merken
PLUS Pirna

Pöbelnder Nachbar aus Pirna verurteilt

Ein 48-jähriger Pirnaer beleidigte und nötigte seine Nachbarin. Vor Gericht bezeichnet er sich zwar als "Musterschüler". Diese Maske fällt jedoch.

Symbolfoto
Symbolfoto © André Braun (Symbolbild)

Von Friederike Hohmann

"Schlampe" und "Hure" sind nicht die schlimmsten Beschimpfungen, die sich Frau D. von ihrem Nachbarn anhören muss. Seit drei Jahren wohnt sie mit Thomas K. Tür an Tür in einem Mehrfamilienhaus in der Pirnaer Innenstadt. Nicht lange nach seinem Einzug wurde er vom Amtsgericht Pirna bereits für Beleidigungen gegenüber der Nachbarin zu einer Geldstrafe verurteilt. Das hielt ihn aber offensichtlich nicht davon ab, sie weiter zu beleidigen, regelmäßig im Haus laut zu fluchen und Schimpfwörter unter der Gürtellinie zu benutzen.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Weg in Wohnung versperrt

Frau D. versucht, so gut es geht, dem pöbelnden Nachbarn aus dem Weg zu gehen. An einem Nachmittag im September letzten Jahres stießen beide im Treppenhaus aufeinander. Sie war gerade vom Gassi gehen zurück und trug ihr Hündchen auf dem Arm, erzählt die als Zeugin geladene Rentnerin dem Pirnaer Amtsgericht. Thomas K. hätte sie auf der Treppe dann nicht weiter gehen lassen, ihr den Weg zu ihrer Wohnung mit ausgebreiteten Armen versperrt und sie bedrängt. Ein weiterer Nachbar hatte den Lärm im Treppenhaus gehört und alles zunächst durch den Spion beobachtet. Herr N. kam Frau D. schließlich zu Hilfe, erzählt er als Zeuge vor Gericht, sodass Thomas K. die Szenerie in Richtung Tiefgarage verließ. Frau D. rief sogleich die Polizei.

Thomas K., der Planungsingenieur als Beruf angibt, versucht die Situation dagegen ganz anders darzustellen. Nicht er habe Frau D. bedrängt. Im Gegenteil. Er habe sie mehrmals aufgefordert, ihm Platz zu machen. Weil sie dem nicht gefolgt sei, hätte er gesagt: „Wir haben Corona. Halten Sie Abstand, Sie unverschämte Person!“ Dass ihm während der Verhandlung immer wieder die Maske unter die Nase rutscht, bemerkt er jeweils erst nach geraumer Zeit.

Mit Schulnoten geprahlt

Was der 48-Jährige von seinen Nachbarn Frau D. und Herrn N. hält, zeigt er im Prozess, als er beide als "anrüchige Zeugen" bezeichnet. Über die Nachbarin sagt er: „Die Frau ist gar nicht mein Level.“ Dass er sich für etwas Besseres hält, zeigt er auch, als er bei der in einem Strafprozess üblichen Abfrage seines schulischen und beruflichen Werdeganges ungefragt mit seinen Schulabschlussnoten prahlt und sich als "Musterschüler" bezeichnet.

Unterbrochen wird auch der Staatsanwalt. Er kann sein Plädoyer nicht ungestört vortragen. Immer wieder fällt Thomas K. ihm ins Wort. „Sowas ist mir in meinem Berufsleben nur selten passiert“, sagt der Staatsanwalt, der inzwischen ungehalten ist. Mit diesem Verhalten würde K. nur bestätigen, was die Zeugen vorgetragen haben. Bei jungen Menschen könne man so etwas vielleicht noch durchgehen lassen. Thomas K. hätte aber in der Vergangenheit und auch hier immer wieder gezeigt, dass er cholerisch reagiert und sich nicht im Griff hat. Es stelle sich die Frage, ob hier nicht auch einmal eine kurze Freiheitsstrafe auf Bewährung angezeigt sei. Der Staatsanwalt fordert dann aber eine Geldstrafe für Thomas K.

Richterin droht mit Rauswurf

Die Möglichkeit zum letzten Wort vor dem Urteilsspruch nutzt der Angeklagte nicht, unterbricht dann aber die Richterin immerzu bei ihrer Urteilsbegründung. Seine Anwältin versucht mehrmals erfolglos, ihn durch lautes Zischen zurückzurufen. Schließlich droht Richterin Simona Wiedmer sogar, ihn von den Wachtmeistern aus dem Saal entfernen zu lassen.

Sie verurteilt Thomas K. wegen Nötigung und Beleidigung. Auch sie hat über eine Freiheitsstrafe nachgedacht, lässt ihn aber noch einmal mit 80 Tagessätzen zu 35 Euro davonkommen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna