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Multimediale Ode an die Freiheit in Graupa

Die Richard-Wagner-Spiele am Jagdschloss widmen sich Schiller und seinem Gedicht „An die Freude“. Mit einigen Überraschungen.

Der Dresdner Schauspieler Johannes Gärtner bei seinem Auftritt in Graupa vor zwei Jahren. 2020 sind die Wagner-Spiele ausgefallen.
Der Dresdner Schauspieler Johannes Gärtner bei seinem Auftritt in Graupa vor zwei Jahren. 2020 sind die Wagner-Spiele ausgefallen. © (C) 2019 Thomas Morgenroth, all

Im Sommer 1785 verfasste Friedrich Schiller sein berühmtestes Gedicht, die Ode „An die Freude“. Der Dichter hatte es seinem Dresdner Bewunderer und Mäzen Gottfried Körner als poetische Freundschaftserklärung zugedacht. Die erste Fassung schrieb Schiller in einem umgebauten Bauernhaus, dem heutigen Schillerhaus in Gohlis, einem Dorf nahe Leipzig. Körner lud den 25-jährigen flüchtigen Militärarzt schließlich nach Dresden ein und bot ihm ein Sommerhaus am Elbhang in Loschwitz als Dichterrefugium an. Schiller bezog es im September 1785.

In den folgenden beiden Sommern arbeitete Schiller, der sich finanziell in misslicher Lage befand und sich auch noch unglücklich verliebte, in Dresden und Tharandt unter anderem am „Don Carlos“, dem dramatischen Gedicht, das in der Forderung nach Gedankenfreiheit gipfelt, und an seiner Ode „An die Freude“. Körner war 1786 der Erste, der diese Hymne an die Freiheit vertonte, wenigstens hundert Komponisten folgten ihm bis heute nach, darunter berühmte wie Tschaikowski oder Johann Strauss (Sohn). Ludwig van Beethovens Version von 1824 als Teil seiner Neunten Symphonie ist die berühmteste. Sie ist heute die Hymne der Europäischen Union.

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Unbekannte Vertonungen

„Anlass genug, sich dem Thema intensiver zu widmen, gerade in diesen Zeiten“, sagt der Dresdner Schauspieler, Autor und Regisseur Johannes Gärtner. Unter dem Titel „Freiheit – schöner Götterfunken“ lädt er an drei Tagen zu einer multimedialen Ode an die Freiheit ans Jagdschloss nach Graupa ein, zu den diesjährigen Richard-Wagner-Spielen. Seit 2013 erlebt dort das Publikum außergewöhnlich inszeniertes Musiktheater als Reise in den romantischen und klassischen Kunstkosmos.

Nach dem Auftakt mit „Wagners Welt: Dresden“, einer großartigen und opulenten Inszenierung mit Orchester und Chor, dem Monolog „Wagner und Beethoven“, „Wagners Welt: Exil“ oder „Ein Stück vom Himmel“, dem fiktiven Aufeinandertreffen Wagners mit dem Maler Caspar David Friedrich, nimmt sich Gärtner nun Schiller vor. Zwar war der lange tot, als Wagner sich auf den Weg zum bedeutendsten Musikdramatiker des 19. Jahrhunderts machte, der Dichter aber gehörte zu seinen Vorbildern: „Wenn ich nur so schreiben könnte wie Schiller“, soll er gesagt haben.

Das Programm versammelt Texte, Lieder, Musiken und Bilder von Schiller, Körner und anderen Künstlern jener Zeit. Als musikalisches Echo erklingen neben Beethovens neun weitgehend unbekannte Vertonungen der Ode „An die Freude“ und weitere Kompositionen zu Schillers Texten, unter anderem neu aufgelegte Werke des Dresdner Hofkomponisten Johann Gottlieb Naumann. Gärtner erinnert zudem an einen humorvollen Schiller, der die ersten Comics der Literaturgeschichte zeichnete und über die Loschwitzer Waschweiber rappte. Neben Gärtner, der rezitiert und für die Projektionen zuständig ist, wirken vier Sängerinnen und Sänger, ein Streichquartett und ein Pianist mit.

„Freiheit – schöner Götterfunken“ ist kein neues Projekt. Gärtners Unternehmung Cerca Dio durfte damit im vergangenen Jahr auf Einladung der deutschen Botschaft im Palais Wallenstein in Prag die deutsche Ratspräsidentschaft der EU eröffnen. Für Gärtner ein Ritterschlag: „Das hatte es nie zuvor gegeben, dass dort Theater mit deutschen Texten gespielt wird.“

Keine Förderung durch die Stadt

Den Pirnaer Stadtrat ließ das unbeeindruckt. „Eine Förderung in diesem Jahr wurde abgelehnt“, sagt Gärtner. Zum ersten Mal gibt die Stadt, die das Projekt bisher mit 2.500 bis 25.000 Euro bezuschusste, kein Geld für die Wagner-Spiele, die 2020 wegen der staatlichen Restriktionen ausfallen mussten. Gärtner lobt indes die Unterstützung durch die Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna. Zuschüsse erhält er vor allem vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und der Euroregion Elbe-Labe. Das passt zum Freiheitsgedanken, den Schiller mit seiner Ode in alle Welt trug.

8. Richard-Wagner-Spiele am Jagdschloss Graupa, 8., 9. und 10. Juli, jeweils 19.30 Uhr, am 8. Juli, 18.30 Uhr, Wagner-Salon mit dem Grünen-Politiker Gerald Häfner; Kartenverkauf ausschließlich an der Abendkasse zu 20, ermäßigt 15 Euro; Bestellung unter Telefon 03501 4619650 oder E-Mail wagnerstä[email protected]pirna.de

https://www.richard-wagner-spiele.de/

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