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Ärger mit dem Abfallkalender

Wer auf Mülltrennung achtet, braucht den Kalender. Doch mit dem könnte es im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge künftig schwierig werden.

Der SZ-Screenshot zeigt die Internetseite des Abfallzweckverbandes Oberes Elbtal (ZAOE).
Der SZ-Screenshot zeigt die Internetseite des Abfallzweckverbandes Oberes Elbtal (ZAOE). © Screenshot SZ

Einmal im Jahr ist er in allen Briefkästen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gelandet, der Abfallkalender. Doch damit ist Schluss. Den Kalender gibt es nur noch digital oder man kann ihn gedruckter Form in den Rathäusern, Gemeindeämtern oder sonstigen Bürgerbüros abholen. Diese Nachricht des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE) sorgt für Entrüstung im Landkreis. 

Gleich mehrere Anrufe und E-Mails erreichten Saechsische.de, wie von Einwohnerin Heike Stoy.  "Hat man da auch an die vielen älteren Mitbewohner auch im ländlichen Raum gedacht, die weder einen Internetanschluss haben noch in der Lage sind, sich die Kalender abzuholen oder das telefonisch zu organisieren?", kritisiert die Leserin.  Heike Stoy aus Freital arbeitet täglich mit älteren Menschen und kann deshalb auch bestätigen, dass der Abfallkalender ganz besonders von diesen Menschen genutzt wird.  Eben diesen Menschen bleibt dann nichts anders übrig, als den Weg ins Rathaus auf sich zu nehmen oder in eine der anderen Ausgabestellen. Und das dürfte mit Bus und Bahn im ländlichen Raum dann tatsächlich ein Problem werden. 

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Aber auch die Abholstellen könnten überfordert sein. Erste Signale gab es bereits aus dem Rathaus in der Burgstadt Hohnstein. 1.700 Abfallkalender sollen dorthin geliefert werden. Wie die Verteilung dann funktionieren soll, kann sich Bürgermeister Daniel Brade (SPD) nicht so recht vorstellen. Letztlich würde das bedeuten, dass 1.700 Hohnsteiner vor dem Rathaus stehen. Das logistische Problem ist die eine Seite. Die andere ist, dass nicht alle älteren Menschen über einen Internetanschluss verfügen. Sie haben auch nicht alle ein Smarthphone, so wie Regina Wiegert aus Pirna. "Ich verfüge nur über einen Festnetzanschluss. Da kann ich den Abfallkalender wohl kaum abrufen", beschwert sie sich. 

Abfallkalender als Dekoration?

Der Zweckverband Abfallwirtschaft nennt verschiedene Gründe für die Entscheidung, den Abfallkalender nicht mehr jedem Haushalt zukommen zu lassen. "Wir wissen, dass zahlreiche Bürgerinnen und Bürger den gedruckten Abfallkalender sich nicht nur wegen der Funktion in der Wohnung aufhängen, sondern auch wegen der grafischen Gestaltung als dekoratives Element", sagt Olaf Müller vom Zweckverband.  Die Kosten für die Verteilung wie bisher hätten jedoch in den vergangenen Jahren zwischen 50.000 und 100.000 Euro gelegen, je nach Dienstleister, der die Abfallkalender verteilt hat. Mit der Umstellung erwarte man eine Kosteneinsparung. Und man geht davon aus, dass sich mittelfristig auch die Auflage verringern werde. Schon deshalb, weil sich nur derjenige eine gedruckten Abfallkalender holen werde, der ihn unbedingt benötigte. Aber es könnte einen anderen Effekt geben: Wem der Weg zu weit ist, holt sich keinen Kalender mehr. Sollen damit etwa zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden?

Aber es gibt auch andere Meinungen. "Wir werden ebenso häufig mit Argumenten zur Abschaffung der gedruckten Exemplare aus Umwelt- und Ressourcenschutzgedanken konfrontiert", sagt Olaf Müller. Und klarstellen wolle er auch, dass die Entscheidung zur Abholung der Abfallkalender in öffentlichen Ausgabestellen keine Einzelentscheidung der Geschäftsstelle des ZAOE ist. Diese Verfahrensweise wurde vielmehr durch die Verbandsversammlung in der Sitzung am 16. Juni dieses Jahres beschlossen. Vorausgegangen seien intensive Diskussionen auch mit den Städten und Gemeinden. Eine überwiegende Mehrheit der Städte und Gemeinden habe keine Bedenken bezüglich der Umsetzung der beabsichtigen Verteilung geäußert.

Ob sich das neue Verfahren künftig auch auf günstigere Abfallgebühren auswirken werde, darüber gibt es noch keine Aussage. Zumindest aber bei den Verbrauchern bleibt die Kritik, wie bei Heike Stoy. "Es ist für mich unverständlich, dass „Berge“ von Werbung gedruckt und direkt an die Haushalte verteilt werden, welche zum Teil direkt in der Papiertonne landen und solch ein wichtiger und nützlicher Kalender nicht!", sagt sie.

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