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Warum in Pirna ein Hospiz geplant ist

Den Weg des Sterbens gemeinsam gehen. Das machen Hospizhelfer seit 15 Jahren mit Kranken und Angehörigen. Nun gibt es einen neuen Verein mit einem großen Ziel.

Beim Sterben, dem Tod und Trauern nicht allein sein. Dafür sind Hospizhelfer da.
Beim Sterben, dem Tod und Trauern nicht allein sein. Dafür sind Hospizhelfer da. © dpa-Zentralbild

Der Tod hat viele Gesichter. Die meisten wollen sie nicht sehen, obwohl sie unseren Alltag begleiten. Nicht sehen, weil sie damit nicht umgehen können. Der Tod eines Menschen macht die eigene Endlichkeit bewusst. Das kann man ausblenden oder sich bewusst damit beschäftigen und das nicht erst, wenn man mit dem Tod konfrontiert ist. Diesen Weg im Leben zu gehen, das haben sich die Hospizhelfer und nun auch ein Verein in Pirna vorgenommen. 

Hospizdienste gibt es inzwischen mehrere, die Malteser und die Johanniter zum Beispiel sind in der Region aktiv. Der Dienst der Johanniter in der Region Dohna, Heidenau, Müglitztal und Osterzgebirge wurde vor 15 Jahren gegründet. Am Anfang waren es 21 Ehrenamtliche, die Sterbenden und ihren Angehörigen zur Seite standen. Heute sind es 35 Frauen und fünf Männer zwischen 30 und 75 Jahren, die von zwei hauptamtlichen Koordinatorinnen betreut werden. Eine davon ist Martina Crämer-Nann. Gemeinsam haben sie in den vergangenen 15 Jahren fast 500 Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. "Manche über mehrere Jahre, andere wiederum nur wenige Tage", sagt Martina Crämer-Nann. 

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Der Weg der Wegbereiter

"Das Wichtigste bei unserer Arbeit ist, dass Vertrauen aufgebaut werden kann zwischen dem Menschen, der sich am Ende des Lebens befindet und dem Begleitenden", sagt Martina Crämer-Nann. Dieses Vertrauen braucht es zwischen den Helfern und den Angehörigen, damit sie sich die Anwesenheit der Hospizhelfer entlastet fühlen und sich in dieser Zeit um eigene Dinge kümmern können. Das alles geschieht bisher im Zuhause der Kranken oder in Kranken- bzw. Pflegeheimen. Doch es gibt ein Haus, das zwar nicht mehr das Zuhause ist, aber auch kein Kranken- oder Pflegeheim. Es sind Hospize, in denen die Betreuung zu den Bewohnern passt. Sie wissen, dass sie sterben werden, doch Hospize machen ihr Leben bis zuletzt lebenswert. Ein solches Hospiz soll nun erstmals auch im Landkreis entstehen.

Dazu haben sich im Verein "Wegbereiter" Menschen wie Martina Crämer-Nann, die sich beruflich mit dem Thema beschäftigen, und andere Interessierte zusammengefunden. Sie alle haben ihre Erfahrungen mit dem Sterben und dem Tod gemacht, betreuen Kranke, heilen sie, sind Angehörige. Nach den ersten Informationen in der Öffentlichkeit haben sich weitere Personen gemeldet und wurde der Verein von mehreren Stellen angesprochen, sagt der stellvertretende Vorsitzende Matthias Janak. "Es ist ein Thema, das scheinbar doch viele Menschen interessiert."

Ein Haus mittendrin

Inzwischen gab es auch einen Termin beim Pirnaer Bürgermeister Klaus-Peter Hanke. Er unterstütze die Initiative und versprach seine Hilfe, auch bei der Suche nach einem geeigneten Objekt. „Der ständig wachsende Bedarf zeigt, wie verantwortungsvoll wir als Gesellschaft mit Menschen umgehen, die sterbenskrank sind. Es ist eine Aufgabe aller Generationen, sich um die Menschen, die kurz vor dem Tod stehen, gleichermaßen aufopferungsvoll zu kümmern wie um jene kleinen Menschen, die eben das Licht der Welt erblickten“, sagt Hanke. Für den Verein steht fest, es soll kein Haus irgendwo am Rande der Stadt oder weit weg sein, sondern bewusst mittendrin. Einerseits, um den Menschen im Hospiz die Teilnahme am Leben zu ermöglichen, andererseits um das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. 

So wird Vertrauen weiter aufgebaut. Vertrauen, das notwendig für eine Beziehung ist, in der sich schwerkranke, sterbende Menschen verstanden und angenommen fühlen. Diese Beziehungen braucht es im Kleinen und im Großen. Im Kleinen braucht es oft vieler Worte und trotzdem entstehen wertvolle Momente und manchmal auch sehr tiefe Gespräche, in denen Sorgen und Nöte, Hoffnung und Freude miteinander geteilt wird, sagt Martina Crämer-Nann. Im Großen wird der Verein viel Kraft und Zeit brauchen, dieses Vertrauen und ein Hospiz aufzubauen. 

Welthospiztag am 10. Oktober

Das Jubiläum der Hospizhelfer in der Region Heidenau sollte eigentlich anlässlich des Welthospiztages am 10. Oktober größer und öffentlich gefeiert werden, auch mit einem Podiumsgespräch. Doch die Corona-Schutzverordnungen stellen zu hohe organisatorische Anforderungen. So wird nur mit den Helfern gefeiert. "Sie sind das Fundament unseres Dienstes, ohne ihr wunderbares Engagement wäre die Hospizarbeit nicht möglich", sagt Martina Crämer-Nann.

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Eine der Hospizhelferinnen hat einmal gesagt: „Wenn ich dazu beitragen kann, dass die von mir betreute Frau ihr Leben bis zuletzt lebenswert und würdig empfinden kann, ist das für mich als Hospizhelferin ein großes Geschenk.“ Dieses Geschenk machen die Helfer jeden Tag wieder und künftig eben auch mit und in einem Hospiz. 

Kontakt Hospizhelfer: Telefon 0351 2091423,  0174 8216164

Kontakt Verein "Wegbereiter": E-Mail [email protected]

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