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Nicht nur Schüler beim ersten Klimastreik in Pirna

Am Freitag lud die Bewegung "Fridays for Future" zu einer Demonstration ein. Das Thema interessiert offenbar viele. Weitere Aktionen sollen folgen.

Mehrere Menschen sind dem Aufruf des 16-jährigen Aktivisten Elias Bistry (Mitte) zum Klimastreik am Friedenspark in Pirna gefolgt.
Mehrere Menschen sind dem Aufruf des 16-jährigen Aktivisten Elias Bistry (Mitte) zum Klimastreik am Friedenspark in Pirna gefolgt. © Daniel Schäfer

Freitag, 13.30 Uhr. Immer mehr Menschen versammeln sich im Friedenspark in Pirna am Wasserspiel. Die Stimmung ist gut. Und dann auch laut. Trillerpfeifen kreischen plötzlich auf. "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut", rufen fünf junge Männer. Beifall von den Umstehenden, die ganz offensichtlich ähnlich denken.

Rund 50 Menschen versammeln sich

Premiere in Pirna: Am Freitag fand zum ersten Mal ein Klimastreik statt, der von der Ortsgruppe Pirna der Bewegung "Fridays for Future" organisiert wurde. Der Kopf ist Elias Bistry; der 16-Jährige besucht das Schillergymnasium. Unter dem Motto "#AlleFürsKlima" kamen rund 50 Menschen zusammen, um für mehr Klimagerechtigkeit und eine konsequente Klimapolitik demonstrieren. "Wir wollen damit zeigen, dass es ,Fridays for Future' nicht nur in den großen Städten gibt, denn der Klimawandel betrifft alle", sagt Organisator Elias Bistry, der ein orangefarbenes T-Shirt mit der Aufschrift "There is no Planet B" trägt.

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In einer kurzen Rede umreißt Bistry die Ziele. Die Gruppe fordert, dass sich die Erdtemperatur nicht mehr 1,5 Grad erwärmt. Speziell für Deutschland fordern sie den Kohleausstieg bis 2030, dass das Land spätestens ab 2035 zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien mit Strom versorgt wird sowie die Einführung einer Kohlendioxid-Steuer. Am Ende erhält der Schüler großen Applaus sowie zahlreiche Lacher, denn auch ein Hund bellt nach seiner Rede laut, als ob das Tier dem Redner zustimmen wolle.

Zehn Minuten Unterricht versäumt

Aber nicht nur passives Zuhören ist angesagt. Wer will, kann sich an Listen eintragen, um die Ortsgruppe zu unterstützen. Außerdem werden die Teilnehmer aufgefordert auf einer sogenannten Klimatapete ihre Wünsche für reine gute Zukunft aufzuschreiben. Dem folgen viele. Auch Jördis (12) aus Pirna ist unter den Demonstranten. Sie kommt direkt aus dem Unterricht. "Ich musste zehn Minuten eher gehen, aber das war mit meinen Eltern und mit der Schule abgesprochen", sagt sie. Etwas weiter hinten ihr steht Gustav, der das Herdergymnasium in Pirna besucht. Warum er hier ist? "Klimaschutz ist wichtig. Ich befürchte, dass zukünftige Generationen nicht mehr lebenswert leben können, wenn wir die Klimaziele nicht erreichen", sagt er.

Worte, die Paul Löser mithört. Der junge Mann organisiert die Fridays-for-Future-Bewegung in Sebnitz. "Erst Sebnitz, dann Tharandt und jetzt Pirna. Das ist toll", freut er sich. Künftig sollen die einzelnen Aktionen im Landkreis noch stärker untereinander vernetzt werden, blickt er in die Zukunft.

Allerdings ist nicht nur die jüngere Generation auf dem ersten Pirnaer Klimastreik vertreten. Auch Eltern und Großeltern zeigen mit ihrer Anwesenheit, wie wichtig ihnen das Thema ist. Eine von ihnen ist Dr. Bärbel Falke aus Pirna. "Meine Enkelin wurde vor einem Monat geboren. Sie soll in einer Welt aufwachsen, in der es Wälder gibt, in denen noch Vögel zwitschern, in einer Welt, in der es noch Insekten gibt. Deshalb bin ich heute gekommen", sagt die Großmutter. Ebenso Politiker mischen sich unter die Teilnehmer. Unter anderem Fabian Funke, SPD-Bundestagskandidat des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. "Klimaschutz ist ein ganz zentrales Anliegen", meint er und tritt dann zu André Hahn, der für die Linken im Bundestag sitzt und auch anwesend ist. "Der Protest der jungen Menschen richtet sich schließlich an die Politiker. Da ist es gut, wenn wir vor Ort mit ihnen ins Gespräch kommen", erläutert Hahn seine Teilnahme an der Aktion.

Fridays for future: Auch in Tharandt wurde demonstriert. Etwa 30 Teilnehmern zogen am Freitag durch die Stadt.
Fridays for future: Auch in Tharandt wurde demonstriert. Etwa 30 Teilnehmern zogen am Freitag durch die Stadt. © Karl-Ludwig Oberthür

Weitere Aktionen sind geplant

Überhaupt finden viele Gespräche statt. Der Konsens ist deutlich: Gefordert wird eine Klimapolitik, mit der die größte Krise dieser Zeit zu bewältigen ist.

Zufrieden schaut Elias Bistry auf die versammelten Menschen. Klar ist bereits jetzt schon, dass der erste Klimastreik in Pirna nicht der letzte ist. "Wir werden es vermutlich nicht schaffen, jeden Freitag zu einer Demonstration aufzurufen. Die Organisation ist enorm. Aber auf jeden Fall sind weitere Aktionen geplant und weitere Mitstreiter sehr herzlich willkommen".

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