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Kiessee Birkwitz wird immer noch angezapft

Eigentlich sollte der Kiessee Birkwitz sein Wasser behalten. Doch der Stopp der Entnahme durch den Bergbau verzögert sich. Der Kieswerke-Chef sagt hier, warum.

Beliebtes Gewässer mit guter Wasserqualität: Viele Menschen genießen am Badesee Birkwitz die Abkühlung.
Beliebtes Gewässer mit guter Wasserqualität: Viele Menschen genießen am Badesee Birkwitz die Abkühlung. © Archivfoto: Daniel Schäfer

Birkwitz. Eigentlich sollte spätestens am 30. Juni Schluss sein mit der Wasserentnahme aus dem Kies- und Badesee in Birkwitz. Das gab Matthias Erben, Geschäftsführer der Kieswerke Borsberg GmbH, Anfang des Jahres bekannt. Die Kieswerke benötigen das Wasser zum Spülen des vor Ort abgebauten Kieses. Geplant ist, dass künftig das Wasser aus dem Tagebau Copitz zur Spülung genutzt wird. Dafür gab das zuständige Sächsische Oberbergamt vor Kurzem sein Plazet. Doch nun verzögert sich der Stopp der Wasserentnahme aus dem Birkwitzer Gewässer. Das sorgt für Unruhe im Dorf.

Lieferverzögerung bei Bauteilen

Der Geschäftsführer der Kieswerke Borsberg bestätigt zunächst auf Nachfrage von Sächsische.de die Verzögerung. Die Rohrleitungsbauer werden in zirka 14 Tagen mit der Umverlegung der Wasserleitungen fertig sein, sagt der Kieswerke-Chef. Was dann noch fehle, sei die elektrische Anbindung der Pumpe am neuen Entnahmestandort im Abbaufeld Copitz. "Hier kommt es zu Lieferverzögerungen bei Bauteilen. Die beauftragte Elektrofirma hat jetzt als Fertigstellungstermin Ende August 2021 genannt, unter der Voraussetzung, dass die bestellten Komponenten auch zum zugesagten Liefertermin kommen", erläutert Erben.

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Diese Verzögerung sei jedoch nicht weiter dramatisch. Nach Ausführungen von Erben korrespondiere der Wasserstand des Badesees über das Grundwasser mit entsprechender zeitlicher Verzögerung von mehreren Wochen mit dem Wasserstand der Elbe. "Die bereits seit Jahren laufende Wasserentnahme durch das Kieswerk hat dementsprechend nur einen sehr geringen Einfluss auf den Wasserstand des Sees, zumal das entnommene Wasser im unmittelbar benachbarten Tagebau wieder eingeleitet und damit unter anderem dem Grundwasserhaushalt wieder weitestgehend zur Verfügung gestellt wird", so der Geschäftsführer.

Lokalpolitiker sind informiert

Der Ortschaftsrat von Birkwitz-Pratzschwitz ist unterdessen informiert. "Wir haben auf der vergangenen Sitzung über die Verzögerung gesprochen", bestätigt Ortsvorsteher Dieter Fuchs (Freie Wähler-Wir für Pirna). Man stünde in Kontakt mit der Geschäftsführung der Kieswerke und sei derzeit nicht beunruhigt, da aufgrund der starken Niederschläge in den zurückliegenden Wochen der Wasserpegel im Badesee Birkwitz ohnehin relativ hoch sei.

Ortschaftsrat befürchtete ein Verlandung

Das war in den vergangenen Jahren anders. Hartnäckig hatten die Anwohner von Birkwitz-Pratzschwitz für "ihren" Badesee gekämpft, die eine Verlandung des Gewässers befürchteten. Das Problem des Sees in Birkwitz war der stark gesunkene Wasserstand. "Seit 2018 ist der Pegel um mindestens 1,80 Meter gefallen", erklärte Fuchs damals. Dafür gebe es zwei Gründe. "Es ist die Folge der relativ dürren vorangegangenen Sommer", meinte Fuchs. Aber nicht nur. Denn kritisch sei umso mehr die Wasserentnahme aus dem See durch die Kieswerke Borsberg. Nach seinen Recherchen entnehme das Unternehmen werktags täglich rund 3.600 Kubikmeter Wasser, um den Kies zu spülen, der aus den umliegenden Tagebaufeldern gewonnen wird.

Eine Rückführung fände nicht statt, so Fuchs und widerspricht somit den Einschätzungen von Matthias Erben. "Die Wiederauffüllung sollte eigentlich durch rückfließendes Grundwasser erfolgen", erklärt Fuchs. Und genau hier läge das Problem. Denn bis Sommer 2017 haben die Kieswerke Kies aus dem See gefördert und das dafür benötigte Wasser wieder eingespült. "Allerdings ungefiltert über ein Rohr", sagt Ortschaftsrat Hans Prugger, der sich mit der Problematik ebenfalls intensiv beschäftigt hat.

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Somit seien auch Sedimente in den See zurückgeführt worden. "Diese haben sich wie eine Schicht, eine Art Folie, an den Seerändern und auf dem Seegrund abgelagert und die Fläche verdichtet, sodass das Grundwasser nicht mehr nachströmen kann", erläutert Prugger. Die Folge läge auf der Hand. "Der See droht zu verlanden, weil hier nur Wasser entnommen wird, und es keine Kompensation durch das Grundwasser gibt", fassen Dieter Fuchs und Hans Prugger zusammen.

Deshalb machte der Ort sich für einen Stopp der Wasserentnahme stark; und entsprechend groß war die Erleichterung, als bekannt wurde, dass das Spülwasser künftig aus dem Tagebau Copitz und nicht mehr aus dem Kiessee Birkwitz entnommen wird.

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