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Pirna: "Der Waldkindergarten ist eine Erfolgsgeschichte"

Sämtliche Plätze in dieser besonderen Pirnaer Kita sind bis 2023 ausgebucht. Es hapert derzeit nur an einem Detail.

Dina Stiebing "brennt" für den Waldkindergarten Pirna. Sie ist Vorstandsvorsitzende des Trägervereins und freut sich über den guten Zulauf der besonderen Einrichtung.
Dina Stiebing "brennt" für den Waldkindergarten Pirna. Sie ist Vorstandsvorsitzende des Trägervereins und freut sich über den guten Zulauf der besonderen Einrichtung. © Norbert Millauer

Über den Waldkindergarten in Pirna gehen die Meinungen auseinander. Tagsüber ausschließlich in der Natur? Mit kleinen Kindern? Für manche Eltern ist die Kita eher kein Modell. Ihre Argumente: zu gefährlich, zu schmutzig, zu kalt im Winter. Andere hingegen brennen für den Waldkindergarten. Dazu gehört auch Dina Stiebing, sie ist seit Mai 2020 die Vorstandsvorsitzende des Vereins Waldkindergarten Pirna. Der Verein ist Träger der Einrichtung, die die Kinder hauptsächlich in der Natur betreut. "Ich wusste, dass mein Sohn nur in dieser Kita glücklich werden kann", sagt die Mutter. Mit Sächsische.de spricht Dina Stiebing über die Vorzüge und Pläne des Waldkindergartens Pirna.

Frau Stiebing, seit Januar 2020 wird im Wald gespielt, getobt und gelernt. Wie läuft es?

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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Man muss ganz klar sagen, der Waldkindergarten in Pirna ist eine Erfolgsgeschichte. Wir betreuen derzeit 20 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren und sind damit voll belegt. Das gilt auch für die Zukunft, denn bis 2023 sind wir voll ausgelastet. Und wer für 2024 noch einen Platz für sein Kind ergattern will, sollte sich mit der Anmeldung sehr beeilen. Die Plätze sind überaus begehrt. Im Landkreis sind wir der einzige Waldkindergarten.

Besuchen nur Mädchen und Jungen aus Pirna den Waldkindergarten?

Ja, sie kommen aus der Gegend von Pirna. Dabei haben wir durchaus auch Anfragen von Fremdgemeinden, aber wir können keine Kinder außerhalb von Pirna annehmen, da wir in dem Kita-Bedarfsplan der Stadt Pirna eingetaktet sind.

Stichwort Bauwagen des Trägervereins. Der steht bereits im Graupaer Forst, darf aber noch nicht vom Waldkindergarten genutzt werden ...

Korrekt. Die Behörden haben die Auflage erteilt, dass dieser Bauwagen eine Überdachung benötigt. Die Arbeiten sind voll im Gang, wir hoffen, dass sie Ende Oktober abgeschlossen werden. Dann kann der Bauwagen als Lagerort für Isomatten, Schlafsäcke etc. genutzt werden.

Wie ist der konkrete Tagesablauf in dem Waldkindergarten?

Der Treffpunkt wird den Eltern jeweils ein Tag zuvor mitgeteilt. Dorthin bringen die Eltern dann ihre Kinder, die von den zwei Pädagogen in Empfang genommen werden. Wer zu spät kommt, muss der Gruppe im Wald nachlaufen, was aber auch kein Problem ist. Die Erzieher gehen mit ihrer Kindergruppe zu einem Spielort, an dem dann gefrühstückt wird. Das bringen die Kinder selber mit. Sie hocken auf einer Sitzunterlage. Es folgen Morgenkreis, freie Spielzeit sowie Angebote der Pädagogen. Normalerweise würde man danach zum Mittagessen zum Bauwagen laufen, das ist aber wegen der Bautätigkeit noch untersagt, wie bereits erwähnt. Stattdessen geht die Gruppe zur Notunterkunft, dem ehemaligen Kindergarten an der Lohengrinstraße in Graupa, um dort zu essen und den Mittagsschlaf zu halten. Nach der Vesper gehen die Kinder wieder nach draußen, entweder in den Schlosspark oder in das Wäldchen hinter dem Kindergarten. Um 16.30 Uhr holen die Eltern ihre Kinder spätestens wieder ab.

Gehen wir noch mal zurück in den Wald. Was passiert, wenn ein Kind jetzt ein dringendes Bedürfnis hat?

Es gibt an jedem Spielort eine vereinbarte Pullerstelle. Dorthin gehen die Kinder entweder begleitet von den Erziehern, oder auch allein, je nachdem, wie selbstständig sie sind. Für größere Geschäfte wird ein Loch gegraben.

Und das funktioniert?

Das funktioniert ganz prima. Wir achten dabei sehr auf die Umwelt, graben tief und die Kinder übernehmen somit auch Verantwortung beziehungsweise wachsen an der Situation.

Der Waldkindergarten ist ein großer Outdoor-Spiel- und Lernplatz. Was machen Sie, wenn es jetzt schneit und stürmt oder wenn Starkregen angesagt ist?

Wenn es witterungstechnisch bedenklich ist, entscheiden die Pädagogen, dass man nicht in den Wald geht, sondern sich in der Notunterkunft in Graupa trifft. Das ist die sichere Ausweichvariante. Das wird manchmal bereits am Vortag entschieden, die Pädagogen haben die Wetter-App genau im Blick.

Und bei Hitze?

Ähnlich. Bei einer Waldbrandgefahr ab Stufe 4 dürfen wir den Wald überhaupt nicht betreten. Dann weichen wir in den Graupaer Schlosspark aus, wo es Spielplätze, weite Wiesen und hohe alte Bäume gibt. Genug Platz zum Entdecken.

Wie empfinden die Mädchen und Jungen den Waldkindergarten?

Ich sehe, die Kinder genießen die Zeit in der Natur. Sie sind schöpferisch tätig, ohne eine sie überfordernde Reizüberflutung wahrzunehmen. Sie entdecken die Natur und die Jahreszeiten mit einem wachen Geist und nutzen die Materialien, die sie finden: Blätter, Holz, Lehm und Wasser. Das schafft Platz für viel Fantasie und heißt gleichzeitig Respekt gegenüber Flora und Fauna. Außerdem arbeitet der Waldkindergarten mit einer tiergestützten Pädagogik. Die Waldkinder treffen einmal pro Wochen auf ein Pferd oder einen Hund, um somit den Umgang mit dem Tier zu erlernen, zu erleben und dem Tier mit Achtung zu begegnen.

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