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Polizistin soll Hund misshandelt haben

Weil sie einen Hund mehrfach heftig geschlagen haben soll, sollten eine Ausbilderin und ihr Kollege Bußgelder zahlen. Beide legten Einspruch ein.

Symbolfoto.
Symbolfoto. © Sonja Wurtscheid/dpa

Von Friederike Hohmann

Drei Bauarbeiter saßen in ihrer Mittagspause Mitte Dezember 2018 im Baucontainer, der für den Bau der Gottleubatalbrücke in der Rottwerndorfer Straße in Pirna aufgestellt worden war. Durchs Fenster beobachteten sie sehr interessiert, was sich gerade auf dem Hundeübungsplatz nebenan abspielte. Einer von ihnen, der Chef, treibt selbst seit 25 Jahren Hundesport.

Er erklärte seinen Kollegen, dass der Hund, der dort gerade ausgebildet wurde, schussfest gemacht werden soll. Und ihm gefiel nicht, was er da sah: Eine Frau führte den Hund neben sich her und in bestimmten Abständen gab ein weiterer Ausbilder einen Schuss aus einer Schreckschusspistole ab. Der Hund zuckte jedes Mal zusammen und wurde dann von der Hundeführerin mit einem schwarzen Stock auf den Kopf geschlagen. Nachdem sich das mehrere Male wiederholt hatte, rastete die Frau aus und schlug dann mehrfach auf das Tier ein.

So erinnert sich der als Zeuge geladene 51-Jährige bei der nun angesetzten Verhandlung im Pirnaer Amtsgericht. Als er gesehen habe, wie die Situation eskaliert sei, habe er das Fenster des Containers aufgerissen und der Frau zugerufen, dass sie damit aufhören soll. Er sei dann zum Zaun gerannt und habe dort mit einem anderen Ausbilder diskutiert. Man müsse so mit den Hunden umgehen, da sie ansonsten weggespritzt werden müssen, habe der gesagt. Der auch als Zeuge geladene Ausbilder sagt aus, dass er sich an ein solches Gespräch nicht erinnern könne. Von den Vorgängen auf dem Platz habe er auch gar nichts mitbekommen.

Die beiden anderen Bauarbeiter hingegen erinnern sich ähnlich an den Vorfall wie ihr Chef. Sie beschreiben das Zusammenzucken des Hundes nach jedem Schuss und die darauffolgenden Schläge auf den Kopf. Auch erinnern sich beide daran, dass die Frau dann das Tier wütend mit einem schwarzen Stock verprügelt habe.

Die 42-jährige Bundespolizistin und ihr 47-jähriger Kollege hatten sich zuvor ganz anders an die Vorkommnisse erinnert. Den Hund mit dem Namen Stöpsel hätten sie aus einer speziellen Zucht erhalten. Der Hund sei eigentlich dafür konditioniert gewesen, aggressiv auf Schüsse zu reagieren. Mit der Erziehung zur Schussfestigkeit sollte nun das Gegenteil erreicht werden. Stöpsel sei aber kein einfacher Hund gewesen. Die Beamtin hatte ihn seit April 2018 in ihrer Betreuung. Im August hätte er sie einmal in den Bauch gebissen. Mit Stöpsel war sehr viel häufiger als üblich trainiert worden.

An diesem Tag hätte er sich bei den ersten Schüssen wie gewünscht verhalten. Dann sei er aber nervös geworden und habe geknurrt. Er habe sie angesprungen und sie habe ihn daraufhin mindestens zweimal auf den Kopf geschlagen, um ihn abzuwehren. Der Gummistab, den sie dazu verwendet habe, sei eigentlich ein Spielzeug. Er ist 23 Zentimeter lang und etwa besenstieldick. Den habe sie bei der Ausbildung immer in der Hosentasche. Inzwischen ist Stöpsel geprüfter Diensthund und lebt bei der Beamtin.

Die Beamten sagen, dass man heute - anders als früher, als Hunde häufig geprügelt wurden - mit Motivation, aber auch Zwang arbeite. Die Richtlinien für die Ausbildung der Diensthunde hätten sich sehr geändert. Da sie aber auch Anweisungen für die Ausbildung von Drogenspürhunden enthalten, seien sie geheim. Richter Jürgen Uhlig möchte sie aber trotzdem vorgelegt bekommen, um zu entscheiden, ob die ergangenen Bußgeldbescheide über 500 Euro für die Hundeführerin und über 300 Euro für den Ausbilder wegen Vergehen nach dem Tierschutzgesetz gerechtfertigt sind. Dabei können die geheimen Stellen geschwärzt werden. Dafür haben die beiden Betroffenen nun drei Wochen Zeit. 

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