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Der Mann, der vom Big Apple kam

Robert Reimann aus Amerika hat sich entschieden: Er liebt Anna und Pirna. Jetzt steht er vor der Wahl: Trump oder Biden?

"Ich habe mich in Pirna verliebt", sagt Robert Reimann aus New York. Zuvor heiratete er Anna aus Dresden. Hier sitzen beide in ihrem "Weinberg" am Pirnaer Elbhang.
"Ich habe mich in Pirna verliebt", sagt Robert Reimann aus New York. Zuvor heiratete er Anna aus Dresden. Hier sitzen beide in ihrem "Weinberg" am Pirnaer Elbhang. © Daniel Schäfer

Diese Aussicht. Sie ist der Inbegriff dessen, was Amerikaner in Europa suchen, sagt Robert P. Reimann. Diese "Castles" und "Old Towns", diese "Connection" zur fernen Vergangenheit, zur Tradition. "Das sind Dinge, die wir nicht haben." Robert Reimann, aufgewachsen in New York, dem "Big Apple", hat nun all das, wenn er will täglich. Dann steht er vor seinem hundertjährigen Gartenhaus, hoch über der Elbe, und guckt hinüber auf Pirnas Dächer und Türme. "Ich bin wirklich sehr, sehr happy hier."

Es war nicht die Stadt Pirna, in die sich Robert zuerst verliebte, sondern es war Anna. Er traf sie bei einem Dresden-Besuch. Anna sollte dem US-Boy beim Stadtbummel Gesellschaft leisten. Es war zufällig Annas Geburtstag. Und Robert hatte, nicht ganz zufällig, Schokolade dabei. Es funkte. Im Dezember 2009 zog Robert nach Dresden. Anna hielt ihn für verrückt. Sie hätte nie gedacht, dass er New York für sie eintauschen würde. Für Robert war es sonnenklar. Und ist es immer noch. Mit Anna will er sein Leben verbringen. "Es kann nicht anders sein!"

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Idyll am Elbhang: Der Garten der Reimanns verfügt nicht nur über ein hundert Jahre altes Häuschen, sondern auch über einen Pool.
Idyll am Elbhang: Der Garten der Reimanns verfügt nicht nur über ein hundert Jahre altes Häuschen, sondern auch über einen Pool. © Daniel Schäfer

Robert Reimann kam in Manhattan auf die Welt. Er studierte Internationale Beziehungen, wurde Fachmann für Finanzströme und Sicherheitsfragen, außerdem Begründer eines Software-Unternehmens. Er liebte New York, die pulsierende Kraft dieses Ortes. Dann kam Nine-Eleven, der Anschlag auf das World Trade Center. Robert hatte sein Büro am Fuß der Türme. Es wurde völlig zerstört. Er selbst entkam nur knapp dem Trümmerregen. Ein Flugzeugtriebwerk fiel ihm förmlich vor die Füße.

Das Land der Risikofreudigen und Optimisten

Nach dieser Katastrophe war seine Firma am Ende. Robert wechselte zu einer Versicherung. Doch der Bürojob lag ihm nicht. Irgendwie war es Zeit für den nächsten Schritt, sagt er. So fiel ihm der Abschied von New York gar nicht so schwer. Große Brüche, und Aufbrüche, sind im Leben von Amerikanern ohnehin normal. Amerika ist ein Land der Risikofreudigen und Optimisten, sagt Robert, im Gegensatz zu Deutschland. Hier hat man eher Angst vor dem Scheitern. "Lieber gar nichts tun, als etwas Falsches."

"Old Towns and Castles." Amerikaner lieben Dinge mit Geschichte. Kein Wunder, dass sich Robert Reimann in Pirna verknallt hat.
"Old Towns and Castles." Amerikaner lieben Dinge mit Geschichte. Kein Wunder, dass sich Robert Reimann in Pirna verknallt hat. © Daniel Schäfer

Robert Reimanns Auswanderung nach Ostdeutschland war gewissermaßen eine Heimkehr. Seine Eltern sind hier geboren, der Vater in der Uckermark, die Mutter in der Lausitz. Den Namen Reimann legte sich der jüdischstämmige Vater, damals Kommunist und Redakteur der Roten Fahne, im Untergrund zu. 1933 floh er vor den Nazis, landete in New York. Nach dem Krieg setzte er sich vehement für die Aussöhnung mit Deutschland ein und praktizierte sie auch privat. Die Familie seiner Frau, er traf sie 1954 in New York, hatte bis zuletzt Hitler die Treue gehalten.

