merken
PLUS Pirna

Plakate für abgeschobene Pirnaer Familie

Unterstützer der Georgier lassen nicht locker. In zahlreichen Schaufenstern wird auf das Schicksal der neunköpfigen Familie aufmerksam gemacht.

Auch in dem Schaufenster des Stoffladens "Landfee" hängt in der Pirnaer Innenstadt ein Plakat, das auf das Schicksal der abgeschobenen Familie I. hinweist.
Auch in dem Schaufenster des Stoffladens "Landfee" hängt in der Pirnaer Innenstadt ein Plakat, das auf das Schicksal der abgeschobenen Familie I. hinweist. © Egbert Kamprath

Das Motto heißt "Bring Back Our Neighbours". Mit dieser eindeutigen Forderung haben Freunde und Unterstützer der vor Kurzem ausgewiesenen georgischen Familie I. in Pirna jetzt eine Plakat-Aktion in der Pirnaer Innenstadt gestartet. Sie wollen ihre Nachbarn zurück, wie auf Englisch zu lesen ist. Mit zu den Akteuren gehört Anja Zimmer-Schröder. Sie ist die Inhaberin des Stoffgeschäftes "Landfee". Auch in ihrem Schaufenster hängt das Plakat.

Enorme Resonanz der Geschäftsleute

"Wir wollen auf das Schicksal der Familie I. aufmerksam", sagt die Unternehmerin, die die Familie persönlich kennt. Die Plakat-Aktion war relativ spontan. Umso mehr freut sich Zimmer-Schröder über die enorme Resonanz der Unternehmer und Geschäftsleute in Pirna; viele waren bereit, die Plakate aufzuhängen. In circa 60 Geschäften wurde bisher der Hilferuf öffentlich ausgehängt. "Manche Ladenbesitzer haben uns sogar auch spontan Geld für die Familie gegeben", berichtet Zimmer-Schröder. Sie selber hat fünf Kinder und hält die Abschiebung der neunköpfigen Familie für ungerecht.

Anzeige
Qualitätsmöbel zum Abverkaufspreis
Qualitätsmöbel zum Abverkaufspreis

STARKE MÖBEL UND KÜCHEN macht Platz für neue Wohn-Kollektionen. Sparen Sie jetzt bis zu 58% beim Kauf Ihres Lieblingsstücks in TOP Qualität.

Druck auf Politiker wächst

Unterdessen wächst der Druck auf die Politik. Die Unterstützer haben das Thema jüngst im Pirnaer Stadtrat angesprochen und um Hilfe gebeten. Auch der Landrat ist informiert. Zahlreiche Medien griffen den Fall auf. Die Resonanz ist groß. Auf dem Konto, das zur Unterstützung der Familie eingerichtet wurde, sind bisher über 3.000 Euro eingegangen. "Eine erste Soforthilfe konnten wir bereits überwiesen", sagt ein Nachbar. Die Petition mit der Forderung nach der Rückkehr der Familie I. haben 2.400 Personen unterschrieben. Nach SZ-Informationen lebt die Familie I. derzeit eingeschränkt in einer Interimswohnung in Tiflis.

In der Nacht aus den Betten geholt

Familie I. wurde in der Nacht zum 10. Juni unerwartet aus der Wohnung in Pirna geholt und vom Leipziger Flughafen aus nach Tiflis abgeschoben. Sie lebte seit über zehn Jahren in Deutschland und galt als gut integriert. Zahlreiche Hausbewohner und Nachbarn sind entsetzt. "Wir sind einfach nur fassungslos und können damit auch für die gesamte Hausgemeinschaft sprechen. Die Familie ist herzlich, entgegenkommend und hat sich in den Jahren, die sie hier wohnt, bestens integriert. Die Familie hat nichts verbrochen", betonen sie.

Landesdirektion lehnt Vorwürfe ab

Die zuständige Landesdirektion Sachsen versucht indes zu erklären. "Die Mitglieder der Familie in Pirna befanden sich seit ihrer Einreise im Jahre 2013 und sodann sukzessive nach der jeweiligen Geburt der Kinder dauerhaft in Asylverfahren und anschließenden Klageverfahren. Während dieser Verfahren durfte sich die Familie in Deutschland aufhalten", sagt ein Sprecher.

Weiterführende Artikel

Abgeschobene Familie: Diakonie Sachsen ist entsetzt über Ausweisung

Abgeschobene Familie: Diakonie Sachsen ist entsetzt über Ausweisung

Jetzt äußert sich die Kirche zu der abgeschobenen georgischen Familie aus Pirna. Die Botschaft ist eindeutig.

Pirna: Kundgebung für abgeschobene Familie

Pirna: Kundgebung für abgeschobene Familie

Unterstützer und Freunde der ausgewiesenen Georgier machen einmal mehr mobil und rufen jetzt zu einer Demonstration auf dem Markt auf.

Nach Abschiebung: "Wo ist unsere Freundin Lisa?"

Nach Abschiebung: "Wo ist unsere Freundin Lisa?"

Kinder und Erzieher der AWO-Kita Knirpsenland in Pirna setzen sich für die abgeschobene Familie Imerlishvili ein. Ihre Botschaft ist eindeutig.

SPD und Grüne attackieren Wöller wegen Abschiebung

SPD und Grüne attackieren Wöller wegen Abschiebung

Eine georgische Familie aus Pirna ist nachts abgeschoben worden. Das sei "unmenschlich", kritisiert SPD-Politiker Pallas. Auch die Grünen werden deutlich.

In diesen sieben Jahren wurden sämtliche Asylanträge der Familienmitglieder und auch ein Folgeantrag des Familienvaters abgelehnt, betont er. Sämtliche Klagen der Familienmitglieder seien abgewiesen, zuletzt auch ein Antrag auf Zulassung einer Berufung bei dem Sächsischen Oberverwaltungsgericht im Oktober 2020. Nach rechtskräftigem Abschluss aller Verfahren wären erstmals alle Familienmitglieder gemeinsam ab November 2020 zur Ausreise verpflichtet gewesen. "Dieser Aufforderung kam die Familie nicht nach. Da weder Abschiebungshindernisse noch Duldungsgründe bestanden, ist die Landesdirektion Sachsen bei dieser Sach- und Rechtslage ohne Ermessen verpflichtet, die bestehende Ausreisepflicht im Wege der Abschiebung zu vollziehen", sagt der Sprecher der Landesdirektion.

Mehr zum Thema Pirna