kathleen und Christoph Mitschke. © Daniel Schäfer

Von null auf 50 Prozent und nun wieder auf null: Die Kultur und viele Freizeitangebote  hatten sich gerade aufgerappelt, da schließen ab Montag wieder die Türen. Noch geben sich viele kämpferisch, doch die Befürchtung ist groß, danach könnten manche Türen nicht wieder öffnen. 

Erst 120 Prozent, dann Winterschlaf

Das Dohnaer Kulturcafé hatte in den vergangenen Wochen wieder Veranstaltungen mit weniger Gästen als sonst durchgeführt. Sie wurden gut angenommen, sagen Kathleen und Christoph Mitschke. Die Leute brauchen Kultur, und die Kultur braucht die Leute. Neben drei Veranstaltungen am Freitag- und Sonnabendabend sowie Sonntagnachmittag gibt es für Sonntagabend noch eine Anfrage eines Stammgastes. "Sein Lieblingsmusiker ist gerade in der Nähe und der würde gern noch mal vor seinen Fans spielen", sagt Kathleen Mitschke. Ob etwas draus wird, ist jedoch noch offen. "Ich finde das aber ganz lieb von unseren Gästen, sie denken an uns und helfen." Kathleen Mitschke wird bei den vorerst letzten drei bzw. vier Veranstaltungen noch einmal 120 Prozent geben. "Und dann mache ich Winterschlaf", fügt sie ironisch hinzu. 

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Winterparkfest statt Musiknacht in Gottleuba

Bad Gottleuba-Berggießhübel hatte bis zuletzt an ihrer Musiknacht im November festgehalten. Doch nun muss Christian Helm sie absagen und hat schon einen neuen Termin, ohne zu wissen, was wird. Er will damit einerseits Optimismus verbreiten, andererseits lautet das Motto bei allen Veranstaltungen "verschieben und erhalten". Damit soll auch der Aufwand für alle reduziert werden. Denn was sonst noch zu allem Übel dazu kommt, sei "viel Aufwand für Papier". Trotzdem gibt es manche Absage, zum Beispiel von den Stadtwerken Pirna, die eine musikalische Schifffahrt gebucht hatten. 

Was mit den Mettenschichten im Berggießhübler Besucherbergwerk wird, werde noch entschieden, sagt Helm. Die Frage werde sein, welche Auflagen es gibt und wie sie umsetzbar sind. Dabei spielt am Ende auch immer die Frage der Wirtschaftlichkeit eine Rolle. Wenn es mit dem Ersatz von 75 Prozent des finanziellen Ausfalls, so wie von der Bundesregierung angekündigt, klappt, sei es zu schaffen, sagt Helm. Zu schaffen, um zu überleben. Und davon geht Helm aus. Der Kulturverein und die Kurgesellschaft planen für den 30. Januar ein Winterparkfest im Kurpark Gottleuba.

Tucholsky macht im Q24 das Licht aus

Zehn zum Teil schon recht gebuchte Veranstaltungen im November in Pirnas Kleinkunstbühne sind nun Geschichte, ohne dass sie stattgefunden haben. Licht-aus-macher-Abend ist am Freitag mit einem Tucholsky-Programm, sagt Petra Schneider vom Betreiber-Verein. Er hatte bisher Glück im Unglück. Zwar waren im März und April auch Veranstaltungen ausgefallen, doch dann war man sowieso in der Sommerpause. Im September war langsam, aber mit guter Resonanz für das Machbare wieder gestartet worden. Eine Prognose für die nächsten Monate ist schwer zu geben. 

Konzert in Neustadt verschoben

Einige Veranstalter haben sich offenbar entschieden, auch schon für das Wochenende  angekündigte Veranstaltungen zu canceln. Darunter ein Konzert in der Neustädter Sankt-Jacobi-Kirche. 

Ganz traurig: Tenor Björn Casapietra.
Ganz traurig: Tenor Björn Casapietra. © Björn Casapietra

Der Tenor Björn Casapietra hatte sich so auf sein Konzert am 31. Oktober in der Sankt-Jacobi-Kirche in Neustadt gefreut. Theoretisch hätte er auch noch auftreten können, da die neuen Regeln erst ab Montag gelten. Aber aufgrund steigender Infektionszahlen hatte sich der Kirchenvorstand entschieden, dass Konzert zu verschieben. "Ich hätte das so gerne gesungen. Ein letztes Konzert bevor alles wieder dunkel wird. Aber nicht mal das ist mir vergönnt. Es bricht mir das Herz, das Konzert erneut verschieben zu müssen", sagte er gegenüber Sächsiche.de. Schon der erste Anlauf am 9. Mai musste coronabedingt abgesagt werden. Aber die Gesundheit seines Publikums sei ihm heilig. Der neue Termin steht bereits fest. Das Konzert soll am 11. Juni 2021 stattfinden. "Ich werde dieses Konzert in Neustadt singen und wenn es das Letzte ist was ich tue", sagt er.

Indoor-Saison ist gelaufen

Tina Meinert, die Sebnitzer Stadtmarketingleiterin, sieht die Situation pragmatisch. "Gerade jetzt, wenn das schlechte Wetter beginnt und unsere Indoor-Bereiche gefragt sind, müssen wir schließen. Das ist natürlich ein Verlust", sagt sie. Die letzten Monate seien entsprechend den geltenden Regelungen gut gelaufen. Gerade das Kräutervitalbad und das Solivital mit dem Tobeland hätten auch weitere starke Monate gebraucht. "Die Seidenblumenmanufaktur war ebenfalls gut besucht, weil ja auch wieder Busreisen möglich waren", sagt sie. Einzig der Laden darf weiter öffnen. Aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns heraus wurde das Online-Geschäft angekurbelt. Das könnte auch jetzt wieder wenigstens einen kleinen Teil abfangen.

Kerstin Schade von der Schaumanufaktur wollte nach der coronabedingten Schließung den Gästen mit diesem ländlichen Idyll ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Jetzt muss die Manufaktur wieder schließen. Das Ladengeschäft ist aber weiter geöffnet.
Kerstin Schade von der Schaumanufaktur wollte nach der coronabedingten Schließung den Gästen mit diesem ländlichen Idyll ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Jetzt muss die Manufaktur wieder schließen. Das Ladengeschäft ist aber weiter geöffnet. © Steffen Unger

Ankündigung statt Absage

Während alle absagen müssen, kündigen die Organisatoren vom Heidenauer Citylauf etwas an: Den Termin für den dritten Lauf. Im Frühjahr war auch er Corona zum Opfer gefallen, nun soll er am 9. April 2021 stattfinden. 

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