Der Klimawandel schlägt im Weinberg zu

Noch wohnen Robert und Anna in Dresden. Aber Dresden finden sie auf Dauer zu langweilig, zu anständig. Sie wollen nach Pirna. Die Stadt mochten sie irgendwie schon immer. In Pirna, sagt Robert, ist nicht alles so "decided", so entschieden. Man hat eine "Community", in die man hineinwachsen kann. Und es gibt Freiräume, interessante Dinge zu machen. "Lebensstil-Potenzial", nennt er das.

In der alten Heimat: Robert Reimann mit seiner Anna auf der New Yorker Brooklyn Bridge. Dahinter die Skyline von Manhattan.
In der alten Heimat: Robert Reimann mit seiner Anna auf der New Yorker Brooklyn Bridge. Dahinter die Skyline von Manhattan. © privat

Dazu zählt auch ihr Garten am Postaer Elbhang, ein halbes Dutzend verwilderter Parzellen, das sie nun zu etwas Neuem entwickeln, mit Obst- und Gemüseabteilen, grünem Tunnel im Wald-Abteil, entrückter Stille in der Meditations-Ecke, und mit Reben der Ursorte Adelfränkisch im Weinberg. Leider ist der Großteil der neuen Stöcke schon wieder vertrocknet. Aber auch etliche alte Nadelbäume und Rhododendren sind hin. "Der Klimawandel hat einen Wahnsinns-Effekt", sagt Robert.

Noch immer den US-Pass in der Tasche

Eine Erkenntnis, die sein Präsident - Robert besitzt noch immer den Pass der Vereinigten Staaten von Amerika - nicht teilt. Donald Trump gehört zu den Leugnern der Klimaerwärmung. Trump stammt auch aus New York. Reimann verfolgt seine Karriere seit Jahrzehnten, seinen Aufstieg in der Baubranche und in den Medien. Trump ist nicht der "Good Guy", als der er sich ausgibt, der nur das Beste will für die Leute. Er will das Beste für sich, sagt Reimann. "Trump geht es um Trump, und um niemanden sonst."

"Lebensstil-Potenzial": Mit seinem Dreiradlaster kurvt Robert Reimann durch Pirna-Posta. Das Paar saniert hier ein steinaltes Haus.
"Lebensstil-Potenzial": Mit seinem Dreiradlaster kurvt Robert Reimann durch Pirna-Posta. Das Paar saniert hier ein steinaltes Haus. © Daniel Schäfer

Warum ist Donald Trump trotzdem so populär in Amerika? Weil er eine Reihe Dinge nicht nur gesagt, sondern auch gemacht hat, glaubt Robert, Dinge, die viele Amerikaner gut faden, etwa das rabiate Vorgehen gegen illegale Einwanderung. Oder den Handelsstreit mit China. Jemand, der etwas anständiger wäre als Trump, aber dasselbe täte wie er, hätte Riesenchancen bei der kommenden Wahl. "Die Leute würden ihn lieben."

"Leugnen löst für Trump die Probleme"

Sobald etwas Trumps Welt zuwider läuft, leugnet er die Dinge. "Leugnen löst für ihn Probleme." Beim Klimawandel hat das noch leidlich funktioniert. Bei Corona geht das nicht mehr. Das Virus könnte Trump sein Amt kosten, vermutet Robert, zumal nach dem unsäglichen TV-Duell mit Herausforderer Joe Biden, in dem Trump sich als notorischer Rüpel produziert hatte. Viele von Roberts amerikanischen Bekannten seien angeekelt gewesen, selbst Sympathisanten Trumps.

Das Haus Niederposta Nr. 12 war einst der Kolonialwarenladen von Traugott Förster. Hier wollen die Reimanns möglichst bald einziehen.
Das Haus Niederposta Nr. 12 war einst der Kolonialwarenladen von Traugott Förster. Hier wollen die Reimanns möglichst bald einziehen. © Daniel Schäfer

Robert Reimann will, dass Donald Trump aus dem Weißen Haus verschwindet. Deswegen ist er aber noch lange kein Biden-Fan. "Er wird besser sein als Trump, aber er ist nicht die Lösung für die Probleme Amerikas und der Welt." Genau wie Trump braucht auch Biden enorme Geldsummen, um seinen Wahlkampf zu finanzieren. Er ist "gekauft", sagt Robert, noch bevor er womöglich gewählt ist.

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Mit dem Berufspolitiker Biden, da ist Robert Reimann überzeugt, bieten die Demokraten genau das an, was Amerika beim letzten Mal nicht haben wollte. "Und wenn man damit sogar gegen Trump verliert, hat man doch ein echtes Problem." Robert wird keinen der beiden wählen. Er gibt seine Stimme einer ökologisch orientierten Kleinpartei. Da sein Staat, New York, so gut wie sicher den Demokraten zufällt, muss er nicht für Biden sein, um Trump zu verhindern, sagt er. "Ich darf gegen beide sein."

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