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Corona-Verdacht: Frau will helfen und scheitert

Sind die Ärzte schon am Limit? Das erlebte eine Frau aus der Nähe von Pirna, die einem Bekannten helfen wollte.

Beim Versuch, einem Verwandten telefonisch medizinische Hilfe zu versorgen, verzweifelte Anke Werner fast und kam zu einer erschütternden Erkenntnis.
Beim Versuch, einem Verwandten telefonisch medizinische Hilfe zu versorgen, verzweifelte Anke Werner fast und kam zu einer erschütternden Erkenntnis. © Norbert Millauer

Anke Werner ist gelernte Kinderkrankenschwester. Die Röhrsdorferin weiß also viel, kennt sich aus, wenn es um Gesundheit geht. Das hat sie bei dem, was sie jetzt erlebte, umso nachdenklicher gemacht. 

In ihrer Familie zeigte jemand Symptome, die auf eine Corona-Erkrankung schließen ließen. Ohne Panik, sachlich wollte Anke Werner das klären und helfen. Der erste Schritt war der Covid-Guide auf der Internetseite der bundesweit geltenden Patienten-Servicenummer 116 117. Nachdem man im Internet einige Fragen beantwortet hat, gibt es eine Online-Einschätzung. Die lautete im Fall des Bekannten von Anke Werner: Medizinische Behandlung erforderlich. Noch behielt sie die Ruhe und die Nerven. 

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Zu viele Patienten und zu wenig Ärzte in der Corona-Krise

Nach längerer Wartezeit bei der bundesweiten Servicenummer 116 117 werden schließlich die Daten des Patienten aufgenommen und ein Rückruf durch einen Arzt versprochen. Der Anruf kommt recht schnell, der Arzt nicht. "Er sagte, viele Menschen haben derzeit die selben Probleme und ein anhaltender Infekt-Puls bis 160 Schläge pro Minute ist normal." Es reiche, am nächsten Morgen zum Arzt zu gehen. Anke Werner reichte es nicht. 

Sie rief wieder an. Wieder die gleichen Aussagen, Infekt-Puls haben jetzt viele. "Nur mit Nachdruck konnte ich auf die weiteren Symptome aufmerksam machen", sagt Anke Werner. Daraufhin erhielt sie zur Antwort: Wir haben zu viele Patienten und zu wenig Ärzte, da könne man nicht zu allen Patienten kommen.

Diese Aussage machte Anke Werner Angst. "Ist unser Gesundheitssystem schon am Limit?" Letztlich wurde ihr empfohlen, die 112 zu wählen. Die aber ist eigentlich lebensbedrohlichen Notfällen vorbehalten.

Wann welche Rufnummer wählen?

  • 112: Patienten in einer lebensbedrohlichen Notlage sollten die 112 anrufen oder eine Notaufnahme aufsuchen.
  • 116 117 ist die richtige Wahl bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden - etwa hohem Fieber, starken Bauchschmerzen oder Erbrechen.
  • Der Ärztenotdienst ist meist in den Nachtstunden von 19 bis 7 Uhr, an Wochenenden von Freitag 19 bis Montag 7 Uhr sowie an Feiertagen ganztägig besetzt. 
  • In Pirna ist der Notfalldienst über die Rettungsleitstelle  unter  03501 447944 erreichbar.

Schließlich hat der Rettungsdienst den Bekannten mit in die Klinik genommen. Der Verdacht auf Corona bestätigte sich nicht. Es wurde empfohlen, trotzdem dringend zum Hausarzt zu gehen.  Der aber lehnt trotz der weiter bestehenden akuten Beschwerden die Behandlung ab. Die Praxis fordert das schriftliche Negativ-Ergebnis des Kliniklabors. Das wiederum schickt das Ergebnis nur mit der Post. Es dauert also. Den Vorschlag einer telefonischen Klärung mit der Klinik lehnt die Praxis ab. Anke Werner hat daraufhin bei der Landesärztekammer eine Beschwerde gegen den Arzt eingereicht. 

"Kämpft für euch und haltet Abstand"

Nein, der Patient ist weder ein alter Mensch noch einer mit Vorerkrankungen, auch lebt er nicht in einem Heim. Es ist ein bisher völlig gesunder junger Mann, der nun glücklicherweise doch nicht an Corona erkrankt ist. Darum geht es Anke Werner am Ende auch nicht. Für sie war erschreckend, zu spüren, wie die Ärzte offenbar schon am Limit oder sogar darüber hinaus sind. Ihre Erfahrung macht für sie deutlich: "Helfen muss man sich also selber, deshalb kämpft für euch und eure Lieben und haltet Abstand." 

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