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Von der Kunst aus der Dose

Graffiti-Kunst oder lästige Schmiererei? Pirnas "Auftragssprüher" René Donath über seine Arbeit und seine Passion.

Eine Wand besprühen, die mehr als doppelt so hoch ist wie du selbst? Für Eok73 kein Problem.
Eine Wand besprühen, die mehr als doppelt so hoch ist wie du selbst? Für Eok73 kein Problem. © René Donath/Eok73

Ruhige Hip-Hop Musik schallt durch das Zimmer. An den Wänden hängen Gemälde, Poster, Farbdrucke, Porträts und Tafeln voller Aufkleber. In einem Regal stehen Bücher über Kunst - in diesem Raum ist "farbenfroh" nicht nur ein Wort, sondern ein Motto. Mittendrin sitzt René Donath, alias Eok73. Der 47-Jährige ist leidenschaftlicher Graffitisprayer - und auch noch einer, der seine Bilder legal auf die Wände bringt. Mit dem Pirnaer Citymanagement hat er schon oft zusammengearbeitet und die Stadt um die ein oder andere bunte Ecke bereichert.

Vater von Graffiti-Sprüher arbeitet bei der Kripo

Am 29. März 1973 in Dohna geboren, erlebte Donath seine Jugend in Pirna und Umgebung. Schon früh kritzelte er Zeichnungen in sein Hausaufgabenheft. Bevor er jedoch seine Berufung finden konnte, schlug sich er sich mit anderen Jobs durch. Nach einer Ausbildung zum Anlagenmonteur folgten unter anderem Anstellungen als Maler und Fliesenleger.

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Und auch Musik spielte immer eine Rolle: Der US-amerikanischen Break-Dance-Film "Beat Street" aus dem Jahr 1984 hat ihn zum Anhänger des Hip-Hop gemacht - diese Subkultur gab es dann selbst in der DDR. "Das war sozusagen mein künstlerischer Ursprung", erklärt er. Seitdem greift er öfter zur Sprühflasche und tobt sich künstlerisch aus. Anfangs gar nicht so einfach - zumal sein Vater bei der Kriminalpolizei tätig war. Ob er trotzdem illegal gesprüht hat? Nicht lange. "Ich habe relativ schnell gemerkt, dass mir der Kick, etwas illegales zu tun, nicht so viel gibt" sagt er und fügt hinzu: "Außerdem kann ich unter Stress nicht gut arbeiten."

Professionelle Graffiti-Arbeiten als Geschäft

Schon früh begann er also, die Kunst des Sprühens auf legalem Weg zu betreiben. Mit Erfolg - seit nunmehr über zehn Jahren arbeitet Donath als Grafiker in dem Gestaltungsbüro Schöne & Schöne in Pirna. Unter dem Namen Colorexplosion bietet das Unternehmen auch professionelle Graffitiarbeiten an. So sind sie mit der Stadt Pirna schon für das ein oder andere Projekt zusammengekommen. Neben dem Telekomkasten auf der Gartenstraße oder dem Skatepark auf dem Sonnenstein zählt auch die Turnhalle der Goethe-Oberschule zu seinen bekanntesten Werken.

Der Stromkasten an der Gartenstraße ist in Zusammenarbeit mit Pirnas Citymanagement entstanden.
Der Stromkasten an der Gartenstraße ist in Zusammenarbeit mit Pirnas Citymanagement entstanden. © René Donath/Eok73
Ein gigantisches Bierglas als Werbung an der Brückenstraße in Pirna.
Ein gigantisches Bierglas als Werbung an der Brückenstraße in Pirna. © René Donath/Eok73
René Donath besprühte auch die Musikschule an der Gottleuba.
René Donath besprühte auch die Musikschule an der Gottleuba. © René Donath/Eok73
Die Jugendherberge neben dem Gelände des VFL Pirna Copitz hat er auch bunter gemacht.
Die Jugendherberge neben dem Gelände des VFL Pirna Copitz hat er auch bunter gemacht. © René Donath/Eok73

Graffiti-Workshops in Pirna nicht mehr möglich

Nebenbei hat René Donath, der sich für die Arbeit an der Wand den Künstlernamen Eok73 - eine Mischung aus den Bären aus Star Wars und seinem Geburtsjahr - gab, mit Colorexplosion auch Workshops angeboten. Mit Schulklassen oder Jugendgruppen ist er raus an die Wand und hat ihnen das Sprühen beigebracht. "Das hat mir gefallen, die Kinder hatten oft tolle Ideen", sagt er. Auf diesem Weg bekam unter anderem die öffentliche Toilette an der Hauptstraße in Pirna Copitz einen neuen Anstrich. Aufgrund der Pandemie sind Projekte wie diese jedoch erstmal auf Eis gelegt.

Angeleitet von Eok73 wurde diese öffentliche Toilette an der Hauptstraße in Pirna Copitz von einer Gruppe Jugendlicher besprüht.
Angeleitet von Eok73 wurde diese öffentliche Toilette an der Hauptstraße in Pirna Copitz von einer Gruppe Jugendlicher besprüht. © René Donath/Eok73

Design für T-Shirts für Amerika entworfen

Auch sonst macht das Coronavirus die Arbeit nicht einfacher. Kurzarbeit und weniger Projekte sorgen für viel unfreiwillige Freizeit. Bei René Donath jedoch bleibt diese keineswegs ungenutzt, denn auf seiner Liste steht nicht nur das Sprayen. Er widmet sich auch dem Porträtieren von Menschen, gestaltet Sticker, arbeitet Pappfiguren aus, entwirft Postkarten und designt T-Shirts, die in Amerika verkauft werden. Und als wäre das nicht genug, zieht er auch noch einen selbst gestalteten Fächer aus einer Kiste. Als Künstler würde er sich selbst allerdings nicht bezeichnen. Eher als einen kreativen Kopf.

Erkennen Sie die porträtierten Berühmtheiten?
Erkennen Sie die porträtierten Berühmtheiten? © René Donath/Eok73

Graffiti-Felsschmierereien sind respektlos

Auf die Frage, ob es beim Graffitisprayen eine Art Berufsethos gibt, verweist Donath zuerst auf die Kultur des Hip-Hop. Dort gehe es nicht nur um das Zusammensein und Zusammenwirken an sich, sondern auch um gegenseitigen Respekt. Auch gegenüber der Arbeit der anderen. Klar kommt es vor, dass Bilder von anderen auf der Wand übermalt werden, wenn kein Platz mehr ist. "Solange ich ein Foto von meinem Bild habe, ist das aber eigentlich kein Problem." Es kam auch schon vor, dass Leute anriefen, um zu fragen, ob sie sein Bild übermalen dürfen.

Womit er allerdings ein entschiedenes Problem hat, sind Schmierereien an Denkmälern, frisch gestrichenen Wänden und öffentlichen Einrichtungen. Für ihn haben Sprühereien an solchen Plätzen nichts verloren. Die Spitze des Eisbergs markieren allerdings Graffiti an Natursteinen. "Die sind einfach unnötig", befindet er.

Eok73 auf dem Weg zu einer Ausstellung

Wie es mit Eok73 weitergeht? Er wird die Spraydosen noch lange nicht niederlegen. Kann er gar nicht. "Ich muss Kunst, wenn man so will", sagt er. Auch zukünftig will Donath mit Pirnas Citymanagement in Verbindung bleiben und mit seinen Dosen noch mehr Farbe in die Straßen zu bringen. "Vielleicht", überlegt er laut, "mache ich zu meinem 50. Geburtstag mal eine kleine Ausstellung."

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