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Kostenexplosion an der Pirnaer Südumfahrung

Die Trasse kostet jetzt schon anderthalbmal so viel wie geplant, und noch sind mindestens zwei Jahre zu bauen. Was treibt die Summe so in die Höhe?

Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Deges, mit Wirtschaftsminister Martin Dulig, Susann Dulig und Bauoberleiter Ulrich Gawlas (v.l.) an der Südumfahrung-Baustelle: Derzeit liegen die Baukosten bei 160 Millionen Euro.
Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Deges, mit Wirtschaftsminister Martin Dulig, Susann Dulig und Bauoberleiter Ulrich Gawlas (v.l.) an der Südumfahrung-Baustelle: Derzeit liegen die Baukosten bei 160 Millionen Euro. © Marko Förster

Ein reichliches Jahr vor seinem Abgang als Bundesverkehrsminister griff Alexander Dobrindt (CSU) noch einmal in die Vollen. Im Herbst 2016 brachte er ein milliardenschweres Investitionspaket für Bundesfernstraßen auf den Weg.

Darin inbegriffen war ein einziges Projekt in Sachsen: der Bau der Pirnaer Südumfahrung, von vielen schon seit Jahren herbeigesehnt.

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Erst wenige Wochen zuvor war die Trasse im Bundesverkehrswegeplan 2030 verankert worden. Da es sich um das einzige Vorhaben aus dem vordringlichen Bedarf handelte, standen die Chancen endlich gut, dass die Strecke in die Aufbaupläne aufgenommen und realisiert wird. Und so sollte es auch kommen.

Lassen sich Termin und Kostenrahmen halten?

2017 begannen die Arbeiten an Pirnas größtem Straßenbauvorhaben. Die 3,8 Kilometer lange Südumfahrung wird einmal vom Pirnaer Autobahnzubringer bis zur B172 auf dem Sonnenstein führen.

Bauherr ist die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges), die Strecke soll einmal die Pirnaer Innenstadt erheblich vom Durchgangsverkehr entlasten und zudem dafür sorgen, das der Verkehr künftig flotter und staufreier in und aus der Sächsischen Schweiz fließt.

Inzwischen sind einige Bauwerke, wie die Brücken im Seidewitztal, schon fertig. An allen Abschnitten wird gebaut.

Voraussichtlich im Laufe des Jahres 2023 sollen die ersten Autos über die Trasse rollen. Noch aber ist ungewiss, ob sich der Termin halten lässt. Etwas anderes läuft jetzt schon aus dem Ruder.

Am Anfang waren es 97 Millionen Euro

Die Südumfahrung ist nicht nur Pirnas größtes, sondern auch das teuerste Straßenbauvorhaben. Zu Beginn der Arbeiten wurden die Baukosten mit insgesamt 97 Millionen Euro beziffert - das sind bei einer 3,8 Kilometer langen Straße über 25 Millionen Euro je Kilometer.

Diese Summe war vor allem bedingt durch die aufwendigen Ingenieurbauwerke - die beiden Brücken im Seidewitztal, die 916 Meter lange Gottleubatalbrücke sowie der 300 Meter lange Tunnel durch den Kohlberg. Aber auch weitere Brücken, Fledermausdurchlässe, Lärmschutzwände, der Trassenbau für die Straße und die landschaftspflegerischen Vorhaben wirkten sich erheblich auf die Kosten aus.

Und so galt es schon kurz nach Baustart als unsicher, ob die Baukosten im Rahmen der 97 Millionen Euro bleiben. Inzwischen steht fest: Es bleibt nicht dabei.

160 Millionen - oder noch mehr?

Die Südumfahrung wird erheblich teurer als ursprünglich geplant. Als Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) Anfang Juli die Südumfahrung-Baustelle besichtigte, ging es - eher am Rande - auch um die Baukosten, die der Bund bereitstellt.

Und die Nachricht verhieß nichts Gutes: Nach Aussage von Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Deges, liegen die Kosten für die Trasse derzeit bei 160 Millionen Euro - das Anderthalbfache der anfänglich veranschlagten Summe. Doch laut Dulig werde die Trasse zu Ende gebaut, egal, wie sich die Baupreise entwickeln. Denn Pirna brauche dringend diese Entlastung.

Noch aber liegen mindestens zwei Jahre Bauzeit vor den Fachleuten, und es ist zu befürchten, dass auch mit den 160 Millionen Euro noch nicht das Ende der Baukosten erreicht ist. Doch was ist ausschlaggebend für diese Kostenexplosion?

Stahl, Holz und Sand sind erheblich teurer

Laut der Deges seien die gestiegenen Projektkosten auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zum einen liege das an den teils drastisch gestiegenen Rohstoffpreisen. Stahl, Holz, Sand und Kies - alles in großen Mengen auf der Baustelle benötigt - sind in den vergangenen Monaten erheblich teurer geworden - und obendrein manchmal nur noch schwer zu bekommen.

Zudem seien für die höheren Kosten nach Aussage der Deges verlängerte Bauzeiten, Mengenänderungen, Materialknappheiten und Anpassungen an neue Regelwerke verantwortlich. Was sich genau dahinter verbirgt, lässt der Bauherr allerdings offen.

Stillstand am Kohlbergtunnel

Ein Preistreiber könnte durchaus der Kohlbergtunnel sein. Allein schon der komplizierte und langsame bergmännische Vortrieb, mit dem die Röhre entsteht, ist teuer und zeitaufwendig.

Zurzeit ruhen die Arbeiten am Tunnel ganz - nach offizieller Lesart deswegen, um zu prüfen, ob die bisher angewandte Bautechnologie auch weiterhin noch taugt. Dabei sind die Fachleute damit schon zur Hälfte in den Berg vorgedrungen. Ob auch dieser Stillstand die Kosten in die Höhe treibt, steht noch nicht fest.

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Laut der Deges habe sich aber auch die Corona-Pandemie auf einzelne Kostenfaktoren ausgewirkt. So musste Anfang 2020 beispielsweise der Tunnelbau kurzzeitig unterbrochen werden, weil sich einige Mineure mit dem Virus infiziert hatten und andere in Quarantäne waren. Und auch der Verschub der Gottleubatalbrücke musste zeitlich nach hinten geschoben werden. Inwieweit sich die einzelnen Kostensteigerungen auf die verschiedenen Baulose verteilen, sei nach Aussage der Deges noch nicht abschließend ermittelt. Die Südumfahrung wird ausschließlich aus dem Bundeshaushalt finanziert.

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