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Pirnaer Schülerprojekt: Einmal malen wie Canaletto

Im Feierjahr für den großen Künstler gehen Kinder mit einem speziellen Hilfsmittel auf Motivsuche. Möglich wird das dank eines besonderen Geschenks.

Von Thomas Möckel
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Canalettos Erben: Manolo (10); Museumspädagogin Gerburg Sturm und Lenny (9 v.l.) bei der Arbeit mit einer Camera obscura.
Canalettos Erben: Manolo (10); Museumspädagogin Gerburg Sturm und Lenny (9 v.l.) bei der Arbeit mit einer Camera obscura. © Daniel Schäfer

Dass es von ihm so viele Pirna-Bilder gibt, ist schon außergewöhnlich. Der Maler Bernardo Bellotto, auch bekannt als Canaletto, bevorzugte für seine Pinselkunst eher größere Metropolen wie Venedig, Dresden und Warschau. Doch in seiner ersten Dresdner Periode verschlug es das Malgenie aufgrund eines kurfürstlichen Dekrets auch ein wenig elbaufwärts. In der Zeit von 1753 bis 1756 malte Canaletto insgesamt elf Pirna-Veduten. Die bekannteste von ihnen ist „Der Marktplatz zu Pirna“.

In der Perspektive exzellent und detailversessen schuf Canaletto beinahe fotorealistische Ansichten. Damit ihm beim Skizzieren keine Feinheit entging, griff er auf ein damals schon bewährtes Hilfsmittel zurück – auf eine Camera obscura. Sie ist eine Art Lochkamera, es gibt sie von handlich bis Raumgröße. Sie gilt als der erste Apparat zum Projizieren von Bildern.

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Eine Camera obscura funktioniert wie folgt: In einen vollkommen abgedunkelten Raum oder Kasten fällt lediglich durch ein kleines Loch etwas Licht. Das außenliegende Objekt wird mittels von ihm reflektierter Lichtstrahlen durch das Loch auf die gegenüberliegende Seite des Raumes oder des Kastens projiziert. Dort wird es kopfüber und spiegelverkehrt angezeigt. So nutzten Maler die Camera obscura – noch bevor sie zum Vorbild der Fotografie wurde – dazu, um die Projektionen abzupausen und damit größtmögliche Realität in ihren Werken zu erzeugen. Aus dem Ursprung heraus entspringt nun in Pirna ein ganz spezielles Projekt.

Ein Geschenk vom Canaletto-Forum

Canalettos Geburtstag jährt sich in diesem Jahr zum 300. Mal, anlässlich dieses Jubiläums hat Pirna ein ganzes Feierjahr ausgerufen und organisiert. Im Zuge dessen konnten nun Schüler auf Canalettos Pfaden wandeln. Angeleitet von Gerburg Sturm, Museumspädagogin des Pirnaer Stadtmuseums, gingen Schüler der Grundschule Struppen im Klosterhof auf Motivsuche. Bei der künstlerischen Wiedergabe half auch ihnen eine Camera obscura.

Die Struppener Schüler waren jetzt die ersten, die bei einem Ferienprojekt mit diesen Lochkameras arbeiten konnten. Weitere Klassen sind aber schon angemeldet. Damit beim künstlerischen Werkeln möglichst wenig Licht auf die Skizzen fällt, sind die Kameras mit schwarzen Tüchern ausgestattet, die man sich über den Kopf ziehen kann. Umso besser erkennt man das projizierte Abbild.

Möglich wurde das gesamte Projekt dank eines großzügigen Geschenks. Der 1997 gegründete Verein „Canaletto Forum Pirna“ bemüht sich seither ganz besonders um das kunstgeschichtliche Gedächtnis und darum, das Andenken an Canaletto zu wahren. Um auch der jüngeren Generation dieses Anliegen nahezubringen, veranlasste der Verein in Absprache mit dem Stadtmuseum Pirna den Nachbau eines ganzen Camera-Oscura-Klassensatzes, insgesamt 25 Stück. Dafür beantragte der Verein Fördermittel bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden (OSD).

Mithilfe der Zuschüsse der OSD sowie mit Vereinsgeldern konnte von Pirnaer Handwerksbetrieben ein ganzer Klassensatz dieser Lochkameras gebaut werden. Ende Juni dieses Jahres wurden die Mal-Hilfsmittel ans Stadtmuseum übergeben. Laut der Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna (KTP) kommen die Kameras nun in den Sommerferien erstmals zum Einsatz. Sie sollen aber auch in Zukunft für Unterrichtsprogramme, auch fächerübergreifend, gute Dienste leisten.