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Pirnaer Goldschmiedin hört auf

Konstanze Köhler möchte mehr Zeit für ihre Familie haben. So ganz leicht fällt ihr der Abschied aber nicht.

Konstanze Köhler ist Goldschmiedin in Pirna. Jetzt gibt sie ihr Geschäft auf.
Konstanze Köhler ist Goldschmiedin in Pirna. Jetzt gibt sie ihr Geschäft auf. © Daniel Schäfer

In der Vitrine funkelt es golden und silbern. Ringe, glitzernde Anhänger, Broschen, Ketten sowie Perlenschmuck liegen nebeneinander und bestechen durch filigrane Kunst.

Seit vielen Jahre ist Goldschmiedin Konstanze Köhler in der Schössergasse 2 mit Laden und Werkstatt ansässig. Jetzt gibt sie ihr Geschäft auf. Diesen Entschluss hat die 61-Jährige nicht leichtfertig getroffen, sondern sie hat gute Gründe dafür. "Mein Mann geht jetzt in Rente. Es war immer klar, wenn er nicht mehr arbeitet, dass auch ich aufhöre. Wir wollen gemeinsam die Zeit genießen", sagt Konstanze Köhler. Außerdem gibt sie aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf auf.

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Blick zurück mit etwas Wehmut

Ganz leicht fällt ihr dieser Entschluss nicht. Mit ein wenig Wehmut blickt sie auf die vergangene Zeit zurück. "Besonders die Kunden werden mir fehlen. Wir hatten immer ein sehr gutes, fast schon freundschaftliches Verhältnis", berichtet die Pirnaerin. In diesem Zusammenhang betont sie, dass sie immer gerne in ihrem Beruf gearbeitet hat. Und das schon viele Jahre.

In politisch und wirtschaftlich bewegten Zeiten eröffnete sie 1989 ihre Goldschmiede in der Schmiedestraße in Pirna. 1998 zog sie dann mit ihrem Laden und der Werkstatt auf die Schössergasse 2 an den jetzigen Standort. Grund für den Ortswechsel war damals der geplante Verkauf und die anstehende Sanierung des Hauses in der Schmiedestraße.

Dem Vater über die Schulter geguckt

Das Interesse an dieser alten Handwerkskunst wurde durch ihren Vater geweckt, den sicherlich noch viele ältere Pirnaer kennen. Bernhard Freitag war Uhrmachermeister und hatte sein Geschäft auf der Gartenstraße. Schon als kleines Kind durfte seine Tochter Konstanze ihm bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. Statt Uhrmacherkunst wählte sie dann aber nach der 10. Klasse die Goldschmiedekunst. Ihre Lehre absolvierte Konstanze Köhler in einem Betrieb in Zittau. Nach zweieinhalb Jahren Ausbildung kehrte sie in ihre Heimatstadt Pirna zurück und fing als Angestellte bei der Goldschmiede Hausding an. 1983 machte sie ihren Meister und entschloss sich 1989 für die Selbstständigkeit. "Ich wollte gerne eigene Entscheidungen treffen", begründet die Goldschmiedin.

Fingerfertigkeit ist wichtig

Was sie an ihrem Beruf immer fasziniert? "Die handwerkliche Arbeit macht mir Freude. Man braucht eine Vorstellungskraft, wie das Produkt später aussehen könnte. Und es ist ein schönes Gefühl, wenn man dann nach der Fertigung das Unikat in der Hand hält." Aber nicht nur Fantasie und ein ästhetisches Vorstellungsvermögen, sondern auch Fingerfertigkeit sei in ihrer Branche wichtig. Konstanze Köhler fertigt eigene Unikate, verkauft ebenso Handelsware und übernimmt Reparaturen. Angestellte beschäftigt sie nicht.

Von der Flut erwischt

Auf ihre Zeit der Selbstständigkeit schaut sie gerne zurück, auch wenn am Standort in der Schössergasse zweimal die Flut durch ihren Laden und die Werkstatt schoss. "Das Wasser stand bis zu einem 1,20 Meter hoch", erinnert sich Köhler, die aber viel Hilfe in diesen Zeiten erfahren hatte, besonders nach dem ersten Hochwasser 2002. Überhaupt ist ganz offensichtlich, dass nicht nur sie ihre Kunden vermissen wird, sondern umgekehrt ebenso. "Viele bedauern es, dass ich mich jetzt zurückziehe. Aber sie haben auch Verständnis dafür", erklärt Konstanz Köhler.

Was wird aus dem Ladengeschäft in der Schössergasse?

Schnäppchenjäger kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten. Köhler plant vor der Schließung noch einen großen Räumungsverkauf mit zahlreichen Rabatten. Wann dieser beginnt, kann sie aktuell nicht sagen. "Das hängt von der Aufhebung des derzeitigen Lockdowns ab, denn momentan darf ich ja wegen der Einschränkungen nicht öffnen", so die Pirnaerin.

Vermutlich wird das Ladengeschäft in der Schössergasse nicht lange leer stehen. Eine Goldschmiedin aus Dippoldiswalde plant, am Standort eine Filiale zu eröffnen. Konkretes stehe aber noch nicht fest, sagt Köhler.

Zeit zum Wandern

Auf jeden Fall wird sie in Zukunft mehr Zeit für ihren Mann, ihre Tochter und ihre zwei Enkelkinder haben. "Darauf freue ich mich. Die Familie wohnt in Altenberg. So sind wir schnell da und können die Kinder gut betreuen", überlegt die Großmutter laut. Sie selber und ihr Mann wollen verstärkt auf Wanderungen gehen. Die Sächsische Schweiz und die Region kennen sie schon sehr gut. "Aber es gibt ja noch viele schöne Ecken in Deutschland zu entdecken", weiß Konstanze Köhler.

